Bariton Hans Christoph Begemann. Foto: www.begemann-bariton.de
Bariton Hans Christoph Begemann. Foto: www.begemann-bariton.de

Rihm und Schubert, Debussy und Zimmermann

Ein Bariton mit viel Goethe im Programm, ein Pianist, der vier historische Flügel in einem Konzert spielt, die Verbindungen zwischen Bernd Alois Zimmermann und Claude Debussy und andere spannende Perspektiven eröffnen die Musiktage in Badenweiler.

Seit 45 Jahren werden Musiktage in Badenweiler veranstaltet. Unter der neuen Leitung von Lotte Thaler wird diese Tradition vom 28. April bis 01. Mai 2018 fortgesetzt. Das Motto dieser Musiktage „Heut‘ und ewig“ ist der Titel eines Gedichts von Johann Wolfgang von Goethe, das Wolfgang Rihm vertont hat. Rihm war von Anfang an Gast in Badenweiler. Seine Goethe-Vertonungen werden nun an einem Liederabend in Badenweiler aufgeführt. Den Bariton Hans Christoph Begemann und den Pianisten Thomas Seyboldt, der Gründer der Schubertiade in Ettlingen, verbindet eine enge Zusammenarbeit mit Wolfgang Rihm. Einige Goethe-Lieder brachte das Duo zur Uraufführung und für seine CD-Einspielung mit Rihm-Liedern erhielt es 2016 den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Rihms Lieder aus den letzten Jahren gleichen oft Verneigungen vor den klassisch-romantischen Vorgängern, deshalb liegt die Kombination von Rihm und Schubert nahe, zumal das Duo schon über 300 Schubertlieder in seinen Konzertreihen aufgeführt hat. Ende letzten Jahres erschien bei dem Label bastille musique eine Box mit fünf Schubert-CDs, alles Liveaufnahmen des SWR.  

Die diesjährigen Badenweiler Musiktage stehen auch wieder im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft. Zwei Jahrhundertgestalten aus beiden Ländern bilden ebenfalls einen Schwerpunkt des Festivals: Claude Debussy, der „einzige universelle Musiker Frankreichs“, wie Pierre Boulez sagte, mit seinem 100. Todestag und Bernd Alois Zimmermann, der große Bewunderer von Debussy und Komponist einer multiperspektivisch angelegten Musikform, mit seinem 100. Geburtstag.

Beide Komponisten werden mit jeweils zwei Konzerten im Frühjahr und Herbst der Badenweiler Musiktage 2018 gefeiert. Als Interpreten werden im Frühjahr zwei Ensembles erstmals in Badenweiler auftreten: das französische Quatuor Diotima und der in Zürich lebende Geiger Ilya Gringolts zusammen mit Thomas Demenga (Violoncello) und James Boyd (Viola). Das Quatuor Diotima wurde 1996 von Absolventen des Konservatoriums in Paris gegründet und gilt heute als eines der besten Streichquartette, vor allem für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts.

Der 1982 in St. Peterburg geborene Geiger Ilya Gringolts hat ebenfalls eine glänzende, internationale Karriere gemacht. Sein Spiel und seine Interpretationen brachten ihm in der Zeitung „The Financial Times“ die Wertschätzung als „One oft the most inspirational violinists today!” ein.  

Erstmals hält auch die historische Aufführungspraxis Einzug bei den Badenweiler Musiktagen im Frühling 2018: der Pianist Alexander Melnikov, schon oft zu Gast im Heilbad, wird im Schlusskonzert am 1. Mai ein Programm von Schubert bis Strawinsky an vier historisch unterschiedlichen Flügeln darbieten. Dabei werden die Ohren der Zuhörer, in die Vergangenheit des 18. und 19. Jahrhunderts gestellt, was gerade für Freunde der Moderne eine neue Hörerfahrung bedeutet. Zur Vorbereitung auf diesen Klavierabend wird eine Führung unter der Leitung der russischen Pianistin Katja Poljakova im Museum historischer Tasteninstrumente in Bad Krozingen angeboten. Dort stehen etwa 50 teils über 400 Jahre alte, restaurierte Instrumente, die fast alle spielbar sind. Wie in den letzten Jahren wird an zwei Tagen der langjährige Redakteur beim Südwestrundfunk, Rainer Peters, die einführenden Vorträge halten. Am Tag des Liederabends gibt es vormittags ein Künstlergespräch von Lotte Thaler mit Hans Christoph Begemann und Thomas Seyboldt. Alle Konzerte der Musiktage finden im Kurhaus Badenweiler statt und beginnen jeweils um 18 Uhr.

www.badenweiler-musiktage.de 

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