Klavierduo Genova & Dimitrov

Gelebte Balance

Das Klavierduo Genova & Dimitrov feiert Silberjubiläum. Es besteht seit 25 Jahren und zählt längst zu den erfolgreichsten Formationen dieser doch eherspeziellen Art des Musizierens. Sie erzählen über den Wandel ihrer Disziplin und über eine Komponistin, die sie gerade neu entdeckt haben.

Von Christoph Vratz


88 Tasten, zehn Finger. Das ist die übliche Voraussetzung bei einem Pianisten. Bei Aglika Genova und Liuben Dimitrov sind die Dimensionen andere: 88/20 oder 176/20. Denn als Duo spielen sie sowohl vierhändig als auch an zwei Klavieren. „Beide Arten sind jedoch nicht gleichzusetzen, sie sind etwas völlig anderes. Dynamik, Klang, alles unterscheidet sich, denn anstelle eines Orchesters haben wir sozusagen zwei“, erklären beide einstimmig.

Als Solisten haben sich Genova & Dimitrov vor 25 Jahren gefunden, allerdings ohne sich zu suchen. Bei einer Chopin-Etüde, die sie zufällig und aus Platzgründen in einem Raum, aber an zwei Flügeln, spielten, erkannten die beiden ausgebildeten Solisten ihre Qualitäten als Synchron-Pianisten. Vor ihnen lag nun ein Weg, der sie auch menschlich zusammenführte. Sie wurden ein Paar, pianistisch und privat. Inzwischen haben sie nicht nur eine Reihe sehr erfolgreicher CDs veröffentlicht, sondern unterrichten seit 2008 auch an der Hochschule von Hannover, ihrer Wahlheimat.

Als Studenten mussten sie lange suchen, bis sie, ebenfalls in Hannover, in Vladimir Krainev einen Förderer und Mentor fanden. Er hat ihren Weg geprägt. Und heute? Wie hat sich die Infrastruktur für Klavierduos verändert? „Es gibt derzeit sehr viele Duos“, erklärt Aglika Genova, „das ist auch das Ergebnis einer erfreulichen Entwicklung. Natürlich gibt es Qualitätsunterschiede, aber das ist nicht ungewöhnlich. Die Kehrseite ist, dass es darunter Musiker gibt, die glauben, dass sie automatisch ein gutes Klavierduo ergeben, weil sie Brüder, Schwestern oder Paare sind. Dem ist nicht so. Wir haben auch Zwillingspaare erlebt, bei denen es einfach nicht funktionierte. Eine Garantie gibt es nicht.“ Denn eins und eins macht eben nicht immer zwei. Zwei Pianisten ergeben noch lange kein erfolgreiches Duo, selbst wenn sie über noch so reiche solistische Erfahrung verfügen. Warum?

„Das Empfinden als Duo ist mehr als ein rein synchrones Zusammenspiel“, ergänzt Liuben Dimitrov. „Insofern sind wir auch ein bisschen in Sorge. Einerseits hat das Klavierduo als Disziplin an Reiz gewonnen, das ist gut. Man darf es aber keinesfalls als Verlegenheitslösung oder Schlupfwinkel, als Ersatz für eine nicht oder nur schleppend funktionierende Solistenlaufbahn betrachten, im Gegenteil: Es braucht ein hohes Maß an Respekt für die Herausforderungen eines Duos. …


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe April 2021

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Beach: Werke für Klavierduo (2021); cpo/jpc

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