Dirk Kaftan. Bild: Irene Zandel
Dirk Kaftan. Bild: Irene Zandel

Neustart nach Corona

In über 70 Konzerten lädt das Beethovenorchester Bonn mit seinem Generalmusikdirektor Dirk Kaftan dazu ein, die Bonner Kultur wieder auferstehen zu lassen.

Konzerte gibt es in verschiedenen Reihen, an unterschiedlichsten Spielorten und in unterschiedlichen Genres. Neu sind die Kooperationen mit der Bundeskunsthalle und dem Aktionskünstler Ari Benjamin Meyers.

In der Reihe der Freitagskonzerte kommen Stars wie Katja Riemann (16.12.), Martin Grubinger (11.2.) oder der Dirigent Michail Jurowski (15.4.) nach Bonn, um mit dem BOB aufzutreten. Auf dem Programm stehen wieder groß besetzte Werke wie z. B. die Sinfonie Nr. 1 „Der Titan“ von Gustav Mahler (19.11.), die 4. Sinfonie von Pjotr I. Tschaikowski (14.1.) und die Sinfonie Nr. 4 von Anton Bruckner (25.3.). „Wir möchten wieder alle zusammen musizieren, nachdem Ihnen und uns das solange nicht möglich war“, sagt GMD Kaftan. Angekoppelt an die Freitagskonzerte ist die Konzertreihe Im Spiegel, in der das jeweils gespielte Werk Denkanstöße zu anderen, gesellschaftlichen Themen bietet, die mit Persönlichkeiten wie Dr. Eckart von Hirschhausen (21.11), dem Sergej Prokofieff-Enkel und Komponisten Gabriel Prokoviev (16.1.) und die Präses der evangelischen Kirche Anna-Nicole Heinrich (27.3.) diskutiert werden. Als „Gipfel der Reihe“ könnte man das Gespräch zur Alpensinfonie von Richard Strauss mit Extrembergsteiger und Umweltaktivist Reinhold Messner (12.6.) bezeichnen.

In der neu entstandenen Kooperation mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland stellen die Intendantin Dr. Eva Kraus und GMD Dirk Kaftan den Schulterschluss zwischen bildender Kunst und Musik in Bonn her. „Wir sind sehr glücklich, dass mit dem BOB gleiche mehrere gemeinsame interdisziplinäre Projekte ab dem nächsten Frühjahr geplant werden können. Unsere Wünsche und Hoffnungen dabei sind, gemeinsam voneinander zu lernen, unverhofft Anderes entwickeln zu können, sowie ein breites Publikum einzuladen oder gar einzubinden und neues Interesse zu wecken“, sagt Eva Kraus.

Das Beethoven Orchester begrüßt in der kommenden Saison den aus New York stammenden und in Berlin lebenden Künstler Ari Benjamin Meyers als Artist in Residence, die Zeit der gemeinsamen Arbeit ist für zwei Jahre geplant. Die Residence steht unter dem Arbeitstitel „Das Orchester der Zukunft“. Ari Benjamin Meyers untersucht gemeinsam mit den Orchestermitgliedern auf künstlerische Weise die Bedingungen des Musikmachens, die Kommunikation mit dem Publikum und den Platz eines Sinfonieorchesters in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Meyers ist ausgebildeter Dirigent, Pianist und Komponist (u. a. Juillard School). Seine Ausstellungen, Kompositionen und Projekte werden weltweit präsentiert, darunter an der Pariser Oper, bei den Salzburger Festspielen, dem Spring Workshop Hong Kong und der Lyon Biennale. In Deutschland hat er mit diversen Musikensembles vom Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks bis zu den „Einstürzenden Neubauten“ sowie an Institutionen wie der Volksbühne Berlin, dem Museum Hamburger Bahnhof und dem Schauspielhaus Bochum gearbeitet. In den letzten Jahren fanden seine Werke öfter im öffentlichen Raum statt. Aktuell führen ihn Projekte zur Kunsttriennale Beaufort21 in Belgien, ans Curtis Institute in Philadelphia und nach Lissabon ans MAAT.

An den bewährten Konzertreihen hält Bonns GMD fest: Für Um Elf, in der Aula der Universität, werden u. a. der serbische Ausnahme-Geiger Nemanja Radulovic (7.11.) und der junge französische Trompeten-Shooting-Star Lucienne Renaudin Vary (20.2.) nach Bonn kommen und in der Reihe Vor Ort widmet sich das BOB der Musik, die während Ludwig van Beethovens Zeit als Bratschist in der Bonner Hofkapelle gespielt wurde (11.11. / 31.3. / 2.6.).

Aus der Reihe Grenzenlos freuen sich die Musiker*innen um Dirk Kaftan besonders auf das Mitspielkonzert Open Philharmonics am 18.6. „Die Laien- und Berufsmusiker*innen profitieren beide von diesen Probephasen und Konzerten: Die Laienmusiker*innen sind mit wahnsinnig viel Herzblut bei der Sache, und durch ihre Unbefangenheit und große Neugier sehen wir Berufsmusiker die Werke nochmal aus einem anderen Blickwinkel. Umgekehrt können wir Profis bei den technisch schwierigen Passagen mit Tipps und Hilfestellungen zur Seite stehen“, sagt Mechthild Bozzetti, Orchestervorstand des BOB.

Das zweite Konzert dieser Reihe ist eines der verschobenen Konzerte aus dem Jubiläumsjahr und ganz dem Jazz gewidmet: Wolf Kerschek, Komponist, Arrangeur, Dirigent und Jazzmusiker, steht am Pult des Orchesters und lädt zu einem Abend mit von klassischer Musik beeinflusstem Jazz zur Jam-Session ins Telekom Forum ein (29.04.).

Eine feste Verwurzelung des BOB im Bonner Alltag zeigen die zahlreichen Sonderkonzerte: Die Zusammenarbeit mit der Telekom beim „Künstliche Intelligenz“ Projekt zu Beethovens 10. Sinfonie (9.10.), das gemeinsame Musizieren mit der Kantorei der Kreuzkirche (28.11.), die Telekom Competition (11.12.), das Weihnachtskonzert (23.12), das Karnevalskonzert - dieses Jahr wieder mit den Bonner Kabarettisten Norbert Alich und Rainer Pause - (25.2.), der Deutsche Musikwettbewerb (19.3.), das BaseCamp Neue Musik (28.5.) und das zweite Klassik!Picknick-Konzert dieser Saison (26.6.).

Kammermusikalisch bietet das BOB sieben Konzerte an, sechs davon aus den eigenen Reihen kuratiert und neben dem Dienst im Konzertsaal und Operngraben erarbeitet. Ein Dank geht hier an unsere Kooperationspartner Beethoven-Haus, in dessen Kammermusiksaal vier Konzerte stattfinden (17.1. / 14.2. / 25.4. / 30.5.), und die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die drei Konzerte im Alten Bundesrat ermöglicht (26.1. / 30.3. / 18.5.), darunter das Konzert mit dem weltberühmten Raschèr-Saxophone-Quartet.

Die Errungenschaften des Beethoven-Jubiläumsjahres, die Konzerte Pur und die Beethoven-Lounges, werden in der laufenden Saison wiederaufgenommen. „Mit diesen Konzerten knüpfen wir da an, wo uns der zweite Shutdown letztes Jahr gestoppt hat“, sagt GMD Kaftan, und meint damit die Wiederholung der Pur-Konzerte, die der zweiten Corona-Zwangspause zum Opfer gefallen sind und „nur“ als Streaming-Ereignis ohne Live-Publikum stattgefunden haben. In den musikalischen Talkshows Beethoven Lounges wird auch in dieser Saison philosophiert und Gäste aus Kultur, Politik geben Ein- und Ausblicke zum kulturellen Leben in Bonn - natürlich immer von besonderer Musik und besonderen Künstler*innen flankiert.

Kaftans Bestrebungen, mit dem Beethoven Orchester Bonn und seinen Programmen alle Menschen der Beethoven-Stadt zu erreichen, zeigen sich auch im altersspezifischen Angebot für junge Leute, das von Sitzkissenkonzerten über Kinder- und Familienkonzerte, das Jugend-Projekt b+ bis zu vielfältigen Vermittlungsangeboten reicht. „Musikvermittlung hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Ich bin sehr glücklich, dass unsere Kinderkonzerte einen angemessenen Platz in diesem Forum bekommen“, so GMD Dirk Kaftan. „Die tolle Museums-Infrastruktur hilft uns dabei attraktive Angebote für Kinder zu machen.“

„Musik gemeinsam b.leuchten, b.forschen und b.leben“, dafür steht das Musikvermittlungsangebot b.jung. Für die Musikvermittlerin des BOB, Lorna Bowden, die eine Elternzeitvertretung übernimmt, steht dabei vor allem der kreative Austausch mit den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern und den Orchestermitgliedern im Zentrum ihrer Arbeit: „Unser Angebot für junge Menschen ist für mich ein großer musikalischer Spielplatz. Gerade das gemeinsame Experimentieren und Ausprobieren, sei es mit Kindern und Jugendlichen in Workshops, oder auch mit den Orchestermitgliedern in den b.jung Konzerten, macht mir großen Spaß. Nach dieser Zeit des Stillstands merke ich, wie groß die Freude bei den Kindern über unsere Musikvermittlungsangebote ist. Das zeigt nochmal, welch wichtigen Beitrag wir mit dieser Arbeit leisten.“

In der Saison 2021/2022 werden vom BOB keine festen Abonnements angeboten. Die Abonnements der Saison 2019/2020 bleiben weiterhin „eingefroren“. Dies betrifft die Reihen Freitagskonzerte, Um Elf, Im Spiegel, Familienkonzerte, Kinderkonzerte und Montagskonzerte. Abonnements werden erst wieder in der Spielzeit 2022/2023 aufgenommen, sofern dies die geltenden Vorschriften zulassen.

Für die Spielzeit 2021/2022 erhalten Abonnenten des BOB beim Ticketerwerb für das Beethoven Orchester Bonn 25% Ermäßigung auf Konzerte innerhalb Ihrer bisherigen Abonnementreihe sowie 10% für Eintrittskarten außerhalb ihrer bisherigen Abonnementreihe. Tickets für die Konzerte bis Ende November sind ab sofort erhältlich. Ab dem 5.11. sind alle Tickets der Saison 2021/2022 bei den üblichen Vorverkaufsstellen und im Internet erhältlich. Weitere Ticketinformationen gibt es an der Theater- und Konzertkasse der Stadt Bonn.

Insgesamt 76 Konzerte und 107 Vorstellungen, gemeinsam mit dem Theater Bonn, stehen in der kommenden Saison auf dem Spielplan des BOB. „Wir sehen jetzt optimistisch in die Zukunft. Streaming war während der ‚Shutdowns‘ eine schöne und bereichernde Alternative, und wir hatten, wenn man die Klickzahlen betrachtet, auch sehr großen Erfolg. Aber letztendlich zählt doch für uns alle in erster Linie das Live-Erlebnis. Die Musiker*innen und ich sind voller Tatendrang und können es kaum erwarten, loszulegen“, fügte GMD Kaftan hinzu.

 www.beethoven-orchester.de

 

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