Elīna Garanča

Im Reich der starken Frauen

Auf ihrem neuen Album „Revive“ widmet sich Elīna Garanča starken Frauengestalten und der menschlichen Kraft, die aus Krisen erwächst. Eine Begegnung in München. Von Dorothea Walchshäusl

Elīna Garanča ist eine wohltuend geerdete Erscheinung in der glitzernden Welt der Oper. Freilich, auch sie ziert mit aufregend geraffter Robe und laszivem Blick die CD-Cover, auch sie krönt Gala-Revuen mit ihrem Auftritt und wird im Reich der führenden Sängerinnen unserer Zeit denkbar hoch gehandelt. Und doch: Sitzt man der lettischen Mezzosopranistin gegenüber, zählt anderes und erhält der Begriff der „Powerfrau“ eine ganz neue Färbung.

Ein Besprechungszimmer in den Büroetagen der Münchner Staatsoper. Es ist früher Nachmittag und bis gerade eben hat Elīna Garanča im Bühnenraum geprobt. Ein wenig erschöpft nimmt die Sängerin Platz, noch sind die Proben ganz am Anfang und steht viel Arbeit bevor, ehe „La Favorite“ von Gaetano Donizetti Ende Oktober Premiere feiern wird. Die dichten Probentage sind fordernd, doch Garanča begegnet ihnen mit der Ausdauer und Souveränität eines routinierten Profis. Viel Zeit ist nicht, doch zu sagen gibt es viel, und Garanča zeigt sich als Meisterin der Effizienz. Mit dunkler Stimme und klarem Blick verzichtet sie auf divenhafte Umschweife und dramatischen Gestus. Noch ein Blick auf das Smartphone, noch ein Schluck Wasser, dann streicht sich die Sängerin durch die blonden Haare, wirft die Beine übereinander und harrt der ersten Frage.

In gewisser Weise trägt das Stimmfach des Mezzosoprans die Erdung bereits vom Tonumfang her in sich, und häufig sind es die komplexen, mitunter auch berüchtigten „Hosenrollen“, die von Vertreterinnen dieses Fachs ausgefüllt werden. Elīna Garanča ist es gelungen, in diesem vielfarbig tönenden Reich zwischen Alt und Sopran mit geschliffener Technik und samtig betörendem Stimmklang auch die höchsten Gipfel zu erklimmen. Mit gerade einmal 40 Jahren scheint sie am Ziel aller Wünsche und wählt die nächsten Touren nun mit Bestimmtheit und Bedacht.


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe November 2016


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