Klarinettist Michael Riessler. Bild: Thomas Radlwimmer
Klarinettist Michael Riessler. Bild: Thomas Radlwimmer

Klarinetten-Festival multiphonics

Zum Festival multiphonics kommen wieder internationale Gäste nach Köln, Dortmund und Düsseldorf.

Sie kommen aus Istanbul, Bukarest, Amsterdam und New York, und jeder von ihnen bringt ein Stück seiner Herkunft und Kultur mit, schöpft auf sehr persönliche Weise aus seinem Füllhorn Klangfarben und Formen. So kommt es zu Grenzgängen zwischen Klassik, Jazz, Avantgarde, elektronischer Moderne und, dies vor allem, der Folklore ihrer jeweiligen Heimat- und Herkunftsländer.

Immer wieder geht es auch um Identität und Verwurzelung, um Heimat als realen und als empfundenen Ort, den man überall auf der Welt in sich trägt. Alex Simu sucht nach seiner Bindung zur Heimatstadt Bukarest; das Taksim Trio schwelgt im reichen Erbe traditioneller türkischer Musik und reißt zugleich alle Fenster des Hauses „Weltmusik" weit auf; der syrische Klarinettist und Komponist Kinan Azmeh pendelt zwischen seiner Heimat und New York, auch er ein sinnlicher, fragender, insistierender Grenzgänger zwischen den musikalischen Traditionen.

Michael Riesslers unheimliche Geschichten

Der deutsche Bassklarinettist Michael Riessler wiederum erzählt „Unheimliche Geschichten" in der Tradition des deutschen Stummfilm-Expressionismus, der Österreicher Pepe Auer zelebriert mit seiner White Noise Band die Suche als eigentliches Ziel jeder Reise, und der Niederländer Joris Roelofs wird zum zirzensischen „Seiltänzer", der das Unbekannte ebenso liebt wie die Zukunft. Roelofs ist zudem Artist in Residence des diesjährigen Festivals und arrangiert in dieser Funktion eine Suite für gleich vier Klarinetten in allen Höhenlagen.

So wird multiphonics zu einem Festival der musikalischen Welterkundung. Freiheit und Neugier, die Besinnung auf die Wurzeln, die Lust am Unentdeckten, Offenen, Improvisierten: „Wir sollten beim Musizieren tanzen", sagt Roelofs, „aber genauso beim Schreiben, Denken und Sprechen." Was zweifellos Saxofonist Paul Heller unterstreichen würde, dessen Konzertreihe Next Level Jazz erneut mit dem Festival kooperiert: Im Rahmen seiner fulminanten „hauseigenen" NLJ-Bigband zelebrieren John Ruocco und Joris Roelofs die ganze Schönheit und Vielfalt der Klarinette.

Spielstätten sind in Köln neben dem LOFT, Stadtgarten und Altes Pfandhaus sowie die Philharmonie (Kinan Azmeh CityBand) und das Gloria Theater (Taksim Trio).

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