Capella de la Torre. Foto: Capella de la Torre/Andreas Greiner-Napp
Capella de la Torre. Foto: Capella de la Torre/Andreas Greiner-Napp

Ohne Publikum vor Ort, aber diskursiv

Das auf Alte Musik spezialisierte Musikfest ION in Nürnberg hat sich auf die Corona-Bedingungen umgestellt.

NAH BEI DIR will als neu konzipiertes 69. Musikfest ION Hoffnung spenden und die immense Kraft der Musik und Kunst vermitteln: An neun Abenden zwischen 27. Juni und 5. Juli finden in den Nürnberger Innenstadtkirchen Konzerte statt – tagesaktuell, diskursiv, modular und ein Stück weit unvorhersehbar. Die Mitwirkenden stellen sich die Frage, wie Musik die Erfahrungen der vergangenen Wochen und Monaten reflektieren, ver- und bearbeiten kann? Aber es geht gleichzeitig darum, in innovativen, digitalen Formaten unter veränderten Bedingungen Konzertformate für die Zukunft in der Livesituation auszuprobieren. Alle Abende werden als Livestream in Bild und Ton übertragen und bleiben nach den Konzertterminen abrufbar. Darüber hinaus wird der Eröffnungsabend von BR-Klassik produziert und live gestreamt. Der Künstlerische Leiter Moritz Puschke und der Dramaturg Dr. Oliver Geisler haben für jeden der neun Abende Themen entwickelt und laden dazu hochkarätige Musiker*innen und Weggefährten des Musikfests ION ein.

Der Eröffnungsabend am 27. Juni bietet ab 19 Uhr in St. Sebald ein knapp vierstündiges Kaleidoskop der folgenden Tage mit rund 30 Mitwirkenden: Ein inszenierter musikalischer Weg von Einsamkeit zu einer neuen Hoffnungsmaschine, von Frühbarock über Johann Sebastian Bach und Max Reger bis zu feinstem Jazz und Pop. Am 28. Juni treffen unter dem Titel „Über Mut – Musik als Schutz und Orientierung" Auszüge aus Claudio Monteverdis berühmter „Marienvesper" auf moderne musikalische Reflexionen. Ein kompletter Abend wird am 29. Juni an der Orgel improvisiert: Deutschlands jüngster Orgelprofessor Martin Sturm nimmt bei „Ins Offene – Improvisation" in St. Sebald sogar vom Publikum im Chat angeregte Themen auf. Zum Assoziationskreis „aufstehen – auferstehen – entstehen" treffen am 30. Juni in der Frauenkirche feinste Instrumentalwerke des Barock auf den sphärischen Obertongesang der charismatischen Sängerin Anna-Maria Hefele. Das Besondere: Die Musikerinnen und Musiker begegnen sich erstmals in Nürnberg, um hier einen neuen Klang und eine neue Art Konzertprogramm zu entwickeln. Am 1. Juli erklingen in St. Egidien mit „Songlines – Vom Damals ins Heute" mittelalterliche Gesänge und Songs der Gegenwart. In Kooperation mit N2025, #Songlines und dem Bayerischen Rundfunk – Studio Franken erzählen zwei starke Sängerfrauen mit Liedern ihre Erfahrungen. „Wie geht es (weiter mit) der Musica Sacra?" steht am 2. Juli in der Frauenkirche im Fokus, u.a. mit der Frage, wie die Corona-Krise musikalisch überstanden werden kann. Die Gambistin Hille Perl und die aufstrebende Jazz-Formation Masaa präsentieren mit „Trost und Träumen" am 3. Juli in St. Martha Werke von Frühbarock bis Jazz. „Trotzdem: Tanz" heißt es am 4. Juli in St. Martha mit der gefeierten Capella de la Torre und einer Entdeckungsreise in die kreative, brodelnde und innovative Zeit um 1600. Live vor Ort und gleich dreimal können Besucher*innen am 5. Juli im einzigartigen Flair des Kleinen Klosterhofs des Germanischen Nationalmuseums SLIXS mit Vocal groove von Bach bis Prince erleben. Und für alle anderen gibt es den neunten und damit abschließenden Livestream um 21 Uhr mit der Band. Zwei Musikalische Festgottesdienste am 28. Juni runden das Programm ab.

www.musikfest-ion.de 

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