Karina Canellakis. Foto: Mathias Bothor
Karina Canellakis. Foto: Mathias Bothor

Karina Canellakis mit Wagner, Schostakowitsch und Beethoven

Karina Canellakis hat das traditionsreiche Gürzenich-Orchester dirigiert und dabei ihren Sinn für ein sehr differenziertes Interpretieren des Standardrepertoires bewiesen.

Die Helden sind schon eine fallsüchtige Spezies. Für das jüngste Abo-Konzert des Gürzenich-Orchesters Köln in der Philharmonie könnte man den musikalischen Umgang mit mythologischen und mystifizierten Helden als Überschrift wählen. Karina Canellakis hatte den Trauermarsch aus der Götterdämmerung, Schostakowitschs erstes Cello-Konzert und Beethovens dritte Sinfonie angesetzt.

Siegfrieds Tod, eine Befreiung von Stalin und die von Napoleon aus ins Allgemeine gewendete Frage nach sozialen Helden bestimmten also den gedanklichen Überbau der drei Konzerte, deren letztes der Rezensent besucht hat.

Den Trauermarsch nahm Canellakis mir ruhigem Atem und schaffte bewegende Momente. Sie behielt sowohl den großen Bogen, als auch die Details wie die kurzen Figuren in den tiefen Streichern im Blick.

Als Solist in Schostakowitschs erstem Cellokonzert bestach Nicolas Altstaedt, weil er über die geforderte rhythmische Prägnanz, die seinem schlanken Ton liegt, ebenso gebietet, wie über dynamische Weite und erzmusikalische Phrasierungskunst.

Letztere vermisste man in der orchestralen Beethoven-Interpretation ein wenig, was zu einer manchmal etwas blockartig wirkenden Auffassung der Partitur führte, besonders in den ersten beiden Sätzen. Canellakis wählte mit verschlanktem Streicherapparat, der mit wenig Vibrato agierte, einen Zugriff der Entschlackung und Durchpulsung. Dabei hätte man sich mehr dynamische Abstufung gewünscht, vor allem bei den Holzbläsern. Doch diese Mäkelei ändert nichts an einem frischen und unpathetischen Beethoven-Erlebnis, das starken Beifall verdiente und bekam. Johannes Schmitz

 

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