Herrschaftlicher Schlosshof. Bild: Schloss Vollrads
Herrschaftlicher Schlosshof. Bild: Schloss Vollrads

Kammermusik an der frischen Luft

Das Festival rund um Koblenz findet vorzugsweise im Freien statt.

Das Internationale Musikfestival Koblenz (IMUKO) wird 2020 unter dem Motto „Klänge des Lichts“ als eine Serie von 22 Konzerten an den schönsten Orten des UNESCO Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal und des Rheingaus vom 4. Juli bis 29. September stattfinden, u.a. im Burghof von Burg Namedy, im Kreuzgang von Kloster Eberbach, auf der Freilichtbühne Loreleyblick Maria Ruh und im Privatgarten von Schloss Vollrads.

Die Durchführbarkeit des Internationalen Musikfestivals Koblenz stand aufgrund der andauernden weltweiten Ausnahmesituation lange in den Sternen, doch der Festivalgründer Benedict Kloeckner hat sich von den bedrückenden Umständen nicht entmutigen lassen. Gemeinsam mit seinem Team hat der Cellist ein neues Sicherheitskonzept für die Kammerkonzerte entwickelt, bei denen Koryphäen der internationalen Musikszene wie Benjamin Grosvenor, Tianwa Yang, Louis Schwizgebel sowie innovative KünstlerInnen wie Yury Revich oder Danae Dörken auftreten werden.

Die 22 Konzerte finden vorwiegend im Freien statt und entsprechen den behördlichen Vorgaben zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Dazu gehören Vorkehrungen zum Abstandhalten und die verpflichtende Kartenvorbestellung durch die Zuhörer.
 
„Gerade in Zeiten wie diesen fühlen wir uns dem Publikum wie auch den Künstlern verpflichtet, Kultur zu ermöglichen. Wir alle brauchen und sehnen uns nach einem ‚Lichtblick‘“, so Benedict Kloeckner. „Das Programm darf als eine Antwort auf die Herausforderungen der aktuellen Zeit verstanden werden, ein interkultureller Dialog, der drei Jahrhunderte und sechs Kontinente umfasst.“

Der Cellist eröffnet das Festival mit zwei Soloprogrammen unter dem Motto „Klänge des Lichts“, die besonders auf die aktuelle Weltsituation Bezug nehmen: Am 4., 5., 10. und 11. Juli kombiniert er auf Schloss Burg Namedy und im Kloster Eberbach jeweils drei Cello-Suiten von J. S. Bach mit Solo-Miniaturen, die er bei sechs Komponisten auf verschiedenen Kontinenten als Echo auf die Corona-Krise in Auftrag gegeben hat.

Das Abschlusskonzert am 29. September auf Burg Namedy mit Klaviertrios von Brahms und Tschaikowsky hat er dem Andenken der Opfer der Corona-Pandemie gewidmet und gestaltet es gemeinsam mit dem Geschwisterpaar Kirill Troussov an der Violine und Alexandra Troussova am Klavier.

Vom 17. bis 19. Juli tritt der Festivalleiter dreimal mit dem russisch-österreichischen Geiger Yury Revich mit dem Programm „String Battle“ auf, in dem sie einen musikalischen Wettstreit mit Kreativität, Virtuosität, Improvisation und Emotion austragen. Zu hören sind Werke von u.a. Kodály, Casals, Paganini und Händel-Halverson sowie die Uraufführung von zwei eigens für diese Konzerte angefertigten Werken von Geoffrey Gordon und José Elizondo. Außerdem soll es eine Improvisation über ein vom Publikum ausgewähltes Thema geben.

An drei weiteren Juliabenden stehen die „Kreutzer“-Sonate von Jubilar Beethoven und Schuberts Klaviertrio op. 100 mit der Violinistin Tianwa Yang und dem Pianisten Louis Schwizgebel auf dem Programm. Einen weiteres Jubiläums-Abend gestaltet am zweiten Augustwochenende das preisgekrönte französische Trio Sōra, von dessen leidenschaftlichem Spiel ihr Mentor András Schiff schwärmt, mit Klaviertrios von Beethoven. 

Ein anderer Jubilar des Jahres 2020 ist Tschaikowsky, dessen 180. Geburtstag begangen wird. Ihm zu Ehren spielen Benedict Kloeckner, Kirill Troussov und Alexandra Troussova am ersten Augustwochenende ein Programm mit seinen schönsten romantischen Charakterstücken sowie sein abendfüllendes Klaviertrio „À la mémoire d’un grand artiste“, das Nikolai Rubinstein gewidmet ist.

Zwei weitere interessante Programme des Festivals finden am 16. August auf Fort Großfürst Constantin statt. Die Norwegerin Ragnhild Hemsing wird vormittags mit Werken aus ihrer Heimat auf der Violine und der traditionellen Hardanger-Fiddle gemeinsam mit Benedict Kloeckner und Mario Häring am Klavier zu erleben sein. Am Abend werden Xin Wang und Florian Koltun mit der 5. Symphonie in einem Arrangement zu vier Händen noch einmal Beethoven in den Fokus rücken.
Stimmungsvoll-nordisch geht es auch am 21. August zu, wenn die Pianistin Danae Dörken mit dem Festivalgründer das Programm „Von Trollen und Elfen“ mit Werken von u.a. Grieg und Janáček hoch über dem Rhein mit Blick auf die Loreley spielt.

Am 5. September präsentiert Benedict Kloeckner mit den Troussov-Geschwistern unter dem Titel „Opus 8“ in Kooperation mit den Oraniensteiner Konzerten Werke von Schubert, Prokofiev und Brahms auf Schloss Oranienstein. 

Rachmaninoffs selten gespieltes, abendfüllendes Klaviertrio „Trio élégiaque“ Nr.2 d-Moll wird am 12. September im großen Saal der Rhein-Mosel-Halle (Koblenz) interpretiert von Benjamin Grosvenor, einem der großen Pianisten unserer Zeit,  Hyeyoon Park, der Gewinnerin des ARD Musikwettbewerbs im Fach Violine und Benedict Kloeckner. Mit Mahlers Jugendwerk, Vasks sphärischen Klängen und Brahms‘ leidenschaftlicher Tonsprache werden in stimmungsvollem Kerzenlicht am 27. September am gleichen Ort die vielfältigen Facetten des Klavierquartetts ausgelotet. Ausführende sind an diesem Abend die japanische Starpianistin Yu Kosuge, der polnisch-italienische Bratscher Lech Uszynski, Diana Tishchenko, Gewinnerin des Grand prix Jaques Thibaud und des ARD Musikwettbewerbs sowie erneut Benedict Kloeckner.  

Zur Übersicht