Anna Prohaska

Schatzsuche im Paradiesgarten

Die Sopranistin Anna Prohaska bietet Seelenmedizin in Pandemiezeiten.

Von Josef Oehrlein


Ach, wie schön wäre es gewesen, wenn wir uns in einem paradiesischen österreichischen Gastgarten über Liedgesang und Opernrollen, über Gesangsausbildung und jüngste Projekte, über Gott und die Welt hätten unterhalten können. Doch die Coronakrise verbannte die Begegnung mit der Sängerin Anna Prohaska, die sich gerade im Landhaus ihrer Eltern im Salzburgischen aufhielt, in die virtuelle Sphäre der Online-Kommunikation. Und dann wird gar während des Skypemeetings die Bildqualität immer schlechter, schließlich bricht die Verbindung ganz ab. Anna Prohaska lässt sich durch die Tücken der Technik nicht beirren, allerdings muss sie das Videobild abschalten, um einen endgültigen Zusammenbruch der Kommunikation zu vermeiden.

Mit ihrer Auskunftsfreude, ihren geradlinigen Aussagen bar jeder Verlegenheitsfloskel entsteht während des Gesprächs auch ohne Video das Bild einer Sängerin, die ihrer Sache sicher ist, die weiß, was sie bisher erreicht hat und was sie noch erreichen kann. Wenn da nicht die Coronakrise wäre. Eine Pause, wie sie der Lockdown erzwungen hat, täte ja ihr und ihresgleichen gut, sagt Anna Prohaska. Aber diese Ungewissheit! Wann geht es weiter? Zuletzt hätte sie in Mozarts „Idomeneo“ an der Berliner Staatsoper die Partie der Illia singen sollen. Sechs Wochen lang hatte sie dafür zusammen mit einem „unglaublichen Team“ unter Simon Rattles Leitung geprobt. Und kurz vor der Premiere war alles aus. Als eine „emotionale Totgeburt“ hat sie das Desaster bei Gelegenheit bezeichnet. Bei der Nachholpremiere, voraussichtlich im Januar 2021, wird ein völlig anderes Ensemble antreten. Sie selbst hat dann andere Verpflichtungen. An der Bayerischen Staatsoper in München ist sie in Webers „Freischütz“ als Ännchen vorgesehen.

Aus der Coronakrise hat Anna Prohaska das Beste gemacht: Sie ist ins Studio gegangen. Das CD-Projekt, das sie zusammen mit Wolfgang Katschners Lautten Compagney beim Label Alpha verwirklicht hat, enthält Ausschnitte aus Bach-Kantaten, die ganz gezielt als Seelenmedizin für die Pandemie-Katastrophe ausgesucht scheinen, wie der Choral „Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe“ auf drastische Weise suggeriert. Prohaska hatte das Programm allerdings, wie sie versichert, zusammen mit Katschner schon vor der Coronazeit konzipiert. Das Cover des Albums, das nur per Download oder Streaming erhältlich ist, dürfte allerdings das erste sein, auf dem die Musiker Mund-Nasen-Schutz tragen.

 


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe September 2020

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