Demo Anfang März am Kölner Bahnhof gegen Axel Voss und die CDU.
Demo Anfang März am Kölner Bahnhof gegen Axel Voss und die CDU.

Kreative sagen "Ja" zu Axel Voss und Artikel 13

Kreative von Pink Floyd bis zu den Berliner Philharmonikern rücken laut dem Verband unabhängiger Musikunternehmen die Annahme zurecht, mit der Urheberrechtsreform würde eine Filterinfrastruktur installiert werden.

­ ­ Wenige Tage vor der finalen Abstimmung im Europäischen Parlament über die neue Richtlinie zum Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt haben zahlreiche Künstler und Vertreter der Kreativbranche ein Manifest für ein offenes und faires Netz sowie für die gerechte Bezahlung unterzeichnet. In der langen Liste der Unterzeichner befinden sich Kreative aller Sparten, Genres, Herkunft und Größe: Vom holländischen Produzenten über slowenische Regisseure, portugiesische Labelbetreiber bis zu deutschen Autoren. Vom Münchner Volksmusik-Ensemble Unterbiberger Hofmusik bis zu den Berliner Philharmonikern und The XX, finden sich unter den Unterschriften auch Pink Floyd, das Berliner Elektronik-Duo Modeselektor oder Jazzpianist Michael Wollny sowie zahlreiche Europaparlamentarier.

In dem Manifest heißt es: "Artikel 13 regelt die Lizenzierung durch die Plattformen. Plattformen sollen Kreative fair und angemessen bezahlen, indem sie mit Lizenzen für das weltweite Repertoire arbeiten." Damit rückt es die Annahme zurecht, mit der Urheberrechtsreform würde eine Filterinfrastruktur installiert werden. Stattdessen können die nachweislich am meisten nachgefragten Inhalte, wie z. B. Musik, leicht von den Rechteinhabern lizenziert und damit rechtmäßig genutzt werden. Die Kultur- und Kreativbranche ist bereit und vorbereitet, um die notwendigen Lizenzverträge zu schließen. Das Manifest aufgesetzt hat Europaparlamentarierin Helga Trüpel, eine der Hauptbefürworterinnen und Befürworter der Reform.

Unter den Unterschriften finden sich auch zahlreiche Mitglieder des VUT (Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V.). VUT-Geschäftsführer Jörg Heidemann: "Die lange Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner macht deutlich, dass es unglaublich viele Kreative gibt, die die Reform befürworten. Es sind viele Fehlinformationen im Umlauf und die Gegenseite versucht Panik zu verbreiten. Aber wirklich betrifft die Reform nur eine kleine Zahl großer Plattformen, die seit Jahren massiv Gewinn auf dem Rücken der Künstler machen. Das Internet als solches wird bleiben wie es ist, nur fairer für Kreative."

Wie dringend notwendig die Reform – entgegen der aktuellen Proteste – ist, zeigt auch eine jüngst veröffentlichte Umfrage laut der 80 Prozent der befragten Europäer der Meinung sind, dass die EU Regeln schaffen sollte, nach denen Kreative für die Nutzung ihrer Werke im Internet angemessen vergütet werden. Außerdem ist die Mehrheit der Befragten überzeugt, dass die EU in den vergangenen Jahren nicht genug unternommen hat, um die Geschäftspraktiken großer US-Technologiekonzerne zu regulieren. Für die Studie, die die europäische Autoren-Vereinigung GESAC bei dem Marktforschungsunternehmen Harris Interactive in Auftrag gab, wurden 6.600 Personen in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen, Rumänien, Spanien und der Tschechischen Republik befragt.  ­ ­ ­

Viele Netzaktivisten hatten - ganz im Sinn der großen US-Konzerne - Stimmung gegen die Urheberrechtsreform gemacht und deren Hauptprotagonisten, den CDU-Politiker Axel Voss, mit Spott und teils sogar persönlichen Angriffen im Netz überzogen.

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