von links: Barbara Frazier (des. Leiterin JUST+), Patricia Nickel-Dönicke (des. Schauspieldirektorin und Chefdramaturgin Schauspiel), Kornelius Paede (des. Chefdramaturg Musiktheater), Florian (Lutz (des. Intendant), Tobias Geismann (Orchestermanager), Thorsten Teubl (des. Tanzdirektor), Ann-Kathrin Franke (des. Künstlerische Produktionsleiterin Musiktheater). Bild: Marina Sturm
von links: Barbara Frazier (des. Leiterin JUST+), Patricia Nickel-Dönicke (des. Schauspieldirektorin und Chefdramaturgin Schauspiel), Kornelius Paede (des. Chefdramaturg Musiktheater), Florian (Lutz (des. Intendant), Tobias Geismann (Orchestermanager), Thorsten Teubl (des. Tanzdirektor), Ann-Kathrin Franke (des. Künstlerische Produktionsleiterin Musiktheater). Bild: Marina Sturm

Von Wozzeck bis Documenta

Kassel startet mit neuer Intendanz in die neue Spielzeit.

Florian Lutz, der designierter Intendant des Staatstheaters Kassel, inszeniert zur Eröffnung der ersten Spielzeit unter seiner Intendanz Alban Bergs „Wozzeck". Die Premiere findet am 24. September in der von Hausszenograph Sebastian Hannak für Kassel geschaffenen 360-Grad-Rauminstallation PANDAEMONIUM im Opernhaus statt, die musikalische Leitung liegt bei GMD Francesco Angelico. Den Abschluss der Saison bildet – im Kontext der documenta 15 – die Uraufführung „Temple of Alternative Histories" (UA) von Anna Rún Tryggvadóttir und Thorleifur Örn Arnarsson, ein großes, alle Sparten einbeziehendes Projekt, das sich auf der Grundlage von Mythos und Heldensagen auf die Suche nach einem alternativen Narrativ für die Beziehung zwischen Mensch und Natur begibt (Premiere 9. Juli 2022, im und um das Opernhaus).

Beide Eckpunkte stehen exemplarisch für die Spielzeit 2021/22, die Florian Lutz und sein Team am 28. Mai im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt haben: Musiktheater als Ort des gesellschaftlichen Diskurses, ein kuratorisches Prinzip im Schauspiel mit einem breiten Spektrum im ästhetischen und theaterformalen Ausdruck, ein kuratorisches Modell in der Sparte Tanz mit internationaler Viefalt, die die ganze Bandbreite und Diversität des Zeitgenössischen Tanzes nach Kassel bringt, und nicht zuletzt ein Junges Staatstheater+ mit Produktionen sowohl für als auch mit Menschen jeglichen Alters und unterschiedlichster Herkunft.

Musiktheater – Ort des gesellschaftlichen Diskurses

Bereits die Rauminstallation PANDAEMONIUM von Sebastian Hannak, in der die Produktionen von September bis Dezember 2021 inszeniert werden, steht für Öffnung: Das Orchester und das Bühnengeschehen ist dabei zentral in der Mitte platziert, während das Publikum in einer Art modernen Logentheaters sitzt. Anknüpfend an die große Tradition des Musiktheaters im 19. Jahrhundert, verstehen Florian Lutz und sein Team die Oper (außer Florian Lutz noch GMD Francesco Angelico, Chefdramaturg Kornelius Paede und die künstlerische Produktionsleiterin Ann-Kathrin Franke) als Ort des gesellschaftlichen Diskurses, in dem staatspolitische Fragen erörtert und zugleich unterhaltsam auf die Bühne gebracht oder neu befragt werden.

So wird der Regisseur Ersan Mondtag das quasi als „Nationaloper" geheiligte romantische Opus „Der Freischütz" von Carl Maria von Weber als zeitgenössisches Drama über Angst, Traum und das Unheimliche inszenieren (Musikalische Leitung: Mario Hartmuth, Premiere 12. Februar 2022, Opernhaus). Die Grand opéra „La muette de Portici" („Die Stumme von Portici") von Daniel Auber gilt als Soundtrack der europäischen Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts und soll die belgische Revolution 1830 ausgelöst haben. Den großen Tableaux und revolutionären Momenten nimmt sich Regisseur Paul-Georg Dittrich an (Musikalische Leitung: Kiril Stankow, Premiere 9. April 2022, Opernhaus).

Mit „Blitze sprechen deutsch" (Arbeitstitel) des Komponisten Felix Leuschner nach einem Text von Dietmar Dath beginnt schließlich eine Reihe von Opern-Uraufführungen, die in den kommenden Spielzeiten fortgesetzt werden soll, und die GMD Francesco Angelico zur Chefsache gemacht hat: Er übernimmt die musikalische Leitung des zwischen Oper, Thriller und politischem Fall changierenden Werks. Regie führt Florentine Klepper, Uraufführung ist am 4. Juni 2022 im Opernhaus. Daneben stehen auf dem Musiktheater-Spielplan beliebte Werke wie „Tosca" (Regie: Sláva Daubnerová) oder auch „Die Dreigroschenoper" in einer Inszenierung des letzten FAUST-Preisträgers für Musiktheaterregie Martin G. Berger. Dazu kommt das partizipative Musiktheaterprojekt mit Kasseler Sänger:innen „Weihnachtsoratorium" mit Musik von Johann Sebastian Bach (Musikalische Leitung: Kiril Stankow, Regie: Jochen Biganzoli, Premiere 5. Dezember 2021, Opernhaus, PANDAEMONIUM).

Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Francesco Angelico setzt der Konzertbereich starke Zeichen zum Neustart nach der Pandemie: Statt der bisher acht wird das Staatsorchester Kassel in der kommenden Saison neun Sinfoniekonzerte spielen. Zudem wird der Zusammenhalt noch stärker als vor dem Lockdown betont, indem mehr als die Hälfte der Solist:innen aus den Reihen des Staatsorchesters kommt. Gleich im Eröffnungskonzert am 11. Oktober in der Stadthalle übernimmt den Solopart der Violine der 1. Konzertmeister des Staatsorchesters Razvan Hamza in Karol Szymanowskis Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 op. 35. Außerdem auf dem Programm des Eröffnungskonzerts, das von GMD Francesco Angelico geleitet wird: Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 1 D-Dur.

Zudem startet im Rahmen der Sinfoniekonzerte eine auf zwei Spielzeiten angelegte Reihe, die sich der Nähe von Johannes Brahms und Robert Schumann widmet und in der sämtliche Solokonzerte Schumanns und alle Sinfonien von Brahms zur Aufführung kommen.

Die Reihe der Ballhauskonzerte wird fortgesetzt – und zwar mit dem Mozart-Programm, das bereits zweimal pandemiebedingt verschoben werden musste. Fortgesetzt wird auch die beliebte Kammerkonzertreihe, die von den Orchestermitgliedern selbst gestaltet wird.

Darüber hinaus gibt es wieder diverse Sonderkonzerte. Ein besonderer Höhepunkt wird sicherlich das Neujahrskonzert mit Beethovens Neunter, das zugleich das Jubiläumskonzert für 25 Jahre Bürger pro A ist – und ebenfalls pandemiebedingt bereits einmal verschoben werden musste. Jetzt findet das Konzert unter der Leitung von Francesco Angelico am 1. und 2. Januar in der Raumbühne PANDAEMONIUM im Opernhaus statt.

 

 

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