Raphaela Gromes

Singen auf dem Cello

Die Münchner Cellistin Raphaela Gromes entdeckt den Kammermusiker Jacques Offenbach.

Von Klaus Kalchschmid

Wenn beide Eltern Cellisten sind, ist es kein Wunder, wenn die vierjährige Tochter keine Lust auf Geige oder Klavier verspürt, sondern partout auch Cello spielen will. Je besser das Mädchen an ihrem Achtel-Instrument wurde, desto mehr wurde die gebürtige Münchnerin Raphaela Gromes auch gefordert, aber: „Wenn meine Mama als Lehrerin mich mal wieder sehr streng korrigierte, war Papa mein seelischer Unterstützer.“ Durch diese unwillkürliche pädagogische Doppelstrategie verlor die kleine Raphaela nie die Lust am Cello und war zehn Jahre später, 2005, reif für ihren ersten großen Auftritt mit Friedrich Guldas Cellokonzert.

Da ist Raphaela Gromes einem kleinen Jungen namens Jakob nicht ganz unähnlich, der 1828 die Eltern damit überraschte, dass er sich das Cello-Spiel selbst beigebracht hatte: Es war der spätere Jacques Offenbach, den man 1843 als „Liszt des Violoncellos“ bezeichnete und der ein Leben lang als Virtuose oft mit eigenen Stücken auftrat. Pädagoge war er auch und komponierte einen „Cours méthodique de duos“ in sechs Bänden, einen methodischen Lehrgang mit Kompositionen für zwei Celli, die mit Anfängerstücken beginnen und immer schwerer werden.

Das op. 54/3 aus dem „Cours méthodique“ ist das letzte, schwerste der Reihe, und Raphaela Gromes hat sich als Partner dafür keinen Geringeren als ihren berühmten Cellolehrer Wen-Sinn Yang ausgesucht. Nachdem sie 2006 bis 2010 Jungstudentin bei Peter Bruns gewesen war und immer zwischen Leipzig und München pendeln musste, wo sie noch zur Schule ging, lernte sie nach dem musikalischen Rüstzeug – und dem Abitur mit 1,0 – bei dem auch charakterlich so anderen Yang die künstlerischen Feinheiten: „Er ist ein liebevoller, warmer, väterlicher, zugewandter Mensch. Aber auch er forderte mich auf seine Weise. Ich hatte mich nie öffentlich mit Gleichaltrigen messen müssen, bis Professor Yang mich sanft dazu pusch­te.“ Und das mit Erfolg: Nach dem Richard-Strauss-Wettbewerb 2012 gewann sie 2016 auch den Deutschen Musikwettbewerb in der Kategorie Cello solo.

Indem Gromes jetzt als 28-Jährige das Meisterstück der 36 Offenbach’schen Cello-Duos eingespielt hat, schließt sich ein Kreis, hat sie doch als Vierjährige zusammen mit ihrer Mutter die Anfänger-Stücke aus Band 1 gespielt. Nun empfindet sie das in ein Sonatensatz-Allegro mit Adagio-Einleitung und ein Allegro vivo-Rondo geteilte, zwanzigminütige Duo mit ihrem Professor als „letzten Ritterschlag nach meiner Masterprüfung“.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Juni 2019

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