Kirche Saanen, Saanen. Foto: Rachel Harnisch
Kirche Saanen, Saanen. Foto: Rachel Harnisch

Paris, die «Stadt des Lichts»

Nach einer Reise durch die Alpen richtet das Gstaad Menuhin Festival nun den Blick auf eine Stadt: Paris, die «Stadt des Lichts», die meistbesuchte Metropole unseres Erdballs.

Paris gilt als Kapitale des erlesenen Geschmacks und ist auch das Zentrum der französischen Musik. Davon zeugen die Meisterwerke, die dort über Jahrhunderte hinweg entstanden sind – von der Ecole de Notre Dame bis hin zu Tristan Murail, bei dem das Festival eine Komposition in Auftrag gegeben hat. Aber dies belegen auch die Künstler, die heute den Namen Frankreichs in die Welt hinaustragen.

So etwa der Pianist Bertrand Chamayou, «Artist in Residence 2019», der Organist von Notre Dame, Olivier Latry, der in der Kirche Saanen gastiert, oder das Orchestre Philharmonique de Radio-France und das Orchestre National de Lyon, die zwei Konzerte im Festivalzelt Gstaad bestreiten.Das Gstaad Menuhin Festival & Academy 2019 bietet ein Staraufgebot, etwa die Pianisten Yuja Wang (im Duett mit dem Klarinettisten Andreas Ottensamer und im 3. Klavierkonzert von Rachmaninov mit der Staatskapelle Dresden) und Khatia Buniatishvili (mit einem Recital der Superlative im Festivalzelt), die Sängerinnen Ute Lemper und Cecilia Bartoli, die Geigerinnen Vilde Frang und Hilary Hahn (mit Werken von Bruch bzw. Bach), die Cellisten Sol Gabetta und Gautier Capuçon (mit Werken von Haydn unter der Stabführung von Mikko Franck).

Die Oper «Carmen» gibt es in einer konzertanten Aufführung im Festivalzelt Gstaad mit dem Orchester des Opernhauses Zürich unter der Leitung von Marco Armiliato. Das «Artist-in-Residence-Programm» des Pianisten Bertrand Chamayou umfasst vier Veranstaltungen: einen Sonatenabend (mit Sol Gabetta), einen ganz im Zeichen französischer Musik stehenden Klavierabend, einen Kammermusikprogramm mit Alina Ibraghimova, Andreas Ottensamer und Sol Gabetta sowie ein Konzert unter Mitwirkung des Kammerorchesters Basel.

Das Festival in Gstaad beinhaltet auch eine klingende Erinnerung an Béla Bartóks Aufenthalt in Saanen vor 80 Jahren in Form von zwei Konzerten (mit Werken, die im Ferienhaus des Mäzens Paul Sacher komponiert oder skizziert wurden). Hochkarätige Recitals in den prachtvollen Kirchen der Region werden dargeboten von den Pianisten András Schiff, Fazil Say, Kristian Bezuidenhout und Alexander Melnikov, den Geigenvirtuosen Patricia Kopatchinskaja, Isabelle Faust, Daniel Lozakovich, sowie dem Chiaroscuro-, Belcea-, Salagon- und dem Modigliani-Quartett.

Im Rahmen der Sinfoniekonzerte im Festivalzelt Gstaad erklingen: das 5. Klavierkonzert von Beethoven mit dem Solisten Seong-Jin Cho und Tschaikowskys «Pathétique» unter der musikalischen Leitung von Manfred Honeck, Ravels «La Valse» und Strawinskys «Petruschka» mit dem Philharmonischen Orchester Rotterdam unter Lahav Shani, die «Symphonie fantastique» von Berlioz unter derStabführung von Mikko Franck, Arien aus Wagneropern mit dem Tenor Klaus Florian Vogt und Ravels Bolero mit dem von Gergely Madaras dirigierten Orchestre National de Lyon sowie Tschaikowskys 4. Sinfonie mit der Staatskapelle Dresden, die von Myung-Whun Chung geleitet wird.

Das ab 2019 von Manfred Honeck (dem Chef des renommierten Pittsburgh Symphony Orchestra) alternierend mit Jaap van Zweden dirigierte Hausorchester, das Gstaad Festival Orchestra, wirkt nicht nur beim Festival mit, sondern gibt Gastspiele in ganz Europa und leistet einen aktiven Beitragzur Gstaad Conducting Academy.

Zudem stehen auf dem Programm: Chorkonzerte, z. B. das «Te Deum» von Charpentier mit Hervé Niquet und seinem Concert Spirituel, sowie acht Jahrhunderte französische A-Cappella-Chormusik (von Pérotin bis Duruflé) mit dem Londoner Chor Tenebrae. Einen musikalischen Streifzug durch den Barock verheißt Versailler Trompetenglanz mit Gábor Boldoczki, ein Konzert bei Kerzenlicht mit Jean Rondeau und seinem Ensemble Nevermind, ein Vivaldi-Abend mit Nuria Rial, eine Entdeckungsreise auf den Spuren von Luigi Rossi mit L'Arpeggiata und Christina Pluhar, ein Cembalo-Abend mit französischer Musik von Christophe Rousset und nicht zuletzt faszinierende Einblicke in das Herz des französischen Barocks, vermittelt von Maurice Steger in Begleitung eines Tanzmeisters.

Eine Plattform für junge Solisten gibt es ebenfalls. Dabei sind die sechs «Matinées des Jeunes Etoiles» zu erleben, die samstags in der Kapelle Gstaad stattfinden, mit Solisten der International Menuhin Music Academy (IMMA). Musikalische Erlebnisse abseits des Gewohnten versprechen Gabriela Monteros Improvisationen über denStummfilm «Der Einwanderer» von Charlie Chaplin, das Zusammentreffen des Janoska Ensembles mit dem Jazzgitarristen Biréli Lagrène zu eine Hommage an Django Reinhardt sowie der Chansonabend mit Ute Lemper.

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