Marie Smolka als Marilyn. Foto: Karger
Marie Smolka als Marilyn. Foto: Karger

Marilyn Monroe als Opernfigur

Mit gefühlvollen Balladen und einem Hauch von Jazz reflektiert die Oper von Gavin Bryars das, was hinter der Projektionsfläche der Pop-Ikone steht.

Sexsymbol, Idol und Mythos: All das verkörperte Marilyn Monroe wie kaum eine andere. Geboren als Norma Jeane Baker arbeitete sie sich hartnäckig aus der unterprivilegierten Schicht der amerikanischen Gesellschaft vom Fotomodell zur Kleindarstellerin und schließlich in einer männerdominierten Welt zum Star hoch. Sie liebte die Kamera und sie liebte auch das Bild, das von ihr kreiert wurde. Marilyn Monroe – auf den ersten Blick eine starke, selbstbewusste Frau, tief im Inneren jedoch ein zerbrechlicher, von Selbstzweifeln und Unsicherheit gequälter Mensch.

Mit gefühlvollen Balladen und einem Hauch von Jazz reflektiert die Oper von Gavin Bryars das, was hinter der Projektionsfläche der Pop-Ikone steht: die gescheiterten Beziehungen und zahlreichen Affären, den versagt gebliebenen Werdegang einer ernstzunehmenden Schauspielerin, die nicht nur in seichten Musicalkomödien auf der Leinwand zu sehen sein wollte, die freudlose Kindheit, in der die kleine Marilyn von einer Pflegefamilie zur anderen weitergereicht wurde, die vergebliche Suche nach Wärme und Geborgenheit.

Dass Marilyn Monroe, in Hollywood für die leichte Muse gecastet, nun im Mittelpunkt einer Oper steht, ist für Regisseurin Barbara Schöne kein Widerspruch – im Gegenteil: »Ich finde gerade gut, dass dieser Frau eine ernste Oper gewidmet wird, die ihr als Mensch und als Künstlerin gerecht wird und nicht einzig auf ihre Showkarriere abzielt«, so Schöne. » Das ist auch Dreh- und Angelpunkt meiner Inszenierung: Ich ziele genau darauf ab, uns als Zuschauern, vielleicht sogar Fans klarzumachen, wie schnell eine Stilisierung zu dieser blonden Ikone geschieht, wie schwer es für Marilyn war, diesen Stempel auf ihrer Stirn wieder loszuwerden. Ich möchte zeigen, wie chancenlos sie letztendlich war, einen selbstbestimmten Lebensweg zu meistern, ohne an den Vorgaben der großen Filmbosse und ihren eigenen Sehnsüchten und Bedürfnissen im privaten Bereich zugrunde zu gehen. Daher stelle ich sie immer wieder ihrem perfekten Konterfei gegenüber, lasse den eigentlichen Menschen in ihr an diesem Zwang zum Perfektionismus scheitern, bis sie sich am Ende sogar ganz verliert.«

In der Deutschen Erstaufführung der Oper, die ab 8. Februar 2020 in Saarbrücken auf die Bühne der Alten Feuerwache kommt, alternieren zwei Darstellerinnen in der Titelrolle: Marie Smolka, festes Mitglied im Opernensemble des Saarländischen Staatstheaters und zuletzt unter anderen als Susanna in „Le Nozze di Figaro“ oder als Valencienne in „Die lustige Witwe“ zu sehen, und Katja Reichert, die derzeit als Marguerite im gleichnamigen Michel-Legrand-Musical am Staatstheater zu Gast ist.

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