Michael Tilson Thomas, Isabel Leonard und das San Francisco Symphony Orchestra. Bild: Brandon Patoc
Michael Tilson Thomas, Isabel Leonard und das San Francisco Symphony Orchestra. Bild: Brandon Patoc

Michael Tilson Thomas als Komponist

Nach einem Vierteljahrhundert als Chefdirigent verlässt Michael Tilson Thomas "sein" Orchester - u. a. mit einer CD-Aufnahme.

Zur Feier von Michael Tilson Thomas' 25. und letzter Saison als Music Director des San Francisco Symphony Orchesters (SFS) präsentiert das orchestereigene Label SFS Media ein neues Album mit den Ersteinspielungen von Werken komponiert von Michael Tilson Thomas: From the Diary of Anne Frank & Meditations on Rilke. Solisten sind Isabel Leonard als Erzählerin, die Mezzosopranistin Sasha Cooke und Bassbariton Ryan McKinny. Live eingespielt in der Davies Symphony Hall in San Francisco im November 2018 und im Januar 2020 ist dies die erste SFS Media-Einspielung mit Werken aus der Feder von Michael Tilson Thomas und stellt dessen erstes Werk für Stimme und Orchester seiner neuesten Komposition gegenüber. Das Album wird ab 26. Juni als Download in 24-bit/192kHz Studio Master Qualität sowie als Stream über alle gängigen Digitalplattformen verfügbar sein und ist zudem ab dem 17. Juli als 5.1 Surround fähige Hybrid-SACD im Handel erhältlich.
 
Basierend auf dem historischen Tagebuch, das Anne Frank in den Niederlanden während der Besatzung durch Nazi-Deutschland führte, ist "From the Diary of Anne Frank" ein dramatisches Werk für Erzählerin und Orchester. Es entstand als Auftragskomposition für UNICEF und wurde für Audrey Hepburn in der Rolle der Erzählerin geschrieben, die das Werk als UNICEF Botschafterin 1990 gemeinsam mit Michael Tilson Thomas und dessen New World Symphony Orchester aus der Taufe hob. Beim San Francisco Symphony stand "From the Diary of Anne Frank" erstmals im November 2018 auf dem Programm, als der 70. Jahrestag der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen in Konzerten gewürdigt wurde. Isabel Leonard war die Erzählerin in diesen Konzerten. Dies war der Durchbruch für den Komponisten Michael Tilson Thomas, der für die dramatische Überzeugungskraft seines Werkes und seine kompositorisch meisterliche Beherrschung der orchestralen Möglichkeiten umfassend gefeiert wurde.

In seiner Rezension dieser Konzerte in The Bay Area Reporter schreib Phil Campbell: „MTT präsentiert einen Soundtrack, der seine musikalischen Einflüsse von Copland bis Bernstein deutlich erkennen lässt, und doch ein sehr persönliches Statement abgibt. Die bewegende und sinnträchtige Partitur funkelt, strömt und wogt voll von Emotion und überzeugender Erkenntnis und Einsicht. Man muss schon aus Holz geschnitzt sein, um darauf nicht anzusprechen." Seit seiner Uraufführung vor dreißig Jahren wurde "From the Diary of Anne Frank" weltweit in vielen verschiedenen Sprachen aufgeführt, unter anderem im Saal der Vollversammlung der Vereinten Nationen.
 
„Während einige der Zeilen sich auf tragische Ereignisse beziehen, spiegeln so viele den jugendlichen, optimistischen, neugierigen und mitfühlenden Charakter ihrer Autorin. Vor allem diese Eigenschaften wollten wir in diesem Werk durchblicken lassen, so dass ich die Themen ... aus Wendungen und Phrasen der traditionellen jüdischen Musik hergeleitet habe, insbesondere der Hymne ans Leben, Kaddisch", sagt Michael Tilson Thomas selber zu seinem Werk.

Die Juli-Ausgabe des FONO FORUM widmet Michael Tilson Thomas ein Porträt.

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