Mirella Freni. Bild: Parlophone Records Ltd., A Warner Music Group Company
Mirella Freni. Bild: Parlophone Records Ltd., A Warner Music Group Company

Zum Tod von Mirella Freni

Kurz vor ihrem 85. Geburtstag ist die italienische Operndiva Mirella Freni gestorben. Ihre urgesunde Art des Singens hatte nicht nur Freunde.

Sie passte wie kaum eine andere Sängerin zur Karajan-Ästhetik der möglichst bruchlosen, bisweilen glatten Art des Musizierens. Mirella Freni wurde immer wieder kritisiert, weil sie ihre Rollen nicht verkörpert habe, weder körperlich, noch stimmlich. Und die Antipodin dazu war auch gleich zur Hand: Renata Scotto, die manchmal scharf und heftig vibrierende Soprankollegin galt als expressiver Widerpart zur Freni.

Mirella Freni, im selben Jahr (1935) im selben Ort (Modena) geboren wie Luciano Pavarotti, der ebenfalls eine alles überflutende Stimme besaß, studierte wie dieser bei der Gesangslehrerlegende Ettore Campogalliani (1903-1992). Mit 20 Jahren debütierte sie 1955 in Modena, mit 25 in Glyndebourne, mit 26 an Covent Garden und 1963 an der Scala - als Mimi in Puccinis La Boheme, eine der Rollen ihres Lebens. Die Decca-Aufnahme mit Pavarotti unter Karajan ist bis heute ein diskografischer Meilenstein, ob man das Aufeinandertreffen gestählt gesunden Muszierens und Singens nun mag oder nicht. Manch einer bevorzugt daher die rund zehn Jahre früher entstandene Boheme-Aufnahme unter Thomas Schippers mit Nicolai Gedda.

Die Freni war einer der großen Weltstars der 70er und 80er Jahre, ihre oft in Verbindung mit Festival-Produktionen gemachten Aufnahmen waren erfolgreich, z. B. die Aida aus Salzburg 1970/1980. Ihre Beliebtheit bei den Opernfans rund um den Globus war und ist sehr groß. Insofern muss sich vielleicht auch die Kritik bescheiden und feststellen, dass die Stimme der Freni viele Menschen berührt hat und bis heute berührt. Zahlreiche Aufnahmen belegen ihre vor allem im italienischen Standard-Repertoire hohe Stellung.

Der Gesang der Freni gemahnt an eine Grundgegebenheit des Musizierens: Schon die Bildung des Tons ist ein Akt der Interpretation und Ausdruck der Persönlichkeit. Vielleicht hatte sie für manche einfach zu viel Glanz. Am Opernhimmel werden ihr Name und ihre Stimme weiterstrahlen.

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