Wegen Corona kein Gruppenfoto: hier ein Ausschnitt aus der Collage der glücklichen Stipendiaten der Deutschen Stiftung Musikleben.
Wegen Corona kein Gruppenfoto: hier ein Ausschnitt aus der Collage der glücklichen Stipendiaten der Deutschen Stiftung Musikleben.

Wertvolle Instrumente zu fleißigen Händen

Auf einem richtig guten Instrument spielen – dieser Traum ging auch 2020 wieder für 30 junge Musiker im Alter von elf bis 23 Jahren in Erfüllung.

Jedes Jahr im Herbst öffnet die Deutsche Stiftung Musikleben den Deutschen Musikinstrumentenfonds und verleiht zum Teil jahrhundertealte Streichinstrumente für zunächst zwei Jahre an herausragende Preisträger von „Jugend musiziert“. Corona-bedingt konnte die Vergabe in diesem Jahr jedoch nicht als fröhlicher Tag mit Musikern, Treugebern und Freunden der Stiftung im Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg stattfinden. Stattdessen wurden den gesamten Herbst bis weit in den Winter hinein die jungen Streicher einzeln in die Geschäftsstelle der Stiftung eingeladen und durften dort unter Beachtung aller Hygienevorschriften verschiedene Instrumente anspielen und ausprobieren. Zur Vergabe standen wieder besonders klangschöne Streichinstrumente, darunter über 300 Jahr alte historische Raritäten und seltene Instrumente mit verringerter Korpusgröße, an denen junge Virtuosen noch wachsen können und die für den Nachwuchs in den allermeisten Fällen unerschwinglich sind. 

Insgesamt wurden 13 Violinen, fünf Bratschen, acht Violoncelli und fünf Kontrabässe an herausragende Preisträger von „Jugend musiziert“ vergeben. Zwei der jüngsten Teilnehmer waren der elfjährige Ianto Hien aus Burghausen, dem ein ½ Pöllmann-Bass aus dem Besitz der Deutschen Stiftung Musikleben verliehen wurde, und der zwölfjährige Sebastian Dietrich aus Mülheim, der sich über eine echte Rarität freuen konnte, ein ¾-Violoncello aus der Stainer-Schule um 1700. Nina Liu (17 Jahre) aus München wählte eine Meistervioline mit Zettel „Enrico Rocca, Genua 1896“ aus Geisingener Familienbesitz, die gerade erst in den Fonds eingegeben wurde. Antonia Mütze (16) aus Berlin entschied sich für eine Viola von Gaspar Borchardt (Cremona 1997), die der Stiftung als Schenkung aus Schleswig-Holsteiner Privatbesitz erstmalig zur Verfügung gestellt wurde. Und der 14-jährige Alexej Fadejew aus Bielefeld durfte sich – nachdem er im letzten Jahr sowohl als Geiger, als auch als Bratscher erfolgreich bei Jugend musiziert teilgenommen hatte – sogar zwei Instrumente aussuchen. Er spielt jetzt auf einer Violine von Robert Max Paschy (Böhmen 1925), eine großzügige Schenkung an die Stiftung aus Kieler Familienbesitz sowie auf einer zwischen 1780 und 1800 erbauten Viola aus dem Vogtland, eine treuhänderische Eingabe in den Fonds aus Hamburger Familienbesitz.

Irene Schulte-Hillen, Präsidentin der Deutschen Stiftung Musikleben, ist überzeugt von dem Förderansatz der Stiftung, bereits den jüngsten Nachwuchsmusikern die Möglichkeit zu geben, auf einem hervorragenden Instrument zu spielen: „Gerade in Zeiten von Corona ist es wichtig, den jungen Künstlern eine Perspektive zu geben und sie zu ermutigen, die Freude an ihrem Instrument aufrechtzuerhalten und sich musikalisch weiterzuentwickeln. Wo der Weg hinführen kann, sehen wir immer wieder an den Stipendiaten, die wir einst bei „Jugend musiziert“ kennen gelernt und dann bis hin zu herausragenden Wettbewerbserfolgen, Solistenkarrieren und renommierten Professuren und Orchesterstellen begleitet haben.“

Die Meisterstücke aus dem Fonds – Instrumente von Antonio Stradivari, Giambattista Guadagnini oder Andrea Guarneri – vergibt die Stiftung jedes Jahr im Februar im Rahmen eines anspruchsvollen Wettbewerbs an fortgeschrittene Nachwuchsstreicher, die an der Schwelle zu einer Profi-Laufbahn stehen. Und so manche Karriere hat einmal mit einem Instrument aus der „kleinen Vergabe“ im Herbst begonnen, etwa die von Konradin Seitzer, mittlerweile 1. Konzertmeister der Hamburger Philharmoniker, oder die von Albrecht Menzel, der mit 15 Jahren eine Geige aus dem „Kleinen Fonds“ bekam und mittlerweile auf einer echten Stradivari spielt. Dieser Weg steht nun auch den jungen Hoffnungsträgern der diesjährigen Vergabe frei, nicht wenige von ihnen nehmen nach zwei, drei Jahren beim „großen“ Wettbewerb um ein noch besseres Instrument teil. Die nächste Chance dazu bietet der 29. Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds vom 26. bis 28. Februar 2021, im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

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