Die Duisburger Philharmoniker und Dirigent Axel Kober in der Mercatorhalle. Bild: Giovanni Pinna
Die Duisburger Philharmoniker und Dirigent Axel Kober in der Mercatorhalle. Bild: Giovanni Pinna

Programmvorschau mit Plan B

Die Duisburger Philharmoniker kehren mit großem Repertoire und dem neuen Festival „Eigenzeit“ zum Spielbetrieb zurück.

 

Die Farbe Gold prägt inhaltlich und gestalterisch das neue Jahresmagazin der Duisburger Philharmoniker. Generalmusikdirektor Axel Kober und der neue Erste Gastdirigent Jan Willem de Vriend legen den Schwerpunkt der Saison 2020/21 auf große Meisterwerke der Wiener Klassik. Solokonzerte von Joseph Haydn erklingen dabei ebenso wie Sinfonien und Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven.
Der krönende Höhepunkt des Beethoven-Jahres 2020, eine Aufführung der Missa Solemnis, muss aufgrund der in Corona-Zeiten problematischen großen Chor- und Orchesterbesetzung vermutlich verschoben werden. „Wir hatten Glück, dass die ersten Philharmonischen Konzerte der Saison sowieso in kleinerer Besetzung geplant waren“, betonte Generalmusikdirektor Axel Kober heute bei der Programmvorstellung im Theater Duisburg. „Wir haben aber auch einen Plan B ausgearbeitet, zunächst bis zum Jahreswechsel.“
Über die Vorbereitungen für die neue Spielzeit sagte Intendant Prof. Dr. Alfred Wendel: „Unser Haupt-Arbeitsinstrument ist momentan der Zollstock – wegen der Sicherheitsabstände.“
Für die Uraufführung des Tanzprojekts FLUT, ein Beethoven-Triptychon, setzen die Oper Köln, die Duisburger Philharmoniker, Choreograph Emanuele Soavi sowie die Elektronik-Komponisten Wolfgang Voigt und Stefan Bohne ihre Zusammenarbeit fort.
In vier der zwölf Philharmonischen Konzerte zeigt Axel Kober große künstlerische Bandbreite. Von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart ausgehend, fächert er das Repertoire auf bis zu Werken von Francis Poulenc, Alexander Zemlinsky, Paul Hindemith, Franz Schreker, Bernd Alois Zimmermann und Boris Blacher.
Der Niederländer Jan Willem de Vriend ist in Duisburg kein Unbekannter. 2010 gelang ihm ein äußerst erfolgreicher Einstand mit dem Werk eines niederländischen Beethoven-Zeitgenossen. Der 1962 geborene Dirigent setzte Maßstäbe im barocken und frühklassischen Repertoire, beweist seine Exzellenz aber auch in den Gefilden von Mendelssohn bis Mahler. In der neuen Saison wird er drei Philharmonische Konzerte übernehmen.
Mit "Eigenzeit" gründen die Duisburger Philharmoniker ein neues Festival für zeitgenössische Kammermusik. International vergebene Kompositionsaufträge, Ur- und Erstaufführungen sowie Grenzgänge in benachbarte Disziplinen sollen die ganze Vielfalt gegenwärtiger Kunstmusik nach Duisburg bringen. Kurator in der Saison 2020/21 ist der Duisburger Komponist Hauke Berheide, der sechs ungewöhnliche Konzerte an teilweise neuen Spielorten künstlerisch geplant hat.
Erstmals wird es im 12. Philharmonischen Konzert zu einer halbszenischen Opernaufführung kommen: Am 30. Juni und 1. Juli 2021 leitet Jan Willem de Vriend den im Musiktheater nur selten aufgeführten komischen Dreiakter Der Apotheker von Joseph Haydn. Zu einer Wiederbegegnung mit dem Musikpreisträger Bruno Weil kommt es, wenn er im April 2021 Anton Bruckners 9. Sinfonie dirigiert. Zudem werden junge Talente am Dirigentenpult der Duisburger Philharmoniker zu erleben sein: die vom Deutschen Musikrat unterstützte Französin Marie Jacquot, der von Daniel Barenboim nachhaltig geförderte Daniel Cohen und der junge Brite Alpesh Chauhan.
Das Konzertpublikum kann sich in der kommenden Saison erneut auf international renommierte Solisten freuen. Die Geigerin Carolin Widmann ist mit dem Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy zu erleben, Simon Höfele spielt Trompetenkonzerte von Joseph Haydn, Johann Nepomuk Hummel und HK Gruber, Alexander Melnikov Ludwig van Beethovens 2. Klavierkonzert. Rocco Rescigno, Solo-Posaunist der Duisburger Philharmoniker, wird das viel zu selten gespielte Konzert von Henri Tomasi interpretieren. Solistinnen im Doppelkonzert von Johannes Brahms sind die Geigerin Candida Thompson und die Cellistin Harriet Krijgh. Der Pianist David Fray wird Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 in c-Moll spielen. Mit Raritäten für Cembalo und Orgel treten Justin Taylor und Christian Schmitt auf. Und der Cellist Jean-Guihen Queyras wendet sich Joseph Haydns Cellokonzert Nr. 1 zu.
Auch die Kammerkonzertreihe glänzt mit prominenten Künstlern und Formationen. Sie beginnt am 27. September 2020 mit einem Auftritt des TrioVanBeethoven. In der Folge zu erleben sind außerdem ein im Zeichen Shakespeares stehender Barock-Abend mit der Sopranistin Julia Sophie Wagner und dem Bass David Jerusalem, Bachs Goldberg-Variationen mit Evgeni Koroliov, das Aris Quartett mit dem Cellisten Daniel Müller-Schott, das Melton Tuba Quartett gemeinsam mit dem  Harfenquartett Arparlando, das Tetzlaff Quartett, ein Duoabend mit dem Trompeter Simon Höfele und der Pianistin Elisabeth Brauß, das Auryn Quartett, die Mezzosopranistin Tora Augestadt und die Lautten Compagney Berlin sowie – im Rahmen der Reihe Piano Extra – die Pianisten Evgeni Bozhanov und Yong Gi Woo.
Als Residenzkünstler der Saison 2020/21 konnte der Trompeter Simon Höfele gewonnen werden, dessen noch junge Karriere sich mit rasanter Dynamik entwickelt. Der Musikpreis der Stadt Duisburg 2020 geht an die Geigerin Carolin Widmann, die sich schon immer mit großem Engagement für die Musik der Moderne eingesetzt hat: so auch 2012/13 als Residenzkünstlerin der Duisburger Philharmoniker. Sehr pointiert bezieht die Geigerin immer wieder Stellung zu kulturpolitischen Fragen und reagiert mit deutlichen Worten auf die wachsende Macht der Medien in der Klassik-Szene. Carolin Widmann erhält die von der Köhler-Osbahr-Stiftung zur Verfügung gestellte Auszeichnung am 29. November 2020 aus den Händen von Oberbürgermeister Sören Link.

 

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