Landesmusikrat ehrt Kulturradio-Boulevardisierer

Kommentar: Der Landesmusikrat NRW ehrt einen WDR-Funktionär, der sich vor allem um die simplifizierende Zurechtstutzung der Musikkultur im Radio verdient gemacht hat.

Damit könnte sich der Landesmusikrat NRW aus dem Kreis der ernst zu nehmenden Stimmen verabschieden, wenn es um den Fortbestand der musikalischen Hochkultur geht: Das Gremium ehrt Karl Karst, den ehemaligen Programmchef von WDR 3. Karst verantwortete etwa 20 Jahre lang im Hörfunk vor allem, dass Klassik und Jazz zunehmend als Gedudel ohne informative Wirkung daher kommen und der Bildungsauftrag damit immer weiter in den Hintergrund gerät. Jüngst erst wurde die Jazzstrecke auf WDR 3 in eine bunte beliebige Klangcollage umgewandelt. Die Klassik hat derartige Verharmlosungsabstiege bereits hinter sich. Fortsetzungen nicht ausgeschlossen. Karst steht dafür, dass Kulturradio nicht anstrengend sein darf. Der Landesmusikrat erweist allen Musikschaffenden einen Bärendienst mit der Verleihung der Silbernen Stimmgabel an Karst. Im September hatte bereits der Verband der Musikschulen Karst geehrt. Bei beiden Ehrungen ging es vor allem um die werbewirksamen Kulturpartnerschaften des WDR mit Kulturinstitutionen. Die Entwicklung der Qualität des WDR 3-Programms dürfte dabei kaum eine Rolle gespielt haben. J. Schmitz

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