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Bernhard Haitink. Bild: Todd Rosenberg
Bernhard Haitink. Bild: Todd Rosenberg

Trauer um Bernard Haitink und Udo Zimmermann

Mit großer Bestürzung reagiert die Semperoper Dresden auf den Tod des Komponisten und langjährigen Dramaturgen der Staatsoper Dresden, Udo Zimmermann, und des ehemaligen Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle, Bernard Haitink.

Bernard Haitink stand der Sächsischen Staatskapelle Dresden von 2002 bis 2004 als Chefdirigent vor. Die Zusammenarbeit begann jedoch schon Jahre zuvor: Bereits vor seinem öffentlichen Kapelldebüt im April 1991 mit Franz Schuberts Dritter und Anton Bruckners Siebter Symphonie spielten Haitink und die Staatskapelle in der Lukaskirche die Opern »Fidelio« (1989) und »Der Rosenkavalier« (1990) ein. In den weiteren Jahren stand ein breites Repertoire auf den Konzertprogrammen, darunter Gustav Mahlers Zweite Symphonie mit Charlotte Margiono und Jard van Nes im Februar 1995 und Dmitri Schostakowitschs Fünfte Symphonie im Februar 1999. Auch der kapelleigenen Kammermusiktradition widmete sich Bernard Haitink und leitete im März 1996 einen Aufführungsabend mit Werken von Johannes Brahms und Wolfgang Amadeus Mozart.

In der Folge des plötzlichen Todes von Giuseppe Sinopoli 2001 übernahm Haitink übergangsweise die Position des Chefdirigenten der Staatskapelle und leitete in Dresden wie auf Tournee eine Vielzahl von Konzerten. Sein Antrittskonzert am 2. September 2002 im Kulturpalast widmete er als Benefizkonzert den Opfern der Dresdner Jahrhundertflut; auf dem Programm stand auch Richard Strauss´ »Alpensinfonie«. Sein Engagement gilt als Glücksfall für Dresden und die Staatskapelle, denn Haitink überzeugte durch ein tiefes Verständnis für die große Tradition des Orchesters, die Förderung der einzigartigen Klangkultur und das Bewahren des weltweiten Renommees.

Udo Zimmermann

Der Intendant der Semperoper, Peter Theiler, zeigt sich tief betroffen von der Nachricht vom Tode der beiden dem Haus und der Stadt Dresden eng verbundenen Künstler: »Heute ist ein trauriger Tag für die Musikwelt, für Dresden und für die Sächsische Staatsoper. Der Tod von Udo Zimmermann und Bernard Haitink, deren beider Wirken auf besondere Weise die Sprache und den Ausdruck der Musik als bindendes Gesellschaftsphänomen nachhaltig prägte, hinterlässt eine spürbare Lücke in unserem Kulturleben.«  

Von 1970 bis 1985 war Udo Zimmermann als Dramaturg für zeitgenössisches Musiktheater an der Staatsoper Dresden tätig. In dieser Zeit, die von einer engen Zusammenarbeit mit Harry Kupfer geprägt war, fanden die Uraufführungen seiner Opernwerke »Levins Mühle« (1973), »Der Schuhu und die fliegende Prinzessin« (1976), »Weiße Rose« (Dresdner Erstaufführung, 1987) und seiner Ballettkomposition »Brennender Friede« anlässlich der Wiedereröffnung der Semperoper im Jahr 1985 statt. Ebenso zahlreich sind die Kompositionen des Dresdners Udo Zimmermann, die in seiner Heimatstadt zwischen 1964 und 1988 entweder uraufgeführt oder interpretiert wurden.

»Bis ins Jahr 1964 reicht die Verbindung von Udo Zimmermann und der Sächsischen Staatskapelle zurück. Zahlreiche konzertante Werke des Komponisten brachten die Kapellmitglieder zur Ur- und Erstaufführung: von der »Dramatische Impression« für Violoncello und Klavier auf den Tod von J. F. Kennedy (1963), noch während seiner Dresdner Studienzeit entstanden, bis zu großen Orchesterwerken wie der ›Sinfonia come un grande lamento‹, das die Kapelle unter Herbert Blomstedt 1978 uraufführte. Mit ihm verliert die Musikwelt einen leidenschaftlichen und unermüdlichen Streiter für die Musik der Gegenwart«, so der Orchestervorstand der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Mit der Premiere der Neuinszenierung von »Weißen Rose« in Semper Zwei am 11. März 2022 findet das Schaffen Udo Zimmermanns für die Neue Musik, die Musikstadt Dresden und die Semperoper eine posthume Würdigung.

Großer Dirigent

Bernhard Haitink wurde 1929 in Amsterdam geboren, wo er auch studierte. Seine Laufbahn begann beim niederländischen Radio. 1957 wurde er Chef der Niederländischen Radio Philharmonie. 1959 wurde er für 27 Jahre Chefdirigent des Concertgebouworkest. Seine zweite wichtige Wirkungsstätte war London, wo er auch verstarb. Er leitete das London Philharmonic Orchestra (1967 - 1978), die Royal Opera (1987 - 1998) und war Chef in Glyndeborne (1978 - 1988). Weitere wichtige Wirkungsstätten waren zudem Boston, Chicago und Wien.

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