Die Grazer Oper. Bild: Oliver Wolf
Die Grazer Oper. Bild: Oliver Wolf

Oper Graz startet mit Weinberg

Die Oper Graz eröffnet die Saison 2020/21 mit Mieczysław Weinbergs Oper „Die Passagierin“ – eine Produktion, die in der Saison 2019/20 coronabedingt nicht mehr Premiere feiern konnte.

Weinbergs Oper rund um die großen Fragen von Schuld, Vergebung und der Verantwortung jeder und jedes Einzelnen erscheint heute aktueller denn je. Basierend auf dem gleichnamigen Roman der polnischen Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz thematisiert dieses Werk das Aufeinandertreffen der ehemaligen KZ-Aufseherin Lisa und der ehemaligen Gefangenen Marta. Roland Kluttig, neuer Chefdirigent der Oper Graz ab 2020/21, wird dirigieren; Nadja Loschky, die gemeinsam mit ihm an der Oper Graz bereits die Oper „Ariane et Barbe-Bleue“ erarbeitete, führt Regie; Dshamilja Kaiser und Nadja Stefanoff sind in den Rollen der Lisa und Marta zu erleben.

Um das wichtige und gerade in diesen Zeiten so brennende Thema noch weiter zu verdichten, bietet die Oper Graz in Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Verein für Gedenkkultur oder CLIO Graz ein umfassendes Rahmenprogramm in und um das Opernhaus an. In diesem thematischen Umfeld wird auch die Produktion „Die Stadt ohne Juden“, ein Stummfilmkonzert zur Musik von Olga Neuwirth, das ebenfalls nicht mehr in der Saison 2019/20 gezeigt werden konnte, zu erleben sein.

Anderen Klängen widmet sich die Oper Graz mit dem weltbekannten Musicalklassiker „Anatevka“ aus der Feder von Jerry Bock. „Wenn ich einmal reich wär‘“ heißt es ab Oktober in einer Inszenierung von Christian Thausing, der damit an der Oper Graz sein Regiedebut im Großen Haus gibt. Ensemblemitglied Ivan Oreščanin möchte als Tevje seine Töchter nach seinen Plänen verheiraten und wird gleichzeitig der dunklen Wolke der Vertreibung begegnen.

Eines der berührendsten Werke überhaupt schuf Giacomo Puccini mit „Madama Butterfly“. Das Meisterwerk, das die tragische Liebesgeschichte einer japanischen Geisha mit einem amerikanischen Navy-Offizier fesselnd vermittelt, wird von Floris Visser, der erstmals an der Oper Graz inszeniert, zu neuem Leben erweckt. Als Cio-Cio-San wird Marjukka Tepponen zu erleben sein, an ihrer Seite steht Mykhailo Malafii als F.B. Pinkerton. Mit diesem Werk wird der Dirigent Francesco Angelico ebenfalls sein Debut an der Oper Graz geben.

Fröhlichkeit und Ausgelassenheit, aber auch ein feiner Schleier der Melancholie stehen in Bedřich Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ an erster Stelle. Die Koproduktion mit dem Konzert Theater Bern wird von der Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Adriana Altaras in Szene gesetzt, die sich damit erstmals an der Oper Graz präsentiert. Das Ensemble der Oper Graz – darunter Tetiana Miyus, Pavel Petrov, Wilfried Zelinka, Albert Memeti und Markus Butter – wird unter der musikalischen Leitung von Roland Kluttig das Publikum mit Sicherheit begeistern.
Voller Witz, Pariser Charme und Esprit geht es in der Operette der Saison 2020/21 weiter. Jacques Offenbachs funkelndes Werk „Die Großherzogin von Gerolstein“ liegt in den operettenerfahrenen Händen von Regisseur Peter Lund, am Pult der Grazer Philharmoniker steht Marcus Merkel. Anna Brull wird in der Titelrolle auch in die Fußstapfen der Muse Offenbachs, Hortense Schneider, treten, an ihrer Seite wird Alexander Kaimbacher als Fritz zu erleben sein.

Mit der Geschichte rund um den fluchbeladenen Seemann und die reine Senta schuf Richard Wagner mit seiner Oper „Der fliegende Holländer“ seine ersten Schritte in Richtung Gesamtkunstwerk. Die zuletzt mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnete Regisseurin Sandra Leupold wird sich bei ihrem Debut an der Oper Graz dieses Stoffes annehmen und damit nach „Tannhäuser“ und „Parsifal“ das dritte Werk Wagners zu neuem Leben erwecken. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Roland Kluttig, die Titelrolle verkörpert Jordan Shanahan, als Senta ist Cornelia Beskow zu erleben.

 

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