Geigenanker

Meret Lüthi und das Ensemble Les Passions de l´Ã‚me haben habsburgische Violinmusik eingespielt, so bekannte Stücke wie die »Fechtschule« von Schmelzer, zwei Partien aus Bibers »Harmonia artificiosa-ariosa«, seine tonmalerische Sonata representativa oder »Turcaria« von Fux. Ein Hackbrett und etwas Perkussion machen dabei aber noch keine exotische Musik aus. Und doch gerät diese Musik bei Les Passions de l´Ã‚me zu etwas Besonderem. Im zehnminütigen Variationensatz von Schmelzers »Partia VI« kleiden sie jede der Miniaturen in ein neues Gewand, mal ist es zart hingehaucht, mal orgelhaft groß, dann wieder lautenhaft intim. Die Geigen sind dabei immer der Anker, die anderen Instrumente haben aber genügend Gelegenheit, sich zu profilieren. Man hört ein Piano staccato der Geigen, dazu hingeworfene Töne des Dulcimers, dann einen orgelhaften Brummbass und plötzlich ein Glockenspiel, bis man in der Schlussvariation in den Heimathafen der für Schmelzer typischen Geigenvirtuosität gelangt.

Die Tonbilder in Bibers Sonata representativa spielt Meret Lüthi drastisch: Die Katze miaut kläglich, der Frosch quakt heiser; aber es sind keine geigerischen Kinderspielchen, sondern man findet jederzeit in den schönen habsburgischen Geigensound zurück, in der Allemande z. B. Die Ciacona von Bibers »Partia III« – das Schlussstück der Platte – ist dann fast eine neue Komposition, so sehr winden, kommentieren, verzieren unter den hohen Geigengirlanden und über dem stoischen Violone die Perkussionsinstrumente, die Barockgitarre, das Cembalo und noch viel mehr. Man könnte sagen, diese Platte ist eine Synthese aus Gunar Letzbors geigerischer Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem habsburgischen Musikerbe und den Klangeskapaden von Christina Pluhars Ensemble L‘Arpeggiata.

Richard Lorber

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