Nikolaus Harnoncourt

Der Wahrheitssucher

Nikolaus Harnoncourt hat die Ohren justiert und den Blick geschärft fürs genaue Lesen der Partituren: Am 5. März ist die Leitfigur der historischen Aufführungspraxis 86-jährig in St. Georgen im Attergau gestorben.

Von Götz Thieme

Für Nikolaus Harnoncourt, den Cellisten, Ensemblegründer, Dirigenten und Forscher, war Musik nie Spiel, Zeitvertreib. „Die Kunst“, sagte er einmal, „ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ Und obwohl er zu dem Schluss kam, dass die Kunst „die Sprache des Unsagbaren“ sei, sah er darin keinen Widerspruch, den Hirnapparat einzuschalten, sich beim Musizieren nicht den Konventionen, nie den faulen, sondern nur den überlegten Kompromissen (ohne sie geht es nicht, das wusste er) hinzugeben, vor allem immer zu fragen: warum. Damit wurde Harnoncourt zur Überfigur der sogenannten historisch informierten Aufführungspraxis. Ein Begriff zwar, bei dem er durch die Nase schnaubte: „Ein Ausdruck, bei dem mir persönlich sofort schlecht wird. Was soll ,informiert‘ denn heißen?! Wir haben immer nur gesagt: ,auf historischen Instrumenten‘ – und fertig. Der Ausdruck ,authentisch‘ passt auch nicht. Authentisch sein kann nur der Komponist.“


Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Mai 2016


Anzeige

Empfehlungen des Monats

Welch ein Flötenfest: drei der schönsten Konzerte des 20. Jahrhunderts vereint auf einer CD, temperamentvoll und klangschön gespielt von Clara Andrada und ihrem hr-Sinfonieorchester.

In Brahms‘ Klarinettensonaten zelebrieren Jörg Widmann und András Schiff die hohe Kunst des Zusammenspiels par excellence und führen ungemein fesselnde, aber auch zart-intime Dialoge.

Wandlungsfähig, subtil witzig und klug präsentieren die Sopranistin Julia Sophie Wagner, Steffen Schleiermacher und das Ensemble Avantgarde Perlen aus Charles Ives‘ Lied- und Kammermusik-Œuvre.

Das filigrane Kleinod „Creatures & States“ des Eva Klesse Quartetts bietet eine unerwartete Überraschung. An den detailreichen Klanggespinsten kann man sich kaum satthören.

FonoForum-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote finden Sie im FonoForum-Newsletter.

Jetzt registrieren