Kristian Bezuidenhout

Der Kern des Ganzen

Nach zehn Jahren mit Mozart will sich Kristian Bezuidenhout nun Bach zuwenden. Zuvor aber legt er die fünf Beethoven-Konzerte vor.

Von Arnt Cobbers


Er ist gebürtiger Südafrikaner, mit einem afrikaanssprachigen Vater und einer deutschsprachigen Mutter, kam mit neun Jahren nach Australien, studierte u. a. in den USA, wohnt in London, unterrichtete als Gastprofessor in Basel und ist Co-Leiter des Freiburger Barockorchesters – Kristian Bezuidenhout ist ein wahrer Weltbürger. Der 40-Jährige spricht Deutsch wie ein wenig geübter Muttersprachler, wechselt aber manchmal ins Englische – und beendet dann doch einige Ausführungen mit dem Satz: „Ich kann das nicht genau ausdrücken.“ Nach dem Gespräch entschuldigt er sich: „Musiker wollen die Dinge immer ganz genau auf den Punkt bringen.“

Herr Bezuidenhout, was hat das Hammerklavier, was der moderne Flügel nicht hat?
Wenn ich Hammerflügel spiele, habe ich den Eindruck, dass ich spreche. Der moderne Flügel ist fantastisch, aber ich habe musikalisch viel stärkere Überzeugungen, wenn ich Hammerflügel spiele, weil das Instrument mit mir spricht und ich mit dem Instrument. Man muss auch viel mehr aufpassen. Der Steinway bietet einem alles an, er ist superfreundlich und sehr professionell. Beim Hammerflügel habe ich das Gefühl, ich muss mehr arbeiten, und dadurch haben die Ergebnisse einen persönlicheren Stempel. Und das ist mir wichtig in dieser Musik.

Spielen Sie noch auf dem modernen Flügel?
Mehr und mehr. Ich spiele oft Mozart-Konzerte mit modernen Orchestern. Deren Musiker sind neugierig und wollen neue Dimensionen, neue Meinungen erfahren. Das ist für beide Seiten sehr wichtig.

Sie sind seit 2017 einer der beiden künstlerischen Leiter des Freiburger Barockorchesters. Was bedeutet das konkret?
Petra Müllejans wollte im Orchester bleiben, aber nicht mehr als künstlerische Leiterin. Sie hat mich gefragt, ob ich sie für eine Übergangsphase ersetzen wolle. Die Musiker sind immer noch auf der Suche nach einem Konzertmeister als künstlerischem Leiter, und deshalb haben wir jetzt beschlossen, in dieser Konstellation weiterzuarbeiten. Im Moment leite ich zwei oder drei Projekte pro Jahr, und mit jedem Projekt wird meine Rolle im Orchester intensiver und unsere Richtung immer klarer. Ich liebe das Orchester und schätze die Kollegen wahnsinnig, und die musikalischen Ergebnisse sind für mich die absoluten Highlights der Saison.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe April 2020

Aktuelle CD

Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 2 u. 5;
mit Freiburger Barockorchester,
Pablo Heras-Casado (2017);
harmonia mundi  (Rezension S. 47 in Ausgabe 4/2020)