Alban Gerhardt

Neue Liebe

Seit 30 Jahren ist der Cellist Alban Gerhardt auf allen Bühnen der Welt zu hören. In der Corona-Pause hat auch er das Internet als Podium entdeckt. Aber ganz anders als seine Kollegen. 

Von Klemens Hippel


Eigentlich ist Alban Gerhardt ja Berliner. Aber da es ihn jetzt nach Madrid verschlagen hat, muss ich mich doch zu einem Skype-Interview verabreden. Schade, dass mein Skype sich nicht mit Madrid verbinden mag und lieber ein Update macht. Sodass wir dann doch ganz altmodisch zum Telefon greifen.

Herr Gerhardt, als Ihr letztes Por­trät im FONO FORUM erschien, war gerade Ihr Cello gestohlen worden.
Oh, das ist ja lange her, 16 Jahre.

Haben Sie je wieder etwas davon gehört?
Nein. Die Polizei meinte damals, entweder taucht es nach einer Woche auf oder nach zehn Jahren. Und wenn es gar nicht mehr auftaucht, war es vielleicht ein Gelegenheitsdieb, der später in der Zeitung gelesen hat, was es wert ist, und es dann aus lauter Angst vernichtet hat. Vielleicht wollte aber auch jemand gerade dieses Cello haben, dann liegt es jetzt bei ihm im Tresor.

Denken Sie noch an das Instrument?
Nein. Für mich war das ein Glück im Unglück. Ich wusste damals, dass ich eigentlich ein Instrument mit einem größeren Klang brauchte, aber ich hatte nie Lust zu suchen. Als es mir weggenommen wurde, war ich dazu gezwungen. Und dann habe ich dieses Cello von Matteo Gofriller gefunden, das perfekt zu mir passt. Ich bin aber keiner, der von seinem Ins­trument besessen ist. Ich gehe nicht alle zwei Wochen zum Geigenbauer oder experimentiere mit Saiten und Steg wie manche Kollegen. Ich gehe nur zum Geigenbauer, wenn es irgendwo rasselt. Und ich suche die Fehler eher bei mir als beim Instrument. Wenn es nicht klingt, bin ich schuld, nicht Bogen oder Instrument.

Sind Sie denn vorsichtiger geworden nach dem Diebstahl?
Überhaupt nicht. Obwohl ich seit ein paar Jahren im Flugzeug einen zweiten Sitz buche und das Cello nicht mehr als Gepäck aufgebe. Da war zwar 20 Jahre lang nichts passiert, aber vor einiger Zeit ist mir klar geworden, dass ich für die Versicherungssumme meines Instruments nichts Adäquates kaufen könnte. Die Instrumente vom Gofriller kosten inzwischen siebenstellig – außer meinem, weil es in einem so schlechten Zustand ist. Ich könnte es natürlich restaurieren lassen, aber das würde den Wert nicht erhöhen, den Klang vielleicht sogar verschlechtern.

Waren Sie durch diesen Schicksalsschlag besser auf Corona vorbereitet als die Kollegen?
Das ist eine gute Frage. (lacht) Nein, damals habe ich mir einfach einen Ersatz besorgt, ich musste mit der Musik nicht aufhören. Jetzt gibt es keinen Ersatz. Aber ich war mir immer sehr bewusst, dass es jederzeit vorbei sein kann mit dem Musikmachen. Finger ab, Hand ab... Aber das Leben bietet auch andere Sachen.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe November 2020

Aktuelle CD

FonoForum-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote finden Sie im FonoForum-Newsletter.

Jetzt registrieren