Luftbild Kloster Kirche St. Mang Hohes Schloss. Bild: Robert Klinger
Luftbild Kloster Kirche St. Mang Hohes Schloss. Bild: Robert Klinger

Saitenspiele und "Augenblicke"

Das Festival in Füssen spielt vor Publikum.

Bald sind sie da, die »Augenblicke«, denen sich das 18. Festival vielsaitig verschrieben hat. Vom 26. August bis zum 5. September präsentiert Füssen seine Synthese aktueller künstlerischer Höchstleistungen und historischer Einblicke, die vornehmlich um die Geschichte des Lauten- und Geigenbaus kreisen.

Die Eröffnung am 26. August liegt wie stets beim Verdi Quartett. Das sechzehnsaitige Beratergremium des Festivals hat als Auftakt ein Jugendwerk von Franz Schubert ausgewählt, das im Leben des jungen Komponisten den Augenblick einer Weichenstellung markierte: das Streichquartett Es-dur D 87, das er schrieb, als er von der Schule abging und sich, dem Vorbild des Vaters folgend, selbst zum Volksschullehrer wollte ausbilden lassen. Brahms' a-moll-Quartett op. 51 Nr. 2 beschließt das erste Festspielkonzert.

Auch am nächsten Tag gibt es außergewöhnliche Augenblicke: Avi Avital, der erste Mandolinist, der für einen Grammy nominiert wurde, demonstriert im Kaisersaal, dass das volkstümliche Instrument weit mehr an virtuosen und emotionalen Möglichkeiten zu bieten hat, als man hinter seinem bescheidenen Corpus vermuten sollte.

Am 29. August verzaubert der junge Schlagzeuger Ti Hsien Lai mit den weichen, rhythmisch vielsaitigen Klängen seiner Marimba, und zwei Tage später erweist das Verdi Quartett im langjährig erprobten Zusammenspiel mit Hatem Nadim dem Jubilar des Jahres Ludwig van Beethoven seine Reverenz.

Ganz andere Momente sind für den 1. September zu erwarten, wenn die Musiker des Jazztrios TRI das würdige Interieur des Kaisersaals mit ihrem Groove und Swing in einen veritablen Club verwandeln.

Tags drauf hat das Leipziger Streichquartett drei seiner »Lokalgrößen« im Programm, deren Wirken in der sächsischen Messestadt seinerzeit unvergessliche Augenblicke bescherte: Felix Mendelssohn, Robert Schumann und Niels W. Gade. Am 3. September widmen sich der Cellist Julian Steckel und sein Klavierpartner Matthias Kirschnereit zwei überragenden Gestalten der Musikgeschichte: Dmitri Schostakowitsch und Ludwig van Beethoven.

Aus England kommt im Anschluss das Ensemble Red Priest, das sich nach dem »Prete rosso«, dem rothaarigen Geistlichen Antonio Vivaldi benannt hat. Unter der Überschrift Die barocken Bohèmiens stellen die vier Musiker am 4. September ausgewählte Werke des 18. Jahrhunderts vor, die ganz unmissverständlich von den leidenschaftlichen Klängen der damaligen Zigeuner beeinflusst wurden.

Und das sind nur einige der überraschenden Augenblicke aus Klassik, Jazz und Weltmusik, die zum Verweilen einladen, weil sie so schön sind: Zu den neun Doppelkonzerten gibt es wie immer Meisterklassen, die Teestunden (Eintritt frei), den Treffpunkt Geigenbau und Vorträge!

www.festival-vielsaitig.fuessen.de

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