Steph Richards. Bild: Chris Weiss
Steph Richards. Bild: Chris Weiss

Kanada auf der jazzahead!

Sollte die Jazzmesse in Bremen vom 23. - 26. April nicht dem Corona-Virus zum Opfer fallen, gibt es spannende Begegnungen mit Kanada.

In diesem Jahr entschied sich die jazzahead!, die Fachmesse und das Showcase-Festival, für Kanada als Partnerland. Hierbei leitet das kanadische Kulturinstitut das künstlerische Programm, während die Non-Profit-Organisation „Conseil Québécois de la Musique“, der Branchenverband „Canadian Independent Music Association“ und die Kanadische Botschaft federführend für den Messeauftritt zuständig sind. Kanada, das zweitgrößte Land der Welt, will ein umfassendes und vielfältiges Programm der Jazzszene präsentieren.

Ob Literatur, Theater, Film und Musik: Kanadas Kultur bietet einen ganz eigenen Blick nicht nur auf die Welt, sondern auch auf das eigene Land. Das gilt auch für Kanadas Jazz, dessen Musiker schon in der Vergangenheit eine wichtige Rolle spielen. Somit ist der Beitrag Kanadas zur Entwicklung des Jazz als moderne Kunstform nicht unbedeutend. Der Kanadier Shelton Brooks zum Beispiel schrieb 1917 sein „At The Dark Town Strutters“ ins Songbook der Original Dixieland Jazzband. Nach dem zweiten Weltkrieg machte der Pianist Oscar Peterson mit seiner stupenden Virtuosität gehörig Wirbel im sich damals entwickelnden Mainstream-Jazz, während sein Instrumentalkollege Paul Bley der jazzmusikalischen Avantgarde der 1960er-Jahre ungewöhnliche Wege zeigte. Der Trompeter Maynard Fergusion sorgte mit seinen Bigbands weltweit für Begeisterung, dessen Instrumentalkollege Kenny Wheeler half wiederum in Großbritannien einer europäischen Jazzsprache auf die Beine. Nicht zu vergessen sind die beiden „Jazz-Superstars“ aus Kanada: die Pianistin Diana Krall und der Crooner Michael Bubblé.

Heutzutage ist kanadischer Jazz vor allem eines: polyglott. Denn Kanada ist seit jeher ein Einwanderungsland und zählt auch heute noch, im weltweiten Vergleich, zu den Ländern mit der größten Einwanderungsquote. (Über 20% der kanadischen Bevölkerung sind im Ausland geboren.) Dies spiegelt sich auch in Kanadas (Jazz-)Musikszene wider: ständig in Bewegung, neugierig auf Begegenungen und Erfahrungen, eröffnet sie sich im Aufeinandertreffen der Kulturen neue Horizonte.

Das „Canada Council For The Arts“ als öffentlicher Kulturförderer und maßgebliche Institution hinsichtlich des Gastlandprogramms sowie der Branchenverband „Canadian Independent Music Association“ für den anglophonen Teil und „Conseil Québécois de la Musique“ für Québec, die Region mit dem größten frankophonen Bevölkerungsanteil, richten mit den verschiedenen Konzertmodulen der jazzahead! ihren Blick in die vielen Labore der improvisierten Musik der kanadischen Städte und Regionen: mit der „Canadian Night“ , den Showcases auf der Messe und gleich zwei Konzert-Schwerpunkten während der jazzahead! ClubNight, zum einen in der Schwankhalle und zum anderen in der Schaulust, wo das Spotlight auf die Musiker Québecs gerichtet wird. 

Dem jazzahead!-(Fach-)Publikum werden vor allem die Klangforscher gezeigt, die mit verschiedenen Symbiosen der Musikkulturen der Welt experimentieren und nach Synthesen mit kanadischer Improvisationsmusik forschen – wie beispielsweise das Trio der Posaunistin Audrey Ochoa, das Quartett des Pianistin François Bourassa, das Duo Marianne Trudel mit special guest John Hollenbeck, das New Canadian Art Quartet unter anderem mit den auch hierzulande bekannten Jerry Granelli (Drums) und Michael Blake (Saxofon), das CODE Quartet und The Brooks. Diese Musiker und Bands verdeutlichen eines: wie lebendig und vital Kanadas Jazzszene heute ist.

Als Abschlussveranstaltung der Messe am Sonntag, den 26. April laden das „Conseil Québécois de la Musique“ und die „Canadian Independent Music Association“ zusammen mit der Canadian Embassy ab 12.00h zu einem Business Frühstück. Eine Registrierung hierfür ist erforderlich.

www.jazzaheadcanada.ca

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