Hoffnung auf die neue Spielzeit in Düsseldorf. Bild: Andreas Endermann
Hoffnung auf die neue Spielzeit in Düsseldorf. Bild: Andreas Endermann

Von Milden und Wilden

Von "La clemenza di Tito" bis "Macbeth" reicht das Repertoire der Deutschen Oper am Rhein.

Mit Vorfreude und Optimismus blickt die Deutsche Oper am Rhein auf die Spielzeit 2021/22. Verbunden mit der Zuversicht, die kommende Saison ohne pandemiebedingte Unterbrechungen und mit zunehmend weniger Einschränkungen gestalten zu können, plant sie ab 3. September rund 260 Opern- und Ballett-Vorstellungen auf den beiden großen Bühnen im Opernhaus Düsseldorf und im Theater Duisburg.

Durch eine Fülle spannender Neuproduktionen, die bisher noch nicht gezeigt werden konnten, ist die Premierenvielfalt diesmal besonders groß: Mit Premieren von elf Opern- und sieben Ballettproduktionen, zwölf Werken aus dem Opernrepertoire, Gala- und Sonderveranstaltungen beider Sparten will sich die Deutsche Oper am Rhein ihre beiden großen Bühnen Stück für Stück zurückerobern. Erneut gewachsen ist das Angebot für Kinder und Jugendliche: Sie können Musiktheater und Tanz auf den großen und kleinen Bühnen beider Häuser, in Kitas und auf Schulhöfen erleben. Das neue Projekt „UFO – Junge Oper Urban" macht mit seiner eigenen mobilen Spielstätte an vier verschiedenen Orten in Düsseldorf und Duisburg Station und feiert vier Uraufführungen.

Eröffnet wird die Saison mit einer spartenübergreifenden Produktion von Oper und Ballett: Béla Bartóks Meisterwerk „Herzog Blaubarts Burg" kommt in einer Inszenierung von Ballettdirektor Demis Volpi am 10. September 2021 in Düsseldorf zur Premiere. Gemeinsam mit Tänzerinnen und Tänzern des Ballett am Rhein loten die Gesangssolisten Dorottya Láng (Judith) und Bogdan Taloş (Blaubart) das poetische Seelendrama aus. Generalmusikdirektor Axel Kober dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker.

Zur Premiere von „Meister Pedros Puppenspiel" öffnet sich der Vorhang am 24. September 2021 im Opernhaus Düsseldorf und am 17. Oktober 2021 im Theater Duisburg. Die Familienoper von Manuel de Falla, in der Don Quijote zum äußerst aktiven Zuschauer einer Marionetten-Aufführung wird, kommt in Zusammen­arbeit mit dem Düsseldorfer Marionettentheater auf die Bühne. Inszeniert von Ilaria Lanzino und Torge Möller (fettFilm) verschmelzen Musik und Gesang, Puppenspiel und Live-Video zu einem zauberhaften Theater auf dem Theater.

Nur zwei Mal konnte Mieczysław Weinbergs freudvoll-abgründiges Stück „Masel Tov! Wir gratulieren!" im Herbst 2020 im Opernhaus Düsseldorf gezeigt werden. Der jüdisch-polnische Komponist zeigt sich hier von seiner heiteren Seite und spielt zwischen Vaudeville und tragikomischen Momenten mit seinen musikalischen Wurzeln. Philipp Westerbarkei hat die Opernentdeckung in atmosphärischen Bildern inszeniert und bringt sie am 25. September unter der musikalischen Leitung von Ralf Lange im Theater Duisburg zur Premiere.

Im Theater Duisburg feiert die Oper am 31. Oktober 2021 auch die Premiere von „Tristan und Isolde". Axel Kober dirigiert Richard Wagners großes Liebesepos in einer eigens für die Deutsche Oper am Rhein erstellten Fassung von Eberhard Kloke. Die Inszenier­ung von Dorian Dreher lässt die Klangebenen und Spannungsmomente der Musik nicht nur hör- sondern auch sichtbar werden. Anders als bei der im Juni gezeigten Premiere in Düsseldorf kommen in Duisburg die drei Aufzüge des Stücks an einem Abend zur Aufführung. Klanglich umgeben von den Duisburger Philharmo­nikern, sind Daniel Frank als Tristan, Alexandra Petersamer als Isolde und Hans-Peter König als König Marke zu erleben.

Im Opernhaus Düsseldorf kommt am 9. Oktober 2021 Mozarts Polit-Oper „La clemenza di Tito" in der Inszenierung von Michael Schulz zur Premiere. Unter der musikalischen Leitung der Ersten Kapellmeisterin Marie Jacquot verkörpern Jussi Myllys (Titus), Maria Kataeva (Sextus) und Sarah Ferede (Vitellia) Mozarts psychologisch gewebte Figuren, die in den zermürbenden Zwiespalt zwischen Staatsräson und persönlichem Empfinden stürzen.

Kurz vor Weihnachten – die Premiere ist am 11. Dezember 2021 – wird die Regisseurin und FAUST-Preistrgerin Elisabeth Stöppler in Düsseldorf ein ungewöhnliches Opernprojekt realisieren. Sie erzählt das Weihnachtsoratorium in „Szenen einer schlaflosen Nacht" und stellt das populärste aller geistlichen Vokal­werke von Johann Sebastian Bach in einer szenischen Fassung auf die Opernbühne: Ein Kind, dessen Geburt Erlösung verspricht, kommt heute, mitten in der Stadt, gleich nebenan zur Welt. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer, löst unterschiedlichste Reaktionen aus und setzt eine ganze Stadtgesellschaft in Bewegung. In der klaren, innigen und sinnlichen Musiksprache Johann Sebastian Bachs kommen verschiedene Stimmen zu Wort, die unmittelbar auf ein Ereignis reagieren, das damals wie heute ‚Neuanfang' bedeutet. Unter der Leitung von Axel Kober kommen alle sechs Kantaten des Weihnachts­oratoriums in einer musiktheatralen Fassung für vierzehn Solist*innen und  den Chor der Deutschen Oper am Rhein zur Aufführung.

Orpheus liebt Eurydike? – Mitnichten! Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt" ist ein sinnen­freudiges Operetten-Spektakel, das die antike griechische Mythologie gehörig auf den Kopf stellt. In der gefeierten Koproduktion mit den Salzburger Festspielen und der Komischen Oper Berlin und inszeniert von Barrie Kosky kommen die eskapistischen Abenteuer der göttlichen Hallodris am 19. Februar 2022 auf die Bühne des Düsseldorfer Opernhauses. Marie Jacquot übernimmt die musikalische Leitung der mit dem Schauspieler Max Hopp (John Styx), Andrés Sulbarán (Orpheus) und Elena Sancho Pereg (Eurydike) prägnant besetzten französischen Operette.

Nach ihren hochspannenden Inszenierungen von Richard Strauss' „Salome" und „Arabella" für die Deutsche Oper am Rhein lenkt die  international tätige Regisseurin Tatjana Gürbaca ihren Blick in dieser Spielzeit auf das Werk des tschechischen Komponisten Leoš Janáček: Ihre Inszenierung von „Katja Kabanowa" hat am 5. März 2022 Premiere im Theater Duisburg. Die Neuproduktion entsteht im Schulterschluss mit dem Grand Théâtre de Genève. In Genf beschäftigt sich Tatjana Gürbaca im Anschluss mit Janáčeks Oper „Jenůfa", welche später auch an der Deutschen Oper am Rhein zu erleben ist. Generalmusikdirektor Axel Kober leitet die Duisburger Philharmoniker und ein mit Sylvia Hamvasi (Katja Kabanaova), Renée Morloc (Kabanicha), Matthias Klink (Tichon) und Daniel Frank (Boris) markant besetztes Ensemble.

Ebenfalls in Duisburg hat am 12. Mai „Der Kaiser von Atlantis" von Viktor Ullmann Premiere – Christoph Stöcker übernimmt die musikalische Leitung. Für seine im Konzentrationslager Theresienstadt komponierte Parabel über absolute Macht, Todesangst und ihre Überwindung haben Ilaria Lanzino (Inszenierung) und Emine Güner (Bühnenbild und Kostüme) eindrückliche Bilder gefunden. Dank der Opern-Ausstrahlung über das europäische Netzwerk OperaVision fand die Produktion in der Spielzeit 2020/21 nach ihrer Premiere in Düsseldorf auch international große Beachtung.

Zwei Neuproduktionen großformatiger Opern sind im Frühling 2022 geplant: Umberto Giordanos opulent vertontes Liebesdrama „Andrea Chénier" kommt am 14. Mai 2022 im Opernhaus Düsseldorf zur Premiere. Dmitri Bertman, Intendant der Helikon-Oper Moskau, der in der Spielzeit 2015/16 Rimski-Korsakows Opernsatire „Der goldene Hahn" in Düsseldorf inszenierte, kehrt als Regisseur an die Deutsche Oper am Rhein zurück. Antonino Fogliani übernimmt die musikalische Leitung, der Tenor Sergey Polyakov die Titelpartie.

Als letzte Neuproduktion der Spielzeit hat Verdis Oper „Macbeth" am 12. Juni Premiere im Theater Duisburg. Der renommierte Schauspiel-Regisseur Michael Thalheimer beschäftigt sich nach seiner eindringlichen Interpretation von „Otello" in einer Koproduktion mit der Opera Vlaanderen erneut mit einem von Verdi vertonten Shakespeare-Drama: Woher kommt die Gewalt im Menschen? Wie das Gift, das Jago dem anfechtbaren Otello einträufelt, spiegeln jetzt die Prophezeiungen der Hexen die menschlichen Triebe, die sich entladen und zu Wahnsinn und Tod führen. Stefan Blunier dirigiert die Duisburger Philharmoniker.

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