Der WDR Rundfunkchor in ungewohnter Perspektive. Bild: Christian Palm
Der WDR Rundfunkchor in ungewohnter Perspektive. Bild: Christian Palm

WDR-Chor mit Galgenhumor

Auch beim Festival „ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln“ müssen die Hörer über eine Internetverbindung zur Musik.

Spiel- und Ernst=Zeug: Der Titel des Eröffnungskonzerts des WDR Rundfunkchores im Livestream am Samstag, 1. Mai um 16 Uhr beim diesjährigen Festival „ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln“ ordnet programmatischen Spieltrieb an. Und den darf der WDR Rundfunkchor hier – endlich wieder – ausleben.

Eröffnet wird das Konzert von dem Chorwerk "The Little Match Girl Passion“ (2007) für Kammerchor und vier Solisten des amerikanischen Komponisten David Lang, für das er 2008 den Pulitzer Prize für Musik erhielt. Aus mysteriösen Klangflächen entwickelt sich mit kleinen rhythmischen Figuren und Pulsen allmählich ein fesselndes Klanggebilde – ein bewusster Brückenschlag von Hans Christian Andersens „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ zu Bachs Matthäus-Passion, die Lang auch auf der Textebene zitiert.

Im Mittelpunkt des Programms steht die Urauffürhung der Auftragskomposition von Gordon Kampe. Das gesamte Werk des 1976 in Herne geborenen, scharfsichtigen (nicht nur) musikalischen Kolumnisten ist von humoristischen Klangspielereien durchzogen. Dafür stehen auch Kampes „Zehn Symphonien“ (2011) für Saxophonquartett mit einer Rekord- Aufführungsdauer von je 10 Sekunden bei einer Überfülle von Bezügen und majestätischer Betitelung. Anders jedoch Kampes neues Werk »Gespenster und Fahnen« (2021) für achtstimmigen Chor und Zuspielungen mit einem Libretto, das mit Auszügen aus Macchiavellis „Principe“, Tucholsky, Goethe und Lequinio („Täuscht Eure Zuhörer so gut ihr könnt“) zu beherzten Denkanstößen führen dürfte.

Christian Morgensterns skurril-sprachspielerischen „Galgenliedern“ ist der Konzerttitel „Spiel und Ernst=Zeug“ entlehnt. Lera Auerbach hat sie 2013 zu einem Liederzyklus für Frauenchor und Saxofonquartett verarbeitet. 2013 vom WDR Rundfunkchor in der Kölner Trinitatskirche uraufgeführt, kehren Auerbachs makabre, drastische und sarkastische „Galgenlieder“ in einer Auswahl am Schluss des Programms zurück nach Köln – eine ordentliche Portion Galgenhumor kann nicht schaden.

Seinen Einstand gibt beim Acht Brücken-Festival der neue Chefdirigent des WDR Rundfunkchores, Nicolas Fink. Das Konzert wird live gestreamt auf wdr-rundfunkchor.de und ist zeitversetzt auf youtube.com/wdrklassik und facebook.com/wdrrundfunkchor zu sehen und sind außerdem nach der Erstausstrahlung noch 30 Tage in der ACHT BRÜCKEN-Mediathek (achtbruecken.de/mediathek) abrufbar. Das Konzert wird vom WDR für den Hörfunk aufgezeichnet und auf WDR3 in der Sendung „Das Konzert“ am 19. Mai 2021, 20.04 Uhr gesendet.

Zur Übersicht

FonoForum-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote finden Sie im FonoForum-Newsletter.

Jetzt registrieren