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Vladimir Jurowski | Mahler: Sinfonie Nr. 4

Vladimir Jurowski | Mahler: Sinfonie Nr. 4

Oberflächlich gehört seine leichteste Sinfonie, stellt Mahlers Vierte dem Interpreten doch einige Fallen. Wie „ernst“ sind etwa der kindliche Ton des Anfangs und weiter Teile des Kopfsatzes oder der leicht sinistre Ländler des zweiten Satzes zu nehmen?


Die Gefahr einer Verharmlosung ist ebenso gegeben wie die einer übertreibenden Grimassierung. Vladimir Jurowski, der vor einigen Jahren mit dem London Philharmonic Orchestra bereits eine beeindruckende „Auferstehungssinfonie“ vorlegte, weiß jedoch auch hier zu reüssieren. Wem die Eingangstempi der ersten beiden Sätze zu bedächtig scheinen, der sehe sich Mahlers originale Vortragsanweisungen an („gemächlich“, „ohne Hast“) – Jurows­ki folgt lediglich der Partitur.
Im Kopfsatz gelingt dem Dirigenten eine hervorragende Balance zwischen Naivität und bedrohlichen Untertönen, ohne dass eines der beiden Extreme obsiegt. Diese Stimmung wird im Finale bruchlos fortgeführt, wobei – und dies passiert nicht allzu oft bei dieser Sinfonie – auch die Sängerin beinahe vorbildliche Arbeit leistet: Der schlanke, mädchenhafte Ton der Sopranistin Sofia Fomina transportiert den Text mustergültig, mit zwar nicht hundertprozentig optimaler, aber doch hinreichender Textverständlichkeit.
Auch der langsame Satz mit seinen mannigfachen Tempowechseln gelingt wunderschön – innig, doch nie sentimental. „Freund Hein“ spielt im zweiten Satz mit scharfem Klang der Solo-Violine auf, ohne dass allerdings Lebensgefahr ausgerufen werden müsste. Und die vorbildliche, weil stets dezente Portamento-Kultur des London Philharmonic Orchestra vor allem in den Mittelsätzen sorgt für das Tüpfelchen auf dem i. Kurz: eine sehr überzeugende, sämtlichen Zwischentönen gerecht werdende Einspielung dieses nicht leicht zu realisierenden Werks.

Thomas Schulz

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Mahler: Sinfonie Nr. 4; Sofia Fomina, London Philharmonic Orchestra, Vladimir Jurowski (2016); LPO

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