Sarah Nemtsov. Foto: Camille Blake
Sarah Nemtsov. Foto: Camille Blake

Musik um Leben und Tod

Wollen wir den Tod überwinden?, fragt das Forum neuer Musik im DLF am 3. und 4. April 2020 u. a. mit Musik von Sarah Nemtsov.

Mit einer ungewöhnlichen Frage geht das Kölner Forum neuer Musik in seine 21. Ausgabe. An zwei Tagen richten Wissenschafler und Autoren in Lectures und Streitgesprächen einen kritischen Blick auf die scheinbar unendlichen technologischen Möglichkeiten, die unser Leben optmieren und verlängern sollen und sich so dem Sterben entgegen stellen. Für Komponierende war das Thema Tod zu allen Zeiten Ursprung künstlerischer Schöpfung. Das Forum neuer Musik 2020 präsentiert aktuelle Arbeiten
von Sarah Nemtsov, Eres Holz, Helena Cánovas i Parés, Younghi Pagh-Paan, Sergej Maingardt und
anderen.

Im Zentrum des Programms steht die Uraufführung des inszenierten Konzerts „Roses for my
Funeral“ mit Musik der vielfach ausgezeichneten Berliner Komponistin Sarah Nemtsov. Ihre Werke
haben auf renommierten Festivals für Neue Musik in ganz Europa einen festen Platz. Nemtsov
selbst versteht ihr Stück als Einspruch gegen die Normierung von Trauer und die Tabuisierung von
Vergänglichkeit und Schmerz. Performative Elemente, Texte, Licht- und Klangregie lassen „Roses
for my Funeral“ zu einem musiktheatralen Format verschmelzen, das sich keinem Genre zuordnen
lässt und Raum für vielgestaltige Assoziationen und Gedanken schafft. Regisseur Heinrich
Horwitz, Schauspieler Jakob Diehl und das Decoder Ensemble gestalten die Uraufführung am 3.
April im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks.

Als weitere Uraufführungen sind am 4. April Eres Holz‘ Streichquartett „Dunkle Risse“ und Helena
Cánovas i Parés’ performatives Stück „Tenebrae once again“ geplant. Das experimentierfreudige
Kölner Asasello Quartett kombiniert Eres Holz mit Henry Purcell. Cánovas i Parés eröffnet ein
Themenkonzert der Kölner Hochschulformation „ensemble 20/21“ unter dem Motto
„Metamorphosen“. Das von ihrem musikalischen Leiter David Smeyers zusammengestellte
Programm bietet nicht-europäische Perspektiven auf Sterben und Tod – etwa in Werken von
Gabriela Ortiz, Jamilia Jazylbekova, Daniel Alvarado Bonilla, Jing Jing Luo und Younghi Pagh-Paan.
Das abschließende Musiktheater „Transfleisch“ von Sergej Maingardt basiert auf einer
Nahtoderfahrung und verbindet Video, Musik und Sprache zu einer Performance.

Das Forum neuer Musik 2020 wirft zudem einen Blick auf die künstlerische und
soziologische Beschäftigung mit Sterben und Unsterblichkeit. Im Foyer des Deutschlandfunks diskutieren Journalistin Juliane Vieregge, Philosoph Volker Demuth, Sterbeforscher Thomas Macho sowie Anna Schürmer mit Studierenden der Hochschule für Medien und Kulturwissenschaften der
Universität Düsseldorf.

Das Forum neuer Musik 2020 wird vom Deutschlandfunk veranstaltet und von der Kunststiftung
NRW gefördert. Das Decoder Ensemble und Sarah Nemtsovs Projekt werden von der Ernst von
Siemens Musikstiftung und vom Musikfonds unterstützt. Die Veranstaltungen finden am 3. und 4. April 2020 im Deutschlandfunk und in der Kunst-Station Sankt Peter in Köln statt.

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