Die Deutsche Streicherphilharmonie mit Chefdirigent Wolfgang Hentrich. Foto: Kai Bienert
Die Deutsche Streicherphilharmonie mit Chefdirigent Wolfgang Hentrich. Foto: Kai Bienert

Streicherphilharmonie: geteiltes Orchester, halbes Leid

Das Nachwuchsorchester für Elf bis 20-Jährige hat den Betrieb wieder aufgenommen.

Ein halbes Jahr seit ihrem letzten Konzert ist vergangen – jetzt ist es wieder soweit: Die Deutsche Streicherphilharmonie startete am 4. Juli mit ihren Proben und gibt am 8. Juli ihr erstes Konzert seit den Corona-Schließungen.

Nach dem Auftakt ihrer Deutschlandtournee im Jubiläumsjahr „30 Jahre deutsche Einheit" im Dresdner Kulturpalast mussten die Konzerte des jüngsten Bundesauswahlorchesters im Frühjahr und Sommer von den Veranstaltern abgesagt werden. Mit zwei Online-Konzerten, bei denen der junge Geiger Stephen Waarts von San Francisco aus mitwirkte, überbrückten die elf- bis 20-jährigen Musikerinnen und Musiker und ihr Chefdirigent Wolfgang Hentrich die vielen Wochen ohne Proben- und Konzertmöglichkeiten.

Hentrich, Erster Konzertmeister der Dresdner Philharmonie, und das Organisationsteam der Deutschen Streicherphilharmonie in Bonn bewahrten sich bei allen Widrigkeiten die Hoffnung, statt der abgesagten fast dreiwöchigen Sommertournee zumindest für kurze Zeit den Orchestermitgliedern einen „echten", nichtvirtuellen Probenraum schaffen zu können.

Mit der Musikakademie Schloss Weikersheim, die von der Jeunesses Musicales Deutschland (JMD) betrieben wird, und dem Veranstalter der neuen TauberPhilharmonie Weikersheim standen von Beginn an zwei Partner zur Verfügung, die diese Pläne mit größtmöglicher Flexibilität unterstützten.

Die Idee, zwei aufeinanderfolgende fünftägige Probenphasen in jeweils halber Besetzung (etwa 35 Orchestermitglieder) durchzuführen und mit je einem Konzert in der TauberPhilharmonie zu beenden, schien aufgrund der großzügigen Proben- und Unterkunftsbedingungen in Schloss, Konzertsaal und Logierhaus durchaus realistisch. Die JMD hatte ein ausgeklügeltes Sicherheits- und Hygienekonzept entwickelt und wartete auf die behördliche Genehmigung zur Wiederaufnahme des Akademiebetriebs.

Knapp drei Wochen vor Beginn der ersten Probenphase erhielten die jungen Musikerinnen und Musiker dann die lang ersehnte Nachricht: Es darf vor Ort geprobt und konzertiert werden. Während in Weikersheim rasch die Werbetrommel für die beiden Konzerte am 8. und 12. Juli gerührt wurde, bereiteten sich die Orchestermitglieder, das langbewährte Dozententeam vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Chefdirigent Wolfgang Hentrich auf die intensive Probenzeit vor. Schließlich gilt es, auch in der ungewohnt geteilten Besetzung die hohe Qualität der musikalischen Ausbildung zu präsentieren, für die das junge Spitzenensemble der Musikschulen steht.

Die Chancen, das nächste Konzert dann wieder in größerer Besetzung spielen zu können, stehen gut: Die Bühne des Konzerthauses Berlin bietet auch unter Berücksichtigung der aktuell notwendigen Abstandsregeln Platz für ein großes Streicherensemble. Am 30. September 2020 spielt die Deutsche Streicherphilharmonie dort unter anderem mit dem gefeierten Solisten Alexej Gerassimez das Marimbaphonkonzert Nr. 1 von Ney Rosauro. Auch hierfür wird in Weikersheim intensiv geprobt.

1973 als Rundfunk-Musikschulorchester der DDR gegründet ist das Ensemble bereits seit vielen Jahren ein klingender Botschafter einer erfolgreichen Wiedervereinigung. Seit 1991 hat es seinen Sitz in Bonn in der Trägerschaft des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM). Die Deutsche Streicherphilharmonie wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

www.deutsche-streicherphilharmonie.de

 

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