Rebecca Saunders. Bild: Astrid Ackermann
Rebecca Saunders. Bild: Astrid Ackermann

Saunders, Lautsprecher und eine "Laptop-Musikerin"

Donaueschingen in Zeiten der Pandemie mit kleinen Besetzungen und viel Elektronik. Und natürlich mit Star-Komponistin Rebecca Saunders.

Neue Musik kann ein Spiegel ihrer Zeit sein. Dies treffe in diesem Jahr auf das Programm der Donaueschinger Musiktage ganz besonders zu, sagen die Veranstalter. Zur Einhaltung der aktuellen Hygienebestimmungen wurden Orchesterbesetzungen verkleinert, Konzertprogramme verändert, Wiederholungskonzerte terminiert, Ticketzahlen reduziert, Laufwege festgelegt sowie viele weitere Maßnahmen ergriffen. Auf diese Weise kann trotz Pandemie ein vielseitiges Programm mit 22 Uraufführungen, vier Klanginstallationen und zwei Ensembledebüts präsentiert werden.

Orchesterminiaturen, Debüts und ein virtuelles Konzert

Das SWR Symphonieorchester unter der Leitung von Titus Engel eröffnet die Musiktage mit fünf Orchesterminiaturen von Oliver Schneller, Lula Romero, Michael Wertmüller, Klaus Lang und Cathy Milliken, die sich den Bedingungen erhöhter Hygiene-Ansprüche stellen. Die MAM.manufaktur für aktuelle musik gibt ihr Donaueschingen-Debüt im Projekt der jamaika-stämmigen Engländerin Elaine Mitchener. Inspiriert von der jamaikanischen feministischen Schriftstellerin Sylvia Wynter hat die Sängerin gemeinsam mit dem vietnam-stämmigen Choreografen Dam Van Huynh Aufträge an Komponisten aus dem Bereich der Neuen Musik und des Jazz vergeben. Ebenfalls erstmals zu Gast bei den Musiktagen ist das polnische Ensemble Kwadrofonik, das mit vier Werken unterschiedlicher Provenienz zu erleben ist – von der Auseinandersetzung mit polnischer Philosophie bei Nigel Osborne bis zur Zersetzung des Klangs bei Artur Zagajewski.

Im Konzert des Ensemble Musikfabrik unter der Leitung von Mariano Chiacchiarini diskutieren Diedrich Diederichsen und Theresa Beyer in Peter Ablingers „Concerto für Fagott, zwei Musikwissenschaftler*innen und Ensemble" live auf der Bühne parallel zu Vivaldi-Paraphrasen über Neue Musik. Das Abschlusskonzert mit dem SWR Experimentalstudio und dem SWR Symphonieorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Teodor Currentzis präsentiert neben Werken von Alexej Sioumak, Alexander Retinsky und Marko Nikodijevic als Besonderheit ein Kammerorchesterwerk der englischen Filmmusikkomponistin Mica Levi, die 2017 als Filmmusikkomponistin des Jahres ausgezeichnet wurde. Das Konzert findet in einem bei den Proben produzierten Video als virtuelles Konzert statt.

200 Lautsprecher und erleuchtende Momente

Der Pianist Nicolas Hodges beschreitet mit Rebecca Saundersʼ Studie „to an utterance" für Klavier solo neue Wege des Instruments und sucht in James Clarkes Stück nach neuen Möglichkeiten der Sonate. Wojtek Blecharz lässt in seiner Konzertinstallation „Symphony No. 3" in einer laborartigen Situation mit 200 tragbaren Lautsprechern ein lebendiges Klangrelief entstehen, das Performer und Besucher in gleichem Maße an dem musikalischen Ergebnis teilhaben lässt. In der NOWJazz-Session lassen der Pianist und Synthesizerspieler Thomas Lehn und der Computermusiker und Komponist Marcus Schmickler im Duo erleuchtende Momente entstehen, bei denen die elektronische Musik eine grundsätzliche Erweiterung erfährt.

Unterschiedliche Wege der Klangkunst

Im öffentlichen Raum von Donaueschingen sind vier Installationen zu sehen, die unterschiedliche Wege der Klangkunst aufzeigen. Mike Cooper und Christian Skjødt in der Alten Hofbibliothek und im Fischhaus widmen sich dem Wasser und seinen Bewegungsmustern. Sergej Maingardt und Jens Standke erkunden in der Realschul-Sporthalle die Möglichkeiten der virtuellen Realität. Jan Jelinek untersucht im Hölderlin-Jahr im Museum Art.Plus den Roman „Hyperion". Die Sängerin und KI-Musikerin Holly Herndon stellt in einer Lecture-Performance ihre aktuellen Forschungsergebnisse und Ansätze zum Thema Stimme und künstliche Intelligenz vor.
 

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