Concerto Köln. Bild: Florian Profitlich
Concerto Köln. Bild: Florian Profitlich

Kein Zurück vom "Ring"

Wagner unter "Alte-Musik"-Lupe mit Blick in die Zukunft.

Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen fördert das zukunftsweisende Kulturprojekt „Wagner-Lesarten“ weiter bis 2021. Das 2017 gestartete wissenschaftlich-künstlerische Vorhaben von Concerto Köln und Kent Nagano möchte Richard Wagners Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ in einer historisch-informierten Lesart zur Aufführung bringen.

Seit 2017 erarbeitet ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern die wissenschaftlichen Grundlagen. Nach drei Vorkonzerten in der Kölner Philharmonie will Concerto Köln nun ab 2021 Wagners gesamte Tetralogie schrittweise realisieren. Durch die jetzt zugesagte Unterstützung wird die künstlerische Realisation der Oper „Rheingold“ maßgeblich ermöglicht.

Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen: „Im Rahmen der WagnerLesarten greifen Kunst und Wissenschaft auf besondere Weise ineinander: Die musikwissenschaftliche Grundlagenforschung, die das Projekt leistet, ermöglicht ein fundiertes Verständnis der ursprünglichen Aufführungspraxis des ‚Ring‘ und bereitet damit den Weg für eine einmalige künstlerische Erfahrung dieser bedeutenden Komposition. Möglich machen das gerade auch freie Musikerinnen und Musiker, die eine wichtige Rolle in der Erforschung musikalischer Praxis innehaben. Ich freue mich, dass dieses für die Wagner-Forschung im Speziellen und die Musikwissenschaft im Allgemeinen so bedeutende Vorhaben in NordrheinWestfalen eine Basis findet.“

Kent Nagano (Gesamtleitung Wagner-Lesarten): „Es freut mich sehr, dass die Realisierung des ‚Ring‘ dank der großartigen Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft nun gesichert ist. Richard Wagners ‚Der Ring des Nibelungen’ ist wahrscheinlich eine der am meisten erforschten Kompositionen, gleichwohl die systematische Annäherung an die Tetralogie aus historisch informiertem Blickwinkel in der Form bisher noch nicht erfolgt ist. Es ist uns dabei auch wichtig, dass unsere Forschungsergebnisse nicht nur Vorgaben für unsere musikalische Umsetzung sind, sondern auch veröffentlicht und nachvollziehbar gemacht werden. Dank der Unterstützung können wir gemeinsam die Musik historisch informiert erklingen lassen!“

Jochen Schäfsmeier (Geschäftsführer Concerto Köln): „Die Entscheidung, sich an den ‚Ring‘ zu wagen, stellte Concerto Köln sowohl künstlerisch als auch organisatorisch vor eine Aufgabe, mit der wir sämtliche bisherigen Grenzen überschritten. Das Projekt wird für die Alte-MusikBewegung richtungsweisend sein. Die Unterstützung durch das Land Nordrhein-Westfalen macht diese ‚Expedition‘ möglich und stellt für uns einen großen Vertrauensbeweis in unsere Arbeit dar.“

Einen weiteren wichtigen Schritt für die Realisierung eines „historischen“ Rings bedeutet ebenso die Bewilligung des Forschungsvorhabens von Prof. Dr. Anno Mungen, das sich der Gesangspraxis des 19. Jahrhunderts widmet, durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Die Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth bedeutet für die „Wagner-Lesarten“ nicht nur einen Brückenschlag zur Wirkungsstätte des Meisters, sondern ermöglicht, „allen Beteiligten ein spannendes Experiment. Im Rahmen der Methode der Künstlerischen Forschung wollen wir erkunden, wie sich Informationen zur Historie des Wagnergesangs auf heutiges Singen und Spielen der Rollen anwenden lässt.

Im Mittelpunkt stehen unsere Forschungen zu einem absoluten Superstar des 19. Jahrhunderts: Wilhelmine Schröder-Devrient, die für Wagner künstlerisch größte Bedeutung hatte. Über ihr Stimmprofil nähern wir uns einer auch für ihre Zeit ungewöhnlichen und nicht nur für Wagner faszinierenden Ästhetik der Oper, die dank der großzügigen Förderung durch das Land NRW und die DFG nun praktisch-wissenschaftlich erprobt werden kann“, erläutert Prof. Dr. Anno Mungen. Neben dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützen die Kunststiftung NRW, die Strecker-Stiftung und MBL das künstlerischwissenschaftliche Vorhaben.

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