Ulf Schirmer. Bild: Kirsten Nijhof
Ulf Schirmer. Bild: Kirsten Nijhof

Wagner 22 - Ein Gesamtkunstwerk

Zum Abschluss der Saison und zum Abschied von Generalmusikdirektor und Intendant Prof. Ulf Schirmer wird die Oper Leipzig im Sommer 2022 alle 13 vollendeten Musikdramen aus dem Werk Richard Wagners präsentieren.

WAGNER 22 findet vom 20. Juni bis zum 14. Juli 2022 als zentrales Klassikfestival der Musikstadt Leipzig statt und führt die Wagneropern – bis auf den »Ring«-Zyklus – in chronologischer Reihenfolge auf.  Neben den bekannten Bühnenwerken von »Der fliegende Holländer« bis »Parsifal« stehen auch Richard Wagners Frühwerke auf dem Programm: »Die Feen«, »Das Liebesverbot« und »Rienzi«. Es spielt das Gewandhausorchester unter der Leitung von Ulf Schirmer und weiteren Dirigenten.
Das festliche und Spielplan sprengende Ausnahmeereignis WAGNER 22 ist ein besonderer Dank von Ulf Schirmer an Publikum und Stadt. Die Oper Leipzig möchte damit auch an den ehemaligen Generalmusikdirektor Gustav Brecher erinnern, der als erster die Idee zu diesem musik-romantischen Gesamtkunstwerk hatte und der Oper in Leipzig durch Musikavantgarde der 1920er Jahre und mit neu kreiertem Ensemblegeist internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung verschaffte. Die Besetzung von WAGNER 22 setzt auf das bewährte und wagnererfahrene Ensemble der Oper Leipzig sowie auf mit dem Haus verbundene Gäste, die weltweit für ihre Wagnerinterpretationen bekannt sind. Bisher haben zugesagt: Evelyn Herlitzius (Kundry), Jennifer Holloway, Lise Lindstrom, Daniela Sindram, Manuela Uhl, Markus Eiche, René Pape, Iain Paterson, Andreas Schager (Tristan), Stefan Vinke, Klaus Florian Vogt und Michael Volle (Wotan in »Das Rheingold«).
WAGNER 22 wird von einem wissenschaftlich-künstlerischen Rahmenprogramm begleitet, das u. a. in Kooperation mit dem musikwissenschaftlichen Institut der Universität Leipzig entsteht. Hauptsponsor von WAGNER 22 ist die Porsche Leipzig GmbH. Ihr kulturelles Engagement ermöglicht zusätzlich ein zweitägiges Public Viewing und Open-Air-Kulturfest auf dem Augustusplatz vor dem Opernhaus. Für die »Musikstadt :Leipzig« setzt WAGNER 22 einzigartige Akzente im jährlichen Reigen der Festtage, die an die großen Musikerinnen und Musiker der Stadt erinnern.
Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig:
»WAGNER 22 ist musikalisch und persönlich für Ulf Schirmer ein krönender Abschluss seiner erfolgreichen Intendanz. Über 800 Jahre Musik schwingen in Leipzig und genau das soll in den mehr als drei Wochen Opernaufführungen, Begegnungen, Diskussionen und Konzerten lebendig werden.«

Ideengeber Gustav Brecher (1879 - 1940)

WAGNER 22 ist dem Musiker, Komponisten und Dirigenten Gustav Brecher gewidmet, der 1914 bis 1933 als Generalmusikdirektor und später auch Operndirektor das Musikleben Leipzigs prägte. Er hatte erstmalig die Idee, die vollendeten musikdramatischen Werke Richard Wagners in chronologischer Reihenfolge aufzuführen, und bereitete das Mammutprojekt bereits vor, als ihn 1933 die Nationalsozialisten wegen der »Förderung entarteter Künstler« und seiner jüdischen Abstammung aus dem Amt drängten. Bis heute unvergessen wegen seines hohen Schwierigkeits-grades ist sein »Brecher-Auszug« vom »Fliegenden Holländer«. Doch Gustav Brecher galt, ähnlich wie Otto Klemperer an der Berliner Kroll-Oper, als einer der wichtigsten Erneuerer des Musik-theaters. Seine Ära steht für den konsequenten Aufbau und die Pflege eines Ensemblewesens, die Erweiterung des Spielplans um zeitgenössische Werke des »Randrepertoires« und um Leipziger Uraufführungen von avantgardistischen Komponisten wie Ernst Křenek und Kurt Weill. In den Musikdramen Richard Wagners sah Gustav Brecher die kongeniale Verbindung von Musik, Text und Szene repräsentiert und wollte daher sämtliche Werke des in Leipzig geborenen Komponisten in dessen Heimatstadt auf die Bühne bringen. Gustav Brechers Entlassung und Vertreibung aus Leipzig folgten unmittelbar auf die Uraufführung von Kurt Weills »Silbersee« 1933; seine Idee des künstlerischen Wagnerfestivals wurde ideologisch vom nationalsozialistischen Unrechtsstaat besetzt und fünf Jahre später anlässlich des 125. Geburtstages Richard Wagners zum ersten und im 20. Jahrhundert einzigen Mal realisiert. Die antisemitische Kündigung, das Exil und die Angst kosteten Gustav Brecher das Leben: Zusammen mit seiner Frau und deren Mutter beging er auf der Flucht 1940 Selbstmord.
Die Oper Leipzig wird Gustav Brecher und sein Werk anlässlich WAGNER 22 in einem Festakt mit der Namensgebung eines Saales im Opernhaus ehren. Die notwendige historisch-kritische Aufarbeitung der Rezeptionsgeschichte der Werke Richard Wagners in seiner Geburtsstadt wird Thema des zentralen Wissenschaftsbeitrags im Rahmenprogramm zu WAGNER 22.
Prof. Ulf Schirmer, Generalmusikdirektor und Intendant der Oper Leipzig: »Wir planen WAGNER 22 im Geiste meines genialen Vorgängers Gustav Brechers als Gesamtkunstwerk und einmaliges musikalisches Erlebnis. Ich verstehe das auch als Positionierung gegen ideologische Vereinnahmungen.«

 

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