Elsa Dreisig

„Theaterluft ist die beste Schule“

Sopranistin Elsa Dreisig über die Salzburger „Così fan tutte“, warum sie nicht die Schülerin ihrer Mutter war – und den Wunsch nach Richard Strauss.

Von Kai Luehrs-Kaiser

Così fan tutte“ in Salzburg war trotz Covid-bedingter Kürzung ein großer Erfolg. Um wie viel ist dieses Meisterwerk denn gekürzt worden?
Oh, là là! Ich weiß es nicht. Eine Arie der Despina fiel weg, außerdem Wiederholungen in Ensembles und einige Rezitative. Die Aufführung dauerte dennoch mehr als zwei Stunden. Die Änderungen, die von Joana Mallwitz gemeinsam mit dem Regisseur Christof Loy erarbeitet wurden, kamen uns allen sehr organisch vor. Ich hatte die schönsten Arien, mir fehlte nichts.

Kein Problem?
Doch! Heikel sind die Kürzungen, die direkt vorm eigenen Einsatz kommen. Außerdem fürchtete ich mich davor, keine Pause zu haben. Nach dem Finale des 1. Aktes einfach weiterzumachen, ist schwierig. Andererseits, wenn man über den Punkt hinweg ist, geht’s umso leichter. Pausen können auch gefährlich sein.

„Così fan tutte“ enthüllt – halb scherzhaft –, dass alle Frauen untreu sind. Und alle Männer sowieso. Ein moderner Stoff?
Unbedingt. Früher, als ich den Text noch nicht so gut kannte, fand ich „Così“ oberflächlich. Inzwischen nicht mehr. Das Libretto von Lorenzo da Ponte ist fantastisch, nicht nur, weil die drei Frauen vollkommen unterschiedlich gezeichnet sind. Schwach erscheinen sie nur, wenn sie verniedlicht dargestellt werden – so wie in der alten Fernseh-Verfilmung mit Gundula Janowitz und Christa Ludwig – tolle Sängerinnen übrigens! „Così fan tutte“ ist keine Gender-Oper. Aber erst recht nicht männerfreundlich.

Sie wurden 2016 als „Nachwuchssängerin des Jahres“ von der „Opernwelt“ ausgezeichnet. Hat das etwas bewirkt?
Mir ist nie ganz klar geworden, wofür ich diese Auszeichnung erhalten habe, denn ich sang damals nicht eine einzige Premiere. Sie war trotzdem wichtig, und zwar insofern, als ich noch heute oft darauf angesprochen werde. Ich hatte vorher etliche Wettbewerbe mitgemacht, auch einige gewonnen. Was mir wirklich etwas bedeutet hat, war die Tatsache, dass die Anerkennung aus Deutschland kam. Auszeichnungen lassen sich nicht in Zahlen ummünzen, sind aber doch schön, sagen wir: für die „Aura“.

Hat Daniel Barenboim Sie tatsächlich persönlich an die Berliner Staatsoper verpflichtet?
Insofern ja, als an der Berliner Staatsoper nichts ohne das Wort Barenboims geht. Ich war ins Opernstudio aufgenommen worden, wo ich Micaëla und Pamina vorgesungen hatte. Als ich sah, dass eine „Zauberflöte“ angesetzt war, für die man noch keine Pamina hatte, habe ich dreist angefragt. Ich war halt frech. Der Besetzungschef Tobias Hasan sagte mir, er werde sich bei Barenboim erkundigen. Der war dafür – oder jedenfalls nicht dagegen. Es war ein Traummoment in meiner Laufbahn. Die erste große Partie an einem solchen Haus – und das mit René Pape als Sarastro. Die erste große Premiere kam viel später: Schumanns „Faust-Szenen“ zur Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden.

 


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Mai 2021

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