Kremerata Baltica

Kremerata Baltica | Weinberg: Symphonien Nr.2 & 21

„Wir alle brauchen Risiken“, lautet ein Motto der Dirigentin Mirga Grazinyte-Tyla. Die Litauerin ist die erste Dirigentin, die bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag steht. Und mit ihrer ersten CD-Veröffentlichung bei diesem Label geht sie gleich ein Risiko ein: zwei Sinfonien von Mieczyslaw Weinberg, darunter die letzte vollendete des Komponisten mit dem Untertitel „Kaddisch“.


Nun erlebt Weinbergs Musik momentan zweifelsohne eine Neuentdeckung (vor einer Wiederentdeckung mag man nicht sprechen, da sie zu Lebzeiten des Komponisten zwar gespielt, aber wenig beachtet wurde), doch einfach macht sie es dem Hörer nicht: Bereits in der vergleichsweise unkomplizierten Sinfonie Nr. 2 gibt es Passagen, die sich quasi in sich selbst zurückziehen, harmonisch wie melodisch schwer greifbar sind – als wolle die Musik darauf hinweisen, dass sie gründlich erforscht zu werden verlangt, bevor sie sich öffnet.
Bei der fast einstündigen Sinfonie Nr. 21 handelt es sich dann über weite Strecken um ein stilles Selbstgespräch voll tiefer Trauer und Versenkung. Der gebürtige Pole Weinberg, der dem Holocaust nur mit Glück entging, widmete die Sinfonie, die er zu Recht als eines seiner Hauptwerke betrachtete, den Opfern des Warschauer Ghettos. Es ist eine Herkulesaufgabe, in dieser Musik, in der oft nur eine oder zwei Solostimmen das Geschehen bestimmen, den formalen Bogen zu spannen – eine Aufgabe, die von Mirga Grazinyte-Tyla und dem City of Birmingham Symphony Orchestra, dem sie seit 2016 als Chefdirigentin vorsteht, bravourös gelöst wird. Das gilt ebenso für die Kremerata Baltica, die an der Aufführung mitwirkt, und für Gidon Kremer, der die Geigensoli spielt. Das Ergebnis fasziniert und erschüttert gleichermaßen.

Thomas Schulz

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Weinberg: Sinfonien Nr. 2 u. 21; City of Birmingham Symphony Orch., Kremerata Baltica, G. Kremer, M. Grazinyte-Tyla (2018); Deutsche Grammophon (2 CDs)

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