Leopold Mozart, Ölgemälde von Pietro Antonio Lorenzoni um 1763 (Ausschnitt). Quelle: Stiftung Mozarteum Salzburg
Leopold Mozart, Ölgemälde von Pietro Antonio Lorenzoni um 1763 (Ausschnitt). Quelle: Stiftung Mozarteum Salzburg

Vater Mozart noch online zu besichtigen

Zum 300. Geburtstag widmete die Stiftung Mozarteum Salzburg Leopold Mozart (1719 – 1787) eine umfangreiche Ausstellung.

Rund 180.000 BesucherInnen aus aller Welt lockte die Sonderschau Leopold Mozart. Musiker – Manager – Mensch vom 5. April 2019 bis 9. Februar 2020 ins Mozart-Wohnhaus. Lange stand Leopold im Schatten seines Sohnes Wolfgang Amadé, erst in den 1980er Jahren begann die Musikforschung sich intensiver mit ihm zu beschäftigen. 50 Jahre lebte und wirkte er in Salzburg.

Die Ausstellung im Mozart-Wohnhaus, in dem die Familie ab 1773 wohnte und wo Leopold Mozart am 28. Mai 1787 starb, ging dieser Frage auf den Grund, denn Leopold Mozart gehörte zweifelsohne zu den interessantesten und vielseitigsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Die thematisch gegliederte Schau, die sich mit dem Hofmusiker, Manager und Networker, Pädagogen, Komponisten und dem (Familien-)Menschen Leopold Mozart befasste, wurde durch einen Audioguide und Hörstationen – mit Originalmusik Leopolds sowie durch ein „Mozbook“ (ein in Anlehnung an Facebook gestaltetes Profil) – interaktiv gestaltet.

Die Dichte und Fülle von originalen Dokumenten zu Leopold Mozart, in der von Thomas Wizany gestalteten Ausstellung, war einzigartig: Präsentiert wurden rund 80 Exponate, darunter wertvolle Brief- und Musikautographe, Drucke, Dokumente sowie Memorabilia, Gemälde und Grafiken. Die Leihgaben stammten aus Salzburg, Wien, Budapest, München, Augsburg, Dresden, Düsseldorf und den USA. Vieles davon war erstmalig in der Mozartstadt zu sehen. Da aus konservatorischen Gründen nicht alle originalen Exponate während der gesamten Ausstellungsdauer gezeigt werden konnten, wurden besonders sensible Dokumente in Zyklen alle drei Monate ausgetauscht. Die Schau war somit immer wieder neu erlebbar. Ein Veranstaltungsprogramm begleitete diese Wechsel, darunter waren Vorträge und Führungen sowie Konzerte im Tanzmeistersaal, bei denen Leopold Mozarts viel zu selten gespielte Werke zu hören waren.

Ein Besucher aus Leopolds Geburtsstadt Augsburg ließ durch eine E-Mail folgendes wissen: „Leopold Mozart erschließt sich einem nun wirklich neu und in einem überaus beeindruckenden vielseitigen Persönlichkeitsbild, das einen nur staunen lässt. Und es ist auch eine Musikausstellung geworden, denn nun kann man mal hören, wie gut seine Musik war und ist! Auch insgesamt inhaltlich wie gestalterisch das beste Aushängeschild für Leopold Mozart auf lange Zeit“.

Ein solches Feedback entzückt auch Museumsdirektorin Gabriele Ramsauer: „180.000 Menschen konnten wir für den Vater des Musikgenies Wolfgang Amadé Mozart begeistern und diese Zahl muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Durch diese Ausstellung haben wir innerhalb von neun Monaten mehr Menschen erreicht, als die Stadt Salzburg Einwohner hat. Diese Besucheranzahl verzeichnen wir im Mozart-Wohnhaus normalerweise innerhalb von zwölf Monaten. Uns ist es gelungen, einen historisch interessanten sowie relevanten Kulturbeitrag zum Gedenkjahr beizusteuern, und so konnten wir neben unseren touristischen Gästen auch viele Salzburger ins Mozart-Wohnhaus zu locken.“

Kuratorin Anja Morgenstern resümiert: „Die intensive Beschäftigung mit Leopold Mozart war eine spannende Forschungsreise, die viel Neues zu seinem Leben und Werk zutage gefördert hat. Die Reise ist jedoch mit dieser Ausstellung nicht zu Ende, sie bildet zugleich einen Ausgangspunkt für weitere wissenschaftliche Fragestellungen rund um Leopold, seine Zeitgenossen und die Musik seiner Epoche.“

Die Ausstellung widmete sich auch dem forschenden Geist, der ein zentraler Bestandteil von Leopolds Werk ist, wie seine didaktisch sowie pädagogisch wertvolle Schrift „Versuch einer gründlichen Violinschule“, die erstmals 1756 erschien. Das bedeutendste deutschsprachige Lehrwerk für Streichinstrumente aus dem 18. Jahrhundert – die „Violinschule“ – spielt noch heute eine wichtige Rolle in der musikalischen Ausbildung und wurde jüngst zu einem bedeutenden Bestandteil der Digitalen Mozart-Edition, einem Kooperationsprojekt zwischen der Stiftung Mozarteum und dem Packard Humanities Institute in Los Altos (Kalifornien). Bei der Präsentation im Herbst 2019 wurden die wichtigsten Elemente der neuen volldigitalen Edition vorgestellt, und damit nicht nur MusikwissenschaftlerInnen und ProfimusikerInnen, sondern nun auch musikinteressierten Laien zugänglich gemacht. Wer die Ausstellung versäumt hat, kann dies virtuell auf der Website der Stiftung Mozarteum nachholen:

https://mozarteum.at/museums/mozart-wohnhaus/#virtual-tour-section

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