Schloss Hellenstein. Bild: Thomas Bünnigmann
Schloss Hellenstein. Bild: Thomas Bünnigmann

Klappstühle im Rittersaal

Die Festspiele in Heidenheim präsentieren sich in Corona-Reduzierung.

Da bekanntermaßen alte Pläne derzeit neu geschmiedet werden müssen, kann eine Absage auch Neues hervorbringen: Die Opernfestspiele Heidenheim haben sich dazu entschlossen, trotz der Einschränkungen ihrem Publikum musikalisch etwas zu bieten. Für vier Juli-Wochenenden hat das Team der um Festspieldirektor Marcus Bosch ein kleines, aber feines Programm entwickelt, das, natürlich inklusive Ausarbeitung eines Hygienekonzeptes, zumindest ein wenig Festival-Atmosphäre zurückbringt. Wie in den Anfängen ab dem Jahre 1964 werden Klappstühle in den Rittersaal von Schloss Hellenstein aufgestellt, und die Besucher können knapp einstündigen „Schloss-Serenaden" lauschen. An den vier Samstagabenden (4./11./18./25.7.) spielen instrumentale und vokale Kammerensembles mit Musikerinnen und Musiker der Festspiele; Höhepunkt sind die Auftritte des Orchesters Cappella Aquileia unter der Leitung von Marcus Bosch. Es werden Werke u.a. von Gershwin, Dvořák, Mozart und Elgar zu hören sein. 

Weiterer Bestandteil der Reihe „Klappstuhlkonzerte" werden die beliebten Jazzfrühstücke sein, bei denen kleine Jazz-Formationen und Nachwuchsensembles bei Catering für einen guten Start in den Sonntag sorgen. Hinzu kommen weitere Überraschungskonzerte der Solistinnen und Solisten der Festspiele sowie der Sänger des Vokalwerk Nürnberg in der Innenstadt. Auch ein weiteres beliebtes Format der Opernfestspiele konnte an die aktuellen Bedingungen angepasst werden: Die „Schlossbergtafel" (Picknick im Schlosspark mit Auftritten u.a. von Leah Gordon, Michaela Maria Mayer, Zoltán Nágy) wird unter dem Motto „Table Blanche" die Besucher auf die Wiesen rund um Schloss Hellenstein locken. Das Ambiente wird in Weiß erstrahlen, und die Besucher werden eingeladen, ebenfalls in Weiß zu kommen.

Das ursprünglich geplante Gala-Konzert mit Werken von Beethoven wird, leider ohne Live-Publikum, wie geplant auf CD aufgenommen (die erste Reihe mit den „Musiken für das Theater Vol I" des Labels cpo schaffte es auf die offiziellen Klassik-Charts des Monats Mai 2020). Gleichzeitig haben die Festspielmacher aber zusammen mit dem SWR ein besonderes Format konzipiert: Am Sonntag 26.7. um 13:00 Uhr spielt die Cappella Aquileia Klassik-Hits wie die Ouvertüren zu Mozarts „Zauberflöte" und Bernsteins „Candide", die „Tritsch-Tratsch-Polka" von Johann Strauß (Sohn) oder „Komm Zigan" aus Kálmáns „Csardasfürstin" mit Zoltán Nágy, einem Publikumsliebling der Opernfestspiele in den vergangenen Jahren. Konzertiert wird live im Heidenheimer Festspielhaus CCH, SWR 4 überträgt direkt in die Wohnstuben – alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, die Radios aufzudrehen und eine „Klangwolke" in Heidenheim entstehen zu lassen.

Sogar Musiktheater kann im Juli stattfinden: Die auch im ursprünglichen Festspielprogramm geplante Pop-Up Opera „Nau bens hald I" macht es möglich. Das Auftragswerk ist ein wichtiger Eckpunkt des ursprünglichen Festspielmottos „Macht" und blickt auf das Leben Georg Elsers, 75 Jahre nach dem Tod des Hitler-Attentäters. Mit einem Leiterwagen ziehen ein Sänger, ein Musiker und einige Jugendliche durch die Straßen und erzählen in kurzen Episoden vom Anderssein, vom Querdenken, von Macht und Auflehnung und vom Spiegel, den Elser uns vorhält.

 

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