Royston Maldoom. Bild: Ingo Schäfer
Royston Maldoom. Bild: Ingo Schäfer

Musikpreis der Stadt Duisburg 2019

Der britische Choreograph Royston Maldoom erhält Ehrung für die verbindende Kraft und künstlerische Qualität seiner Tanzprojekte.

Der britische Choreograph und Tanzpädagoge Royston Maldoom hat den Musikpreis der Stadt Duisburg 2019 aus den Händen von Oberbürgermeister Sören Link entgegengenommen. Die Jury sprach dem Künstler den mit 10.000 Euro dotierten und von der Köhler-Osbahr-Stiftung zur Verfügung gestellten Preis „für sein Lebenswerk als Choreograph und als Begründer der Community-Dance-Bewegung und in Anerkennung seines unermüdlichen künstlerischen und sozialen Engagements“ zu. Die Preisverleihung wurde vom Duisburger Tanztheater Ulla Weltike, von der Tanzmoto Dance Company und einem Ensemble der Duisburger Philharmoniker mit dem Pianisten Jonathan Zydek gestaltet. Der Musikjournalist Holger Noltze führte zudem ein Künstlergespräch mit dem Preisträger.

Maldooms Tanzprojekte vereinen Menschen vieler Nationalitäten und sozialer Schichten in dem Bemühen, künstlerisch herausragende Ergebnisse zu erzielen. Der in London geborene Wahl-Berliner, der 2003 durch den Dokumentarfilm „Rhythm is it!“ internationale Berühmtheit erlangte, hat im Rheinland, insbesondere in Duisburg, schon viel früher wichtige tanzpädagogische Wegmarken gesetzt. Von 1990 bis 1997 war er choreographischer Direktor eines Jugendtanzfestivals im Rahmen der Duisburger Akzente. Seine Zusammenarbeit mit der Duisburger Choreographin und Tanzpädagogin Ulla Weltike geht ebenfalls auf diese Zeit zurück.

Mitreißende Kraft entwickelte 2016 ihr gemeinsames Projekt „EXILE – Tanzen für ein besseres Leben“, das gemeinsam mit den Duisburger Philharmonikern ein weithin beachtetes Zeichen für mehr Humanität und ein stärkeres Miteinander setzte. Das Tanzstück über Menschen, die ihre Heimat verlassen, vereinte rund 150 Duisburger Kinder, Jugendliche und Erwachsene verschiedenster Herkunft auf der Bühne des Stadttheaters. „EXILE“ erzählte von Hoffnungen, Ängsten, Träumen, Gefühlen und Erinnerungen von Heimatsuchenden, die sich in einem neuen, für sie oft sehr fremden Umfeld orientieren müssen.

Der 76-jährige Maldoom, der schon mit Straßenkindern, Gefängnisinsassen, Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten und Menschen in Kriegs- und Krisengebieten zusammengearbeitet hat, lebt den Teilnehmern Toleranz und Respekt vor, verlangt von ihnen aber auch große Disziplin. „Wer zu mir kommt und mit mir arbeiten will, den sehe ich als Tänzer – und nur als Tänzer. Es interessiert mich nicht, welche Hautfarbe er hat, woher er kommt oder ob er einen Job hat. Sie glauben nicht, wie froh die meisten Menschen sind, ihren Hintergrund bei mir ablegen zu können: endlich nicht mehr nur der Flüchtling, der Arbeitslose, das Problemkind oder der Sträfling zu sein. Die Erleichterung darüber ist meistens riesengroß“, berichtet Maldoom aus seinen Erfahrungen. Wenn man zusammen getanzt habe, dann könne man auch miteinander leben: Davon ist der Choreograph überzeugt.

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