Musikalischer Chef in Essen: Tomas Netopil. Bild:Hamza Saad
Musikalischer Chef in Essen: Tomas Netopil. Bild:Hamza Saad

Oper Essen bleibt spannend

Das Aalto-Theater zeigt sechs neue Inszenierungen in der kommenden Spielzeit, darunter Bestseller wie Carmen und Freischütz, aber auch Reimannns Medea.

Das Aalto-Musiktheater zeigt in der kommenden Spielzeit 2018/2019 sechs Premieren. Ein Klassiker des französischen Repertoires steht zum Auftakt am 13. Oktober 2018 auf dem Programm: Georges Bizets Opéra comique „Carmen“ wird erstmals nach 20 Jahren wieder in einer Neuinszenierung zu erleben sein. Die niederländische Regisseurin Lotte de Beer kehrt nach ihrer „Rusalka“-Inszenierung (2015) an das Aalto-Theater zurück. Nach ihrer Auszeichnung mit dem International Opera Award 2015 als beste Newcomerin konnte sie sich in den vergangenen Jahren mit Regie-Arbeiten unter anderem am Theater an der Wien, bei den Bregenzer Festspielen und an der Bayerischen Staatsoper profilieren. Die musikalische Leitung hat Sébastien Rouland, der am Aalto-Theater bereits bei den Premieren von „Werther“ und „Faust“ am Pult der Essener Philharmoniker stand. Ab kommendem Sommer übernimmt er das Amt des Generalmusikdirektors am Saarländischen Staatstheater.  

Auch die Regisseurin von Carl Maria von Webers romantischer Oper „Der Freischütz“, ab 8. Dezember 2018 zu sehen, kennt das Aalto-Publikum bereits: Für ihre fantasie- und gehaltvolle „Lohengrin“-Interpretation (2016) wurde sie für den Theaterpreis „Der Faust“ und den International Opera Award nominiert. Zuletzt erhielt sie für eine neu konzipierte „Ring“-Trilogie am Theater an der Wien viel Aufmerksamkeit. Generalmusikdirektor Tomáš Netopil kennt Gürbaca bereits aus der Zusammenarbeit bei „Lohengrin“ und wird auch diese Neuproduktion betreuen.  

Giuseppe Verdis spätes Meisterwerk „Otello“ feiert am 2. Februar 2019 Premiere: Roland Schwab, geboren in Paris und aufgewachsen in München, gibt sein Regie-Debüt am Aalto-Theater. Bedeutende Inszenierungen in den vergangenen Jahren waren etwa „Don Giovanni“ an der Deutschen Oper Berlin und „Mefistofele“ an der Bayerischen Staatsoper. Die musikalische Leitung hat Matteo Beltrami: Der Italiener konnte sich bislang nicht nur in Essen („Rigoletto“, „Ein Maskenball“, „Der Liebestrank“, „Der Troubadour“), sondern auch national und international als Spezialist für das italienische Repertoire auszeichnen („Der Barbier von Sevilla“ in Dresden und Florenz, „Der Liebestrank“ in Venedig und Dresden, „La Traviata“ in Bilbao und Stuttgart).

Eine Kombination aus Humor und fesselnder Musikdramatik verspricht „Der Ring an einem Abend“ (Premiere am 24. Februar 2019), für den Loriot Richard Wagners Fünfzehn-Stunden-Epos auf drei Stunden reduziert und mit augenzwinkernden Kommentaren versehen hat. Daniel Witzke, Leiter der szenischen Einstudierung am Aalto-Theater, richtet die Produktion auf der Bühne ein. Robert Jindra, ab der kommenden Spielzeit neuer Erster Kapellmeister, dirigiert die Essener Philharmoniker.  

Zu den wichtigsten zeitgenössischen Komponisten gehört Aribert Reimann, dessen 2010 an der Wiener Staatsoper uraufgeführte Oper „Medea“ erstmals in Essen zu erleben sein wird. Zur Grundlage seines zehnten Bühnenwerks machte Reimann „Das goldene Vlies“ von Franz Grillparzer, der in seiner Trilogie die Medea-Figur als empfindsame, verletzliche Frau neu entdeckt hat, ohne jedoch die Augen vor ihrer Schuld zu verschließen. Inszenieren wird das Werk Kay Link, der sich unter anderem im vergangenen Jahr am Theater an der Wien für Händels „Oreste“ verantwortlich zeigte und in Essen als Regisseur von George Benjamins „Into the little Hill“ (2014 in der Casa des Schauspiel Essen) überzeugen konnte. Auch hier übernimmt Robert Jindra die musikalische Leitung.  

Als letzte Premiere der Spielzeit 2018/2019 zeigt das Aalto-Musiktheater „Così fan tutte“, Wolfgang Amadeus Mozarts drittes und letztes Werk, das aus der fruchtbaren Zusammenarbeit des Komponisten mit dem Librettisten Lorenzo da Ponte resultierte. Der englische Regisseur Stephen Lawless wurde in der Vergangenheit von vielen großen internationalen Bühnen engagiert, darunter die Metropolitan Opera New York („Don Giovanni“), das Royal Opera House Covent Garden („Titus“) und das MariinskyTheater St. Petersburg („Boris Godunov“). Am Aalto-Theater gibt Lawless nun sein Regie-Debüt. Tomáš Netopil wird als ausgewiesener Mozart-Kenner die Premiere am Pult der Essener Philharmoniker leiten.   

 

 

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