Eine der für Witten neuen Komponistinnen: Dariya Maminova. Bild: Yaroslav Kotov
Eine der für Witten neuen Komponistinnen: Dariya Maminova. Bild: Yaroslav Kotov

Witten mit vielen Debütantinnen

Neueste Musik ganz ohne Live-Publikum: Witten findet von Freitag, den 23. bis Sonntag, den 25. April als Radio- und Streamingfestival statt.

„Diese Zukunft scheint unwiderruflich verloren, aber ihr Geist verfolgt uns“. Dieses Statement gibt der Komponist Mauro Lanza seinem neuen Wittener Streichquartett mit auf den Weg. Es ist ein Weg, der zurück in eine Zukunft führt, die so schnell altert wie der Hype um immer neue technologische Entwicklungen. Im zweiten Jahr der Pandemie ist der Glaube an die Kraft des Geistes, der aus undurchführbaren Plänen neue, vielleicht doch durchführbare Zukunftsmodelle entwickelt, wichtiger denn je. Der Festivalgeist bleibt jedenfalls lebendig. Deshalb sollen die Wittener Tage für neue Kammermusik auch 2021 stattfinden.

30 Uraufführungen von Komponistenen aus 15 Nationen werden vom 23. bis zum 25 April von Solisten, Ensembles und dem WDR Sinfonieorchester aus der Taufe gehoben, auf der Bühne, im Radio oder in neuen, hybriden Formaten. Der lebendige Geist wird zeigen, wohin die Reise geht.

An diesem Wochenende der zeitgenössischen Musik handelt aber nicht nur der neue Streichquartett-Zyklus von Mauro Lanza von der ungebrochenen Energie, die von vermeintlich verlorenen Visionen ausgeht. Im Mittelpunkt des Festivals steht in diesem Jahr der französische Komponist Brice Pauset, der sich nicht nur mit einer Mixed-Media-Komposition und einem paradoxen Klavierkonzert in Witten präsentiert, sondern auch mit Werken für Cembalo und Hammerflügel, die sich schon mehr als einmal aus der vermeintlich endgültigen Vergangenheit in eine neue Zukunft gerettet haben.

Ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk entwirft, gemeinsam mit der Lichtkünstlerin Sabine Maier, der Österreicher Klaus Lang. Seine Klänge werden sich in einer Lichtwelt bewegen, deren Ästhetik sich alten, eigentlich von der technologischen Entwicklung überholten Geräten verdankt.

Auf unbekanntes, auch musikalisch unerschlossenes Terrain begibt sich das Festival, das gemeinsam von der Stadt Witten und dem WDR durchgeführt wird, in seinem 53. Jahr mit einer Serie von Klangkunstarbeiten, Installationen und Performances im Wittener Schwesternpark. Das urbane Schmuckstück zählt zu den schönsten Grünanlagen der Stadt. Dieser bis heute gut gehütete Geheimtipp ist ein labyrinthischer Ort, der zum Flanieren und Innehalten einlädt. Vor rund 100 Jahren angelegt diente der Park ursprünglich der Rekreation von Krankenschwestern. Die liebevoll gestalteten Kleinlandschaften sollten die Frauen an ihre jeweilige Heimat erinnern. Mit ihren Arbeiten reflektieren nun Klangkünstler die Flora und Fauna, aber auch seine besondere Akustik des Schwesternparks. Zu entdecken gibt es dort mobile Kammermusik, Theater, Tanz, Hörstücke und Klangkunst von Peter Ablinger, Thomas Taxus Beck, Lilian Beidler, Farzia Fallah, Georgia Koumará, Dariya Maminova, Hanna Hartman, Georg Klein, Andrea Neumann, Daniel Ott, Mauro Hertig und Kirsten Reese.

An neuen Werken für die Kammermusiktage arbeiten Michael Pelzel, Hugues Dufourt, Sasha J Blondeau, Milica Djordjević, Birke Bertelsmeier, Bernhard Gander und Zeynep Gedizlioğlu.

Ihr Debüt geben in diesem Jahr Żaneta Rydzewska, Mirela Ivičević, Christian Winther Christensen, Céline Steiner, Georgia Koumará, Dariya Maminova, Farzia Fallah, Huihui Cheng und Lilian Beidler.

Zu den Interpreten der neuen Werke zählen in diesem Jahr Nicolas Hodges (Klavier), der Trompeter Paul Hübner und Rie Watanabe (Schlagwerk) sowie die Formationen ascolta, Klangforum Wien, Ensemble Garage, Ensemble Nikel, das Bläserquintett Schwerpunkt, das französische Quatuor Diotima, das Pariser Klangforschungsinstitut IRCAM, das die Elektronik bei mehreren Werken realisiert, sowie das WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Michael Wendeberg.

Zum Begleitprogramm des Wittener Festivals gehören das Newcomer-Konzert mit dem IEMA Ensemble, das Schulprojekt sowie das, von der Musikhochschule Köln und der Folkwang Universität Essen durchgeführte Labor mit Probenbesuchen, Vorträgen und Workshops für studierenden Nachwuchs.

Und nicht zuletzt stehen die Radioabende auf WDR während des gesamten Wochenendes ganz im Zeichen der neuen Kammermusik. WDR3 überträgt die Konzerte, Performances und Klanginstallationen, begleitet von Reportagen, Essays und Künstlergesprächen live oder zeitnah.

 

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