Komische Oper Berlin. Foto: JS
Komische Oper Berlin. Foto: JS

Komische Oper: Türkei in Persien

Noch bevor Erdogan seine massiven Angriffe auf die Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit auch außerhalb des eigentlichen Machtbereichs seines Regimes gestartet hat, ersetzte die Komische Oper in der Registerarie von Leporello die Türken kurzerhand durch Perser.

Die Komische Oper sieht sich zu folgender Pressemitteilung veranlasst: "In den italienischen Medien ilfattoquotidiano.it und ilgiornale.it kursieren Falschmeldungen über aktuelle Textänderungen in der deutschsprachigen Produktion von Mozarts Don Giovanni an der Komischen Oper Berlin, die auf indirekten Druck der türkischen Regierung bzw. direkte Anweisung der Bundesregierung erfolgt seien. Die Komische Oper Berlin nimmt dazu wie folgt Stellung.

Die aktuelle Produktion von Regisseur Herbert Fritsch feierte am 30. November 2014 in einer eigens für die Inszenierung erstellten Textfassung von Sabrina Zwach Premiere. Sie wird seitdem im Text unverändert gespielt. In dieser Fassung ist der betreffende Passus »In Italia seicento e quaranta, in Alemagna duecento e trentuna, cento in Francia, in Turchia novantuna« wie folgt ins Deutsche übertragen: »In Italien sechshundert und vierzig, hier in Deutschland zweihundert und dreißig, hundert in Frankreich, und neunzig in Persien«.

Die Fassung von Sabrina Zwach greift an dieser Stelle eine in deutschen Übertragungen seit vielen Jahrzehnten gebräuchliche Übersetzungstradition auf, die Rhythmus, Versmaß, Singbarkeit und Inhalt des italienischen Originals miteinander zu vereinen sucht. Historische und aktuelle geografische Verhältnisse sowie heutige politische Befindlichkeiten waren dafür ebenso wenig relevant wie die genaue Übersetzung von Zahlen. Eine Einflussnahme von außen auf die Arbeit der Übersetzerin hat zu keinem Zeitpunkt stattgefunden."

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