Ji Yoon | Björk: Vespertine

Ji Yoon | Björk: Vespertine

Das 2001 veröffentlichte Album „Vespertine“ („Abendlich“) von Björk gilt als Meilenstein im Schaffen der isländischen Künstlerin. Inspiriert von einer neuen Beziehung, erkundete die Sängerin und Komponistin das Spektrum jener Gefühle, die eine neue Liebe auslösen kann, und überschritt dabei die Grenzen zwischen Ambient, Pop und moderner Klassik.


Im vergangenen Jahr brachte das Nationaltheater Mannheim „Vespertine“ als Oper auf die Bühne. Die aus Live-Mitschnitten entstandene Aufnahme entfaltet einen ganz eigentümlichen Sog, auch ohne die szenische Ebene.
Der Reiz der Musik erwächst aus einer exzellenten Adaption: Das Dreier-Kollektiv „Himmelfahrt Scores“ hat Björks oft elektronisch produzierte Sounds auf die Palette eines erweiterten klassischen Orchesters sowie zwei Chöre und vier Solisten übertragen und dafür alle rhythmischen und melodischen Nuancen minutiös als Partitur ausnotiert. Insgesamt umfasst die Björk-Oper zweiundzwanzig Songs und Zwischenspiele mit einer Gesamtdauer von knapp 80 Minuten.
Die oft sehr sphärischen Klangmischungen aus Streicherflächen und weichen Bläserakkorden bilden das Fundament für den Vokalpart, der von zwei Sopranistinnen dominiert wird. Ji Yoon und Aki Hashimoto singen die zarten Linien mit opernhafter Leuchtkraft, aber auch der gebotenen Intimität.
In ihrer eigentümlichen Mischung aus Sehnsucht und wehmütigen Melodien, aus impressionistischen Farben und Momenten von verhaltener Ekstase entfacht die Musik einen geheimnisvollen Zauber. Man muss kein Björk-Fan sein, um sich von dieser Klangwelt berühren zu lassen. Einziger Nachteil: Das Booklet verzichtet auf die Texte der Songs. Das macht es schwer, dem Inhalt zu folgen und die beiden vorzüglichen Sopranistinnen auseinanderzuhalten.            

Marcus Stäbler

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Musik:
4,50
Klang:
4,50

Björk: Vespertine (Arr. Himmelfahrt Scores); Ji Yoon, Aki Hashimoto, u. a., Orchester des Nationaltheaters Mannheim, Matthew Toogood (2018); Oehms

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