Liza Ferschtman. Foto: Marco Borggreve
Liza Ferschtman. Foto: Marco Borggreve

Musik aus der und für die Jetztzeit

Das Essener Festival NOW! startet mit Schönbergs Gurreliedern. Es folgen viele Uraufführungen und Auftritte spannender Musiker.

Zum neunten Mal wird Essen zum Zentrum für zeitgenössische Musik: Vom 23. Oktober bis 3. November 2019 lädt die Philharmonie Essen gemeinsam mit der Folkwang Universität der Künste, der Stiftung Zollverein, PACT Zollverein und dem Landesmusikrat NRW zum Festival NOW! ein. Neben der Kunststiftung NRW unterstützt erstmalig auch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung das Programm. 25 Veranstaltungen, darunter Konzerte mit 15 Uraufführungen, Installationen, Workshops und begleitende Einführungen, widmen sich unter dem diesjährigen Motto „Transit“ dem Übergang und seinen vielfältigen Erscheinungen in der Musik. Veranstaltungsorte sind die Philharmonie Essen, die Folkwang Universität der Künste, das UNESCO-Welterbe Zollverein, das Museum Folkwang und die Folkwang Musikschule. Zum Ausdruck kommt das Thema „Transit“ etwa in Arnold Schönbergs „Gurreliedern“, mit denen die Essener Philharmoniker das Festival eröffnen. Auf PACT Zollverein bringt ein „Synthesizer-Wochenende“ die Übergänge von der Analog- zur Digitaltechnik zum Klingen. Und Werke wie Stockhausens „Kontra-Punkte“ verdeutlichen, wie sich die zeitgenössische Musik nach dem Zweiten Weltkrieg durch starke Impulse immer wieder neu entdeckt hat.

Festival-Auftakt mit Schönbergs „Gurreliedern“

Die Essener Philharmoniker eröffnen unter der Leitung von Tomáš Netopil das diesjährige Festival am 24. und 25.10., um 19:30 Uhr in der Philharmonie Essen mit Arnold Schönbergs „Gurreliedern“. Gleich drei Chöre wirken in diesem monumentalen Oratorium mit – der WDR Rundfunkchor, der Opernchor des Aalto-Theaters und der Philharmonische Chor Essen. Ein Gesangsensemble mit Torsten Kerl, Julia Borchert, Deidre Angenent, Heiko Trinsinger und Albrecht Kludszuweit übernimmt die Solo-Partien.

Vom Sinfonieorchester bis zur computergesteuerten Orgel

Nach dem Auftakt mit Schönbergs „Gurreliedern“ lädt das Festival zu Konzerten im Alfried Krupp Saal und im RWE Pavillon mit unterschiedlichsten Besetzungen ein – vom Solo-Klavier bis zum großen Orchester. Das WDR Sinfonieorchester (27.10., 19:30 Uhr) gehört als regelmäßiger NOW!-Gast ebenso zu den Interpreten wie das SWR Symphonieorchester mit der Sopranistin Juliane Banse (2.11., 19:30 Uhr), die Alban Bergs „Bruchstücke“ aus der Oper „Wozzeck“ singen wird. Das Ensemble Musikfabrik präsentiert eine Neufassung von „Nether“ der aktuellen „Ernst von Siemens“-Preisträgerin Rebecca Saunders (31.10., 19:30 Uhr). Und mit dem Orchesterwerk „passage/paysage“ von Mathias Spahlinger spielt das renommierte Ensemble Modern eine Ikone der jüngsten Moderne (3.11., 17:30 Uhr). In klassischer Streichquartett-Besetzung ist das JACK Quartet zu erleben (27.10., 11 Uhr), wohingegen das Konzert am 29.10., um 19:30 Uhr mit nur einer Pianistin auskommt, daneben aber auch zwei Uraufführungen für computergesteuerte Orgel sowie für vier MIDI-Klaviere präsentiert. Dem Schaffen György Kurtágs widmet sich ein nächtliches Konzert im Festsaal der Philharmonie (2.11., 22:30 Uhr).

Vertreten sind darüber hinaus auch in diesem Jahr das Schlagzeugensemble des Landesmusikrats NRW „SPLASH – Perkussion NRW“ (2.11., 17 Uhr), das JugendZupfOrchester NRW (3.11., 11 Uhr) und das Ensemble folkwang modern, das unter anderem mit Karlheinz Stockhausens Opus 1 „Kontra-Punkte“ zu erleben ist (26.10., 19 Uhr).

Installation im RWE Pavillon

An den ersten Tagen des Festivals gibt es im RWE Pavillon der Philharmonie Essen eine außergewöhnliche Installation zu bestaunen: Auf vier computergesteuerten Klavieren erklingen kurze musikalische Sätze, die die Folkwang-Professoren Günter Steinke, Michael Edwards, Thomas Neuhaus und Dirk Reith generiert haben. Termine: 23.10., 18 Uhr; 24., 25. Und 27.10., jeweils 19 Uhr.

„Synthesizer-Wochenende“ auf PACT Zollverein

Musik im ständigen Strom der Veränderung und des Übergangs – darum dreht sich ein ganzes „Synthesizer-Wochenende“, das die Stiftung Zollverein und PACT Zollverein gemeinsam präsentieren. Im Mittelpunkt steht dabei der  analoge Groß-Synthesizer SYNLAB, der in den 1970er Jahren in Kooperation mit Dirk Reith von der Folkwang Universität der Künste entwickelt wurde. In einem Workshop (26.10., 15 Uhr) sowie Live-Aufführungen auch neuer Stücke etwa von Dirk Reith und Florian Zwißler (25.10., 20 Uhr) werden so die Schnittstellen zwischen Analog- und Digitaltechnik zum Klingen gebracht. Zum Programm gehören darüber hinaus ein Late Night Konzert mit anschließender DJ-Session (26.10., 21:30 Uhr) mit Sacha Ketterlin und Roman Flügel sowie ein interaktives Gesprächskonzert, in dem „SchneidersLaden“ aus Berlin seine modularen Synthesizer präsentiert (27.10., 17 Uhr). Schülerinnen und Schüler haben schließlich am 28.10., um 10 Uhr die Möglichkeit, am Workshop „Electric Flux“ teilzunehmen, in dem Dozenten der Folkwang Universität der Künste grundlegende Aspekte der elektronischen Musik vermitteln.

Konzerte im Museum Folkwang und in Halle 5 auf dem Welterbe Zollverein

Zwei weitere Spielorte steuert das Festival NOW! in diesem Jahr an: Das Museum Folkwang ist Gastgeber für einen Auftritt des Ensembles hand werk mit insgesamt drei Uraufführungen (1.11., 16 Uhr). Und in der Halle 5 auf dem Welterbe Zollverein hebt die niederländische Geigerin Liza Ferschtman gemeinsam mit dem Folkwang Kammerorchester Essen ein Violinkonzert der ehemaligen Folkwang-Dozentin Karin Haußmann aus der Taufe (1.11., 19:30 Uhr).

 

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