Jewish Chamber Orchestra Munich. Bild: Thomas Dashuber
Jewish Chamber Orchestra Munich. Bild: Thomas Dashuber

Werke von Mieczysław Weinberg

Orchesterwerke, Kammermusik und eine Oper des lang unterschätzten russischen Komponisten jüdisch-polnischer Herkunft kommen im NS-Dokumentationszentrum München, in den Münchner Kammerspielen und in Schloss Elmau zur Aufführung.

Im Festival zu entdecken gibt es mit Mieczysław Weinberg, der im kommenden Dezember seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, einen der produktivsten und vielseitigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. 154 seiner Werke sind bis heute erhalten, darunter 22 Sinfonien, vier Kammersinfonien, sechs Opern sowie Ballette, Film- und Zirkusmusik. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft floh Weinberg 1939 vor den Nazis aus seiner Heimat Polen in die Sowjetunion. Doch auch dort wurde er während der Stalin-Herrschaft verfolgt. Stets stand er im Schatten seines Freundes Dmitri Schostakowitsch, obwohl dieser ihn förderte. Inzwischen sind die lang in Vergessenheit geratenen Kompositionen des 1996 gestorbenen Künstlers zwar gelegentlich auf den Spielplänen einiger Konzert- und Opernhäusern zu finden, doch dem Musikpublikum sind viele seiner Kompositionen bis heute kaum bekannt.

Vom 20. bis 26. Mai präsentiert dasJewish Chamber Orchestra Munich JCOM Werke für Kammerorchester, Kammermusik und die erst vor wenigen Jahren uraufgeführte Oper "Lady Magnesia". Gesprächskonzerte und die Vorführung des sowjetischen Antikriegsfilms "Die Kraniche ziehen", der 1958 bei den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme gewann und zu dem Weinberg die Musik schrieb, bringen dem Publikum weitere Facetten seines Werkes nahe. Die große Bandbreite seines Schaffens reicht von einfachen, eingängigen Melodien bis zu komplexer Zwölftonmusik. In vielen Werken verband er jüdische Musiktraditionen mit dem russischen Musikstil.

"Mieczysław Weinberg ist mir als Komponist sehr wichtig. Seine jüdischen Wurzeln und die damit verbundene Lebensgeschichte haben sein Schaffen stark geprägt", sagt Daniel Grossmann, Gründer und künstlerischer Leiter des Kammerorchesters. "Mit unserem Festival geben wir diesem wichtigen Komponisten in München und in Schloss Elmau eine neue Bühne."

Einer der Höhepunkte der Woche ist die Aufführung der einaktigen Kammeroper "Lady Magnesia" (1975) am 23. Mai in den Münchner Kammerspielen. Weinberg ließ sich beim Komponieren des absurd-komischen Werkes durch barocke Klänge, Unterhaltungsmusik, Tänze und Jazz inspirieren. Sein Libretto basiert auf der Farce "Passion, Poison and Petrification" des irischen Dramatikers George Bernard Shaw, in der es um Ehebruch und Mord geht. Erst 2009 erlebte "Lady Magnesia" beim Weinberg-Festival in Liverpool ihre konzertante Uraufführung. Drei Jahre später brachte sie das Theater Erfurt erstmals in einer szenischen Fassung auf die Bühne.

Nun wird das Münchner Publikum die Sopranistin Susanne Bernhard (u.a. "La traviata", Oper Frankfurt; "Die schweigsame Frau", Semperoper Dresden) in der Hauptrolle sowie den spanisch-italienischen Tenor Juan Carlos Petruzziello als Sir George Fitztollemache erleben. Einen tieferen Einblick in Leben und Schaffen des Komponisten bietet die Festivalmatinee: Am 26. Mai wird die Musikwissenschaftlerin Verena Mogl gemeinsam mit Daniel Grossmann darüber diskutieren, welchen Einfluss der Wandel der politischen Verhältnisse in der Sowjetunion auf die Entwicklung von Weinbergs Musik hatte. Bei dem Gesprächskonzert werden die Geiger Tassilo Probst und David Frühwirt sowie der Pianist Johannes Umbreit neben der Rhapsodie über moldawische Themen auch "3 Stücke für Geige und Klavier" (1934) und die "Sonate für zwei Violinen solo op 69" (1959) spielen. Orchesterwerke, Kammermusik und eine Oper des lang unterschätzten russischen Komponisten jüdisch-polnischer Herkunft kommen im NS-Dokumentationszentrum München, in den Münchner Kammerspielen und in Schloss Elmau zur Aufführung.

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