Howard Johnson. Foto: Sven Thielmann
Howard Johnson. Foto: Sven Thielmann

Schwer virtuos: Howard Johnson, Tuba

Er brachte die Tuba aus dem musikalischen Untergrund ans Licht. Zum Tod von Howard Johnson.

Jimi Hendrix auf der Tuba? Bei Gil Evans gehörte dem Tieftöner Howard Johnson das Solo von „Voodoo Chile“, und dies war keineswegs sein spektakulärster Coup. Den landete der 1941 in Montgomery, Alabama, geborene Virtuose auf dem scheinbar so behäbigen Instrument 1968 mit Gründung seines Ensembles Gravity aus vier bis sechs Tubaspielern plus Rhythmusgruppe. Alben konnte er mit dieser „Schwerkraft“-Formation erst 1996 bei der deutschen Sektion von Verve einspielen, nachdem er fünf Jahre lang der NDR Bigband angehört hatte.

Da galt er längst als gefragtester Sideman seines Fachs, der überdies Baritonsaxofon spielte, in allen relevanten Jazzorchestern mitgewirkt und immer auch solistisch Eindruck gemacht hatte: bei Thad Jones/Mel Lewis und Gil Evans, beim Jazz Composer’s Orchestra, Charlie Hadens Liberation Music Orchestra und George Gruntz’ Concert Jazz Band. Wie kaum ein anderer entwickelte er die Tuba vom Begleit- zu einem Soloinstrument von frappierender Flexibilität.

Seine stilistische Vielseitigkeit brachte ihm Jobs bei Charles Mingus und McCoy Tyner, Archie Shepp und Pharoah Sanders, Taj Mahal und B.B. King, John Lennon und The Band, um nur einige zu nennen. Als Miles Davis 1991 in Montreux unter Leitung von Quincy Jones mit den Orchestern von Gil Evans und George Gruntz auftrat, war Howard Johnson selbstredend mit im Boot. Dreißig Jahre danach, am 11. Januar 2021, verstarb der Herr der tiefen Töne jetzt nach längerer Krankheit in New York. Als Sideman hinterlässt er eine Diskografie, die hunderte von Aufnahmen umfasst. klm

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