Muenchner Rundfunkorchester mit Reinhard Goebel. Bild: Dita Vollmond
Muenchner Rundfunkorchester mit Reinhard Goebel. Bild: Dita Vollmond

Mozartfest trotzt Corona

Das Mozartfest Würzburg beendete mit einem Programm der lautten compagney unter Wolfgang Katschner seine 99. Saison.

Das Festivalteam hatte unter Corona-Pandemie Bedingungen in kürzester Zeit ein alternatives, dreiwöchiges Programmangebot mit insgesamt 40 Veranstaltungen auf die Beine gestellt, das vor allem auf die Begegnung zwischen Musikern und Publikum setzte. Die Karten für das ursprünglich geplante Festival waren zum Zeitpunkt des Lockdown (elf Wochen vor Beginn) zu 83,5 Prozent verkauft. Dem auf das kompositorische Schaffen von Mozart und Beethoven bezogenen Motto „Widerstand. Wachsen. Weitergehen“ war unter den veränderten Vorzeichen eine völlig neue Aktualität zugewachsen. Dank des starken Rückhalts der Partner von Stadt, Land, Freundeskreis und Sponsoren konnte trotz der schwierigen planerischen Rahmenbedingungen und ohne große Erlöse aus dem Ticketing drei Wochen lang Musik live zu den Menschen gebracht werden.

Damit hat Würzburg in der bundesweiten Festivallandschaft ein wichtiges Zeichen gesetzt für das Weitergehen in Krisenzeiten und das Wachsen am Zusammenbruch des Gewohnten. In seiner fast hundertjährigen Geschichte hat das Mozartfest mehrfach auf diese Weise gewirkt und Profil gezeigt. „Wie sich die Stadt Würzburg und das Mozartfest in der Corona-Zeit positioniert haben, ist mehr als ein verbales Bekenntnis zu Kunst und Kultur. Hier lebt man den Anspruch, Kulturstadt zu sein: aus gemeinsamer Überzeugung und leidenschaftlich. Dass wir es unter diesen schwierigen Vorzeichen geschafft haben, erstmals wieder Musik vor Publikum im Live-Konzert erklingen zu lassen, war eine Befreiung – nicht zuletzt für die MusikerInnen“, sagt Intendantin Evelyn Meining.

Die Aktivitäten des Forum Musik Festivals, bei dem das Mozartfest eine zentrale Rolle einnimmt, zielten darauf, angesichts der prekären Situation der Kulturveranstalter mit der Politik auf Bundes- und Landesebene in Dialog zu treten und Handlungshilfen anzubieten. Seiner sozialen Verantwortung gegenüber den Künstlern ist das Mozartfest in besonderer Weise nachgekommen: Es werden Ausfallhonorare gezahlt und Konzerte verschoben. Als Kompensation für abgesagte Konzerte wurde außerdem eine digitale Pinnwand für Video-Botschaften der Künstler auf der Website eingerichtet. In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk wurden Radiokonzerte in den Räumen der Residenz durch Kammermusikensembles eingespielt und zwei Konzerte aus dem Kaisersaal als Video-Livestream einem großen Publikum zugänglich gemacht. Die Themennacht „Gestatten, Beethoven!“ erreichte am Konzerttag 104.000 Zuschauer, die Konzertübertragung mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Reinhard Goebel, dem Artiste étoile 2020, 79.800 Zuschauer. Es war das einzige von insgesamt vier geplanten Konzerten seiner Saison. Das Konzert mit der Tapiola Sinfonietta aus Finnland wird 2021 nachgeholt, andere Programme in den Folgejahren.

Die Stadt Würzburg hat Reinhard Goebel für sein 30jähriges Wirken beim Mozartfest mit dem „Tanzenden Schäfer“ ausgezeichnet, den OB Christian Schuchardt in einer Feierstunde überreichte. In seiner Laudatio nannte er Goebel „einen Glücksfall für das Mozartfest, …der Spielweisen revolutioniert und durch akribische Forschungen Werke und Komponisten ins Bewusstsein des aktiven Musiklebens zurückgebracht hat. Um weiterzugehen. Um Neuland zu beschreiten. Um nicht nur das Musikleben, sondern unsere Gesellschaft voranzubringen.“

Für alle Künstlerinnen und Künstler des Mozartfestes war es der erste Auftritt nach drei Monaten Stillstand: Avi Avital, Ragna Schirmer, Carolin und Jörg Widmann, Marie-Elisabeth Hecker, Martin Helmchen, Julian Prégardien, Hannelore Hoger, das Signum und Szymanowski Quartett, die Kammerakademie Potsdam unter Hartmut Haenchen, um nur einige zu nennen. Eine neue Nähe zu den Menschen der Stadtgesellschaft konnten insgesamt 16 Konzerte mit dem Musik-LKW „Blauer Eumel“ und fünf Balkonkonzerte in der Innenstadt schaffen.

Neue Wege wurden in der Zeit sozialer Distanz auch für das MozartLabor gefunden: Unter Corona-Bedingungen und live gestreamt bei Youtube fand das siebte MozartLabor mit 45 aktiven Teilnehmern statt und nahm Fragen zur sozialen Verantwortung von Kunst in den Fokus. Die Hundertjahrfeier des Mozartfestes findet vom 28. Mai bis 27. Juni 2021 statt. Sie widmet sich den vielen Blicken auf Mozart aus der Perspektive von Aufführungspraxis, Bildender Kunst, Geisteswissenschaften, Literatur, Medien und Tanz. Geplant sind unter anderem Konzerte mit Instrumenten aus Mozarts Privatbesitz, eine Produktion des Idomeneo unter Leitung von Christophe Rousset, eine Tanzversion des Requiem, drei Auftragswerke, eine Vortragsreihe und eine Ausstellung zum Thema „Klangkunst – Bildkunst“.

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