Selbst ist die Frau: Anja Bihlmaier dirigiert das Toledo Symphony Orchestra, Foto: Robert Cummerow
Selbst ist die Frau: Anja Bihlmaier dirigiert das Toledo Symphony Orchestra, Foto: Robert Cummerow

Schwarz auf Weiß: Werke von Komponistinnen

Seit Jahrhunderten komponieren Frauen große Werke, doch erscheinen diese nur sehr selten auf den Konzertprogrammen. Der Furore-Verlag möchte das ändern.

Ein Schritt zu mehr Musik von Frauen in den Konzertsälen sind komplette Aufführungsmaterialien. Davon ist mittlerweile im Furore Verlag eine breite Vielfalt lieferbar: Werke aus Barock und Klassik über die Romantik bis hin zum 20. und 21. Jahrhundert.

Lieferbar sind große sinfonische Werke wie  die 5. Sinfonie von Emilie Mayer (1812–1883), einer der bemerkenswertesten deutschen Komponistinnen des 19. Jahrhunderts. Des weiteren Kantaten und Messen bspw. die Quarta Messa der Mozart-Zeitgenossin Marianna Martines und Hiob von Fanny Hensel.  Darüber hinaus Werke für Streichorchester wie das soeben Latin-Grammy prämierte Luces y Sombras (Licht und Schatten) der argentinischen Komponistin Claudia Montero. Es gibt eine Vielzahl an Orchesterwerken, deren Entdeckung sich lohnt. Die Musik ist da. Nun ist es an der Zeit, dass sie zum Klingen gebracht wird.

Eines der frühesten überlieferten Cembalokonzerte der Musikgeschichte lohnt eine Aufführung: Wilhelmine von Bayreuth (1709–1758) komponierte bereits 1734 das Concerto in g für Cembalo und Streichorchester. Sehr beliebt sind die Ouvertüre und das Entre Act für Orchester aus dem Singspiel Erwin und Elmire von Anna Amalia von Sachsen Weimar Eisenach (1739–1807). Das 1776 komponierte Werk auf einen Text des jungen Weimarer Geheimrats J. W. v. Goethe weist Professionalität in der Behandlung der Instrumente und im musikalischen Satz auf und überzeugt bis heute durch seine beschwingte Originalität und die ausgeprägte Melodik. Die Notenedition des Furore Verlags macht dieses lohnende Werk nun für Aufführungen zugänglich.

Aus dem Zeitalter der Romantik ist das beliebteste Werk die Ouvertüre C-Dur für großes Orchester von Fanny Hensel (1805–1847), der Schwester von Felix Mendelssohn. Die Ouvertüre kam erstmals im Jahre 1834 bei einer von Fanny Hensel organisierten Sonntagsmusik mit dem Königsstädter Orchester unter dem Dirigenten Lecerf zur Aufführung. Darüber berichtete Fanny in einem Brief an Felix vom 4. Juni 1834: „Es amüsierte mich sehr“, fährt sie fort, „das Stück nach 2 Jahren zum ersten Mal zu hören und ziemlich alles so zu finden, wie ich es mir gedacht hatte.“

Auf immer größeres Interesse weltweit stößt auch die 5. Sinfonie von  Emilie Mayer (1812–1883), einer der bemerkenswertesten deutschen Komponistinnen des 19. Jahrhunderts. In einer Epoche, in der komponierende Frauen ihre Werke fast ausschließlich im häuslichen Rahmen aufführen durften, übte sie ihre Tätigkeit als Vollberuf aus. Ihre 5. Sinfonie zeigt Originalität, Experimentierfreude, spiegelt kompositorischen Zeitgeist und ist dennoch von unverwechselbarer eigener Identität geprägt.

Die Orchesterwerke der französischen Komponistin Mel Bonis (1858–1937) sind seit kurzem vom Furore Verlag komplett verlegt. Hier gibt es eine breite Auswahl von Werken, die auf jeder Bühne der Welt gut ankommen, wie ihr Kompositionszyklus Trois Femmes de légende: Salomé, Ophélie, Le Songe de Cléopâtre.

Die Komponistin Ljubica Marić (1909–2003) gehört zu den prominentesten Vertretern der Musik Serbiens. Ihre Kantate Songs of Space klingt wie ein Psalm aus alttestamentarischer Zeit. Dimitri Schostakovich schwärmte: "Eine meiner schönsten Erinnerungen an Jugoslawien ist eine Aufführung von Ljubica Marićs Songs of Space. Die Komponistin spricht aus tiefster Seele in einer klaren, eindrucksvollen Sprache. […] Sie hat hier die ideale Synthese zwischen dem Geist der Volksmusik und persönlichem Ausdruck gefunden."

Der 1986 gegründete Furore Verlag hat bislang mehr als 2.000 Werke von über 170 musikschaffenden Frauen aus Europa, Amerika, Asien und Australien verlegt. Die Zeitspanne der Entstehung dieser Musik reicht vom Mittelalter bis in die heute. Nach wie vor ist der Furore Verlag weltweit der einzige Musikverlag, der exklusiv Noten und Bücher von und über Komponistinnen im Programm hat.

Die Verlegerin Renate Matthei hat 2018 in einer feierlichen Preisverleihung in der  Bürgerinnenhalle des Rathauses der Stadt Dortmund den Preis der „Stiftung Aufmüpfige Frauen“ überreicht bekommen. Die Stiftung zeichnete Renate Matthei aus, weil sie die tradierte Vorstellung, dass Frauen nicht komponieren können, gründlich vom Tisch gefegt hat. 2015 hat die Verlegerin für ihren Einsatz für Komponistinnen den Hauptpreis des Soroptimist Deutschland Preises bekommen und 2012 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Bundespräsident Joachim Gauck hat ihr den Verdienstorden in Berlin persönlich überreicht. Fünf Mal erhielt der Furore Verlag für ausgewählte Notenausgaben bereits den Deutschen Musikeditionspreis „Best Edition”: 2015 für die zweibändige Notenedition „Mund auf statt Klappe zu“ mit Liedern der internationalen Frauenbewegung, 2010 für  „Ausgewählte Lieder” von Josephine Lang, 2006 für „25 plus piano solo”, eine festliche Jubiläumsedition, 2002 für die Faksimile-Edition „Das Jahr” von Fanny Hensel und 1996 für die „Ton-Zeichen” der Darmstädter Komponistin Barbara Heller.

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