Weimar Staatskapelle | Liszt: Dante Symphony - Tasso: Künstlerfestzug

Weimar Staatskapelle | Liszt: Dante Symphony - Tasso: Künstlerfestzug

Die zeitgenössische Kritik warf der Dante-Sinfonie vor, ein „sodomitisches Spektakel“ zu sein. Tatsächlich war Liszts Schilderung der Dante’schen Höllen- und Fegefeuer-Visionen schon damals schwere Kost für das konservative Publikum. Eine gewisse Plakativität kann man dem Werk natürlich nicht absprechen. Dass sie in dieser Einspielung nicht störend ins Gewicht fällt, sondern ins poetische Gesamtkonzept eingebunden erscheint, ist einer der angenehmen Züge der Produktion.


Kirill Karabits stellt infernalische Schrecken, verklärte Paradieses-Hoffnung, die Leidenschaft der Francesca-da-Rimini-Episode und vieles mehr in diesem vielfarbigen Panorama gleich intensiv, mit geradezu greifbarer Plastizität dar. Mithilfe der sehr guten Tontechnik führt er Liszt – was nicht unbedingt zu erwarten war – als Klangzauberer vor, stellt herrliche Orchesterfarben, eine leuchtende, diaphane Textur in den Vordergrund, gibt klarer, pointierter Diktion den Vorzug vor dickem Pathos. Die großräumige Disposition der beiden umfangreichen Sätze wird dynamisiert, sodass keine Leerstellen entstehen. Trotz der großen Ruhe, ja Abgeklärtheit, die Karabits bei diesem Stoff beweist, bleibt das Geschehen im Fluss.
So auch in der sinfonischen Dichtung „Tasso“, die ebenfalls so kontrast- und detailreich abgebildet wird, wie man es selten gehört hat. Auch hier wieder große Orchesterpoesie, vom schmerzgetränkten Solo der Bassklarinette im Lamento zum federleichten Allegretto con grazia, mit dem der Trionfo eingeleitet wird. Der laut CD-Text als Weltersteinspielung vorgestellte „Künstlerfestzug“ zur Feier von Schillers hundertstem Geburtstag ist subtiler, als Anlass und Titel vermuten lassen.

Andreas Friesenhagen

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Liszt: Dante-Symphonie, Tasso, Künstlerfestzug; Staatskapelle Weimar, Kirill Karabits (2018/19); audite

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